Betti Fichtl: Lustige Tiergeschichten. Mit farbigen Illustrationen von Maren Frank

Betti Fichtl: Lustige Tiergeschichten. Mit Illustrationen von Maren Frank, Weiden 2005, Edition Wendepunkt, ISBN: 3-938728-11-6, Hardcover mit 15 Farbillustrationen, 76 Seiten, Format: 21 x 21 x 0,9 cm, EUR 13,50.

Der Buchtitel „Lustige Tiergeschichten“ führt eigentlich ein klein wenig in die Irre. Nicht immer sind die Geschehnisse in den Geschichten und Gedichten zum Lachen. Die Beiträge haben allesamt einen positiven Grundton, doch es geht durchaus auch um ernste Themen: Um den Rauhaardackel Bodo, zum Beispiel, der von seinem Herrchen ausgesetzt wird und sich ein neues zu Hause suchen muss. Oder um den Papagei Leopold, der das Leben im Käfig satt hat und ein offen stehendes Fenster zur Flucht in die Freiheit nutzt. Auch die Geschichte vom jungen Zirkuselefanten Samira, der mit den Anforderungen an einen professionellen Auftritt in der Manege noch überfordert ist, hat einen ernsthaften Hintergrund.

Eines haben alle Beiträge gemeinsam: Sie sind gehen gut aus. Tränen und schlaflose Nächte muss man bei sensiblen Kindern, die diese Texte lesen oder vorgelesen bekommen, also nicht befürchten. Sie können getrost mit der kleinen Spitzmaus auf Entdeckungsreise gehen, die schwarze Kuh Blacky auf die neue Weide begleiten und mit dem Schäferhund Benno mitfiebern, den das Schicksal ins Tierheim geführt hat und der sich nun die bange Frage stellt, ob er jemals wieder ein glückliches Zuhause bei einer Familie finden wird.

Alle sieben Geschichten und vier Gedichte sind aus der Perspektive der Tiere erzählt. Dabei ist es eine gewisse „Vermenschlichung“ unvermeidlich, schließlich unterstellt man den Tieren ja menschliche Gedankengänge. Was kein Fehler sein muss, denn dadurch wird deutlich, dass Tiere Lebewesen sind, die zu fühlen und zu leiden imstande sind: Der Papagei im Käfig strebt nach Freiheit, die verlassenen Hunde und der einzeln gehaltene Sittich sind einsam und der Spitz steht unter Stress, weil auf einmal ein fremder Hund in sein Revier eindringt: ein Pudel, den sein Frauchen in Urlaubspflege genommen hat.

Und über den Alltag und das Familienleben der Tiere lernt man auch noch etwas: Wie beispielsweise Stare und Störche ihre Kinder aufziehen und was eigentlich Katzen so den ganzen Tag treiben.

Die Kurzgeschichten empfinde ich persönlich als starker als die Gedichte, bei denen Reim und Rhythmus an manchen Stellen nicht ganz so perfekt sitzen. Aber das ist vielleicht etwas, das nur Erwachsene stört. Der eigentlichen Zielgruppe, den Kindern, dürften solche formale Dinge letztlich egal sein. Sie werden Spitzmaus, Sittich, Kuh &. Co. trotzdem in ihr Herz schließen.

Sollten die jungen Leserinnen und Leser je nicht wissen, wie ein Spitz, ein Star oder eine Spitzmaus aussieht: Auf den farbigen Abbildungen können sie die Helden der Geschichten kennen lernen. Die Illustratorin Maren Frank hat die Tiere liebevoll und naturgetreu gezeichnet.

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