Joann Sfar: Die Katze des Rabbiners. Ein Comic für Erwachsene

Joann Sfar: Die Katze des Rabbiners. Ein Comic für Erwachsene

Joann Sfar: DIE KATZE DES RABBINERS ’“ 1. Die Bar-Mizwa, Berlin 2004, Aus dem Französischen von David Permantier, Lettering: Kai Pfeiffer, Kolorierung: Brigitte Findakly, Avant-Verlag, ISBN: 3-9807725-5-1, 48 Seiten, Stabiler Einband, durchgehend farbig, Format 22,5 x 29,5 x 0,7 cm, EUR 14,95

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Dieser Buchtipp kam von einer Katzenfreundin, die mich schon sehr lange kennt. Und sie hatte Recht: Dieses Comic-Album ist Klasse! Und deshalb gebe ich den Tipp gleich an Euch weiter.

Irgendwo in Nordafrika lebt und lehrt unser Rabbi. Er hat eine schöne Tochter namens Zlabya, einen hässlichen Kater und einen Papagei, der andauernd sinnfreies Zeug quasselt. Bis es dem Kater zu bunt wird und er den nervigen Papagei kurzerhand verspeist. Und das hat eine erstaunliche Nebenwirkung: Der Kater kann auf einmal sprechen.

Da der Kater aber nicht nur lügt sondern den Rabbi auch in ernsthafte theologische Diskussionen verwickelt. ’“ gegen die wörtliche Auslegung der Schöpfungsgeschichte führt er zum Beispiel die C14-Altersbestimmung ins Feld, denn lesen kann der Kater schon lange ’“ befürchtet der Rabbi, das Tier könne seiner Tochter irgendwelche Flausen in den Kopf setzen. Also lässt er den Kater nicht mehr mit Zlabya alleine, sondern nimmt ihn mit zum Studieren.

Der Kater vermisst seine Herrin Zlabya und hat eine geniale Idee: Wenn er ein guter Jude würde, dürfte er doch sicher wieder zu ihr zurückkehren. Und zu diesem Zweck will er die Bar-Mizwa ablegen. Das ist in etwa vergleichbar mit der christlichen Konfirmation oder Firmung. Der Rabbi wiederum hält das für eine ausgesprochene Kateridee, denn wer hat schon jemals davon gehört, dass ein Tier religionsmündig wird?

Da der Kater keine Ruhe gibt, geht der Rabbi mit ihm zu seinem eigenen Rabbi, und dort tragen sie das Ansinnen des sprechenden Katzentiers vor. Das geht erst recht daneben, denn der unverschämte Kater diskutiert und rechtet nicht nur mit dem Meister, er geigt ihm sogar ordentlich die Meinung. Also wird’™s einstweilen nichts mit der Bar-Mizwa. Der Kater sitzt weiterhin beim Rabbi im Studierzimmer, gibt naseweise Kommentare ab und verwickelt seinen Menschen in spitzfindige Diskussionen.

In einer herrlich surrealen Traumsequenz verwandelt sich der kleine dicke Rabbi in einen kleinen dicken Kater und zieht zusammen mit seinem Katzenvieh um die Häuser. Und auch im realen Leben erlebt der Kater Spannendes. Er beschattet einen besonders unsympathischen Schüler seines Rabbi bis ins arabische Viertel …

Ob der Kater doch noch seine Prüfung ablegen und zu Zlabya zurückkehren darf und was er über den unsympathischen Schüler herausfindet, das verrate ich hier nicht.

Der Berliner Autor Marc Degens schreibt zu diesem Werk: ’žTrotz ihrer vielen Einzelheiten lassen die Zeichnungen dem Leser Platz für die eigene Fantasie. Beeindruckend ist auch die einfallsreiche Farbgebung von Brigitte Findakly. Ein meerblauer Mond in türkisklarer Nacht … Die in warme, dunkle Töne gehüllten Gassen und Plätze der Altstadt … Das verspielte, goldglänzende Kleid der Tochter. Und der Zeichner beweist Mut. Im Gegensatz zu der reizenden, nach einem algerischen Honigkuchengebäck benannten Tochter ist die Katze des Rabbiners ein unförmiges, abstoßendes Wesen – ja, wahrscheinlich ist sie sogar die hässlichste Katze der Comicgeschichte. Und trotzdem hat man sie als Leser/in gern.’œ

Kindern würde ich den Comic nicht unbedingt in die Hand geben. Die respektlosen Diskussionen über Gott und die Welt, die der Kater mit dem Rabbi führt, sind sehr lustig und äußerst lehrreich, aber doch eher für Erwachsene interessant. Zudem hat der Kater einen nicht ganz stubenreinen Wortschatz.

Auch wenn die Geschichte ohne Detailkenntnisse des jüdischen Glaubens verständlich ist, wäre ein Glossar nicht schlecht gewesen. Wer bestimmte Begriffe ausführlicher erklärt haben möchte, dem empfehle ich die Seite http://www.hagalil.com.

Joann Sfar, der die Reihe ’žDie Katze des Rabinners’œ ganz alleine schreibt und zeichnet, wurde 1971 in Nizza geboren. Er studierte Philosophie und Malerei in seinem Geburtsort und Morphologie in Paris. Erste Veröffentlichungen hatte er in dem von der französischen Künstlervereinigung L’™Association herausgegebenen Magazin „Lapin“. Heute arbeitet er zusammen mit einigen anderen Comic-Zeichnern in einem gemeinsam geführten Atelier.

Zum Glück ist Joann Sfar ein sehr fleißiger Künstler: In den Comic-Alben ’žMalka, der Herr der Löwen’œ und ’žExodus’œ begegnen wir unserem sprechenden Kater wieder.

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