Lydia Schweigert: Floppy -“ Der Hund vom anderen Stern

Wie man im Weltraum von uns denkt …

Lydia Schweigert: Floppy ’“ Der Hund vom anderen Stern, 5 farbige Illustrationen, Norderstedt 2005, Books on Demand GmbH, ISBN: 3-8334-2908-9, 112 Seiten, flexibler Einband, Format 14,8 x 20,8 x 0,7 cm, EUR 10,20

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Wir sind nicht allein im All. Die Bewohner des Planeten Flups beobachten uns schon lange. Um uns zu erforschen und einschätzen zu können, ob wir vielleicht eine Bedrohung für sie darstellen, beschließt der Wissenschaftlerrat der friedlichen und intelligenten Flupsianer, einen ihrer Leute als Kundschafter auf die Erde zu schicken. Gut getarnt, natürlich, damit wir Erdlinge bei dem Anblick eines Außerirdischen nicht gleich in Panik geraten.

Aus ihrem Professor Flopsberg wird mit Hilfe des ’žFlupsformators’œ für ein Jahr der Undercover-Agent Floppy ’“ ein Hund. In dieser Gestalt kann er in Gesellschaft der Menschen leben und sie unauffällig beobachten. Sie werden sich in seiner Gegenwart unbefangen äußern, weil sie annehmen, er verstehe sie sowieso nicht. So weit die Theorie.

Floppy, alias Professor Flopsberg, klettert also in sein hundegerecht umgebautes Raumschiff und landet kurze Zeit später auf der Erde. In einem einsamen Waldstück vergräbt er sein Transportmittel und macht sich auf den Weg in die Zivilisation. Doch so einfach gestaltet sich die Kontaktaufnahme mit den Erdlingen nicht. Als erstes landet Floppy im Tierheim. Nur dank seiner flupsianischen Intelligenz und fremder Hilfe gelingt ihm die Flucht.

Der nächste Kontakt verläuft schon erfreulicher. Floppy wird von der Tierfreundin Laura aufgelesen und findet bei ihrer Familie und ihren Tieren Unterschlupf. Dumm nur, dass er als Flupsianer kein Fleisch isst. Wie erklärt man den Menschen einen vegetarischen Hund, der dazu noch nachts heimlich die Fernsehnachrichten einschaltet? Doch Flupsianer sind erfinderisch …

Floppys erstaunlicher Bericht an seine außerirdischen Wissenschaftlerkollegen lautet:
’žTiere scheinen im Allgemeinen sehr liebenswerte und hilfsbereite Geschöpfe zu sein. Ob Pferde, Hunde, Katzen, Ziegen, Kaninchen oder Meerschweinchen, alle haben mich sehr freundlich aufgenommen und nie Probleme bereitet. Manche Tiere betreiben eine Art Handel mit den Erdlingen, deren Bezeichnung hier übrigens ’žMenschen’œ lautet. Hühner zum Beispiel tauschen ihre Eier gegen Körnerfutter ein, Pferde tragen die Menschen auf dem Rücken umher und erhalten dafür Pflege und eine äußerst schmackhafte Getreidemischung.’œ

Doch dieser Urlaub bei Laura auf dem Land kann nicht ewig währen. Floppy hat schließlich einen Forschungsauftrag zu erfüllen. Bei Nacht und Nebel zieht er weiter und stößt auf den gutmütigen LKW-Fahrer Ben, der ihn auf seine Tour mitnimmt, ihm Käsebrötchen kauft, ihn nach Herzenslust Radio hören lässt und ihm aus seinem einsamen Leben erzählt. Auch da bleibt Floppy nicht lange.

Er landet bei dem erfolglosen Schriftsteller Frank. Floppy hat Mitleid mit dem jungen Künstler und beschließt, dessen Karriere auf die Sprünge zu helfen, ehe er zur nächsten Forschungsstation weiterzieht. Das ’žHilfsprojekt Frank’œ beschert Floppy eine Rolle in einem Kinofilm. Was er sich für den jungen Schriftsteller einfallen lässt, wird hier nicht verraten.

Floppy begleitet den Obdachlosen Jupp und gerät wieder in die Trucker-Szene. Mit dem LKW-Fahrer Hannes fährt er des guten Klimas wegen nach Spanien. Eine ausgesprochen blöde Idee, wie ihm der spanische Streuner Scar versichert. Seine Hundekumpels und er gäben alles darum, ins Hundeparadies Deutschland überzusiedeln.

Doch auch in Spanien gibt es Tierfreunde. Floppy kommt bei Maria unter, die schon allerlei streunende Tiere bei sich aufgenommen hat. Maria sitzt nach einem Unfall im Rollstuhl. Um ihr den Alltag zu erleichtern bringt ihren Tieren eine Reihe von Tricks bei. ’žFloppy, dich schickt der Himmel’œ, sagt Maria und ahnt gar nicht, wie Recht sie damit hat. Sie fragt sich insgeheim, ob Floppy wohl ein entlaufenes Zirkustier ist – oder vielleicht ein ausgebildeter Behinderten-Begleithund? Und auf einmal hat Maria eine geniale Idee, die viele Menschen und Tiere glücklich machen wird.

Wenn Floppy schon in Spanien ist, will er auch das Meer sehen, denn so etwas gibt es nicht auf seinem Heimatplaneten. Sein Abenteuer als ’žSeehund’œ endet allerdings ziemlich unerquicklich. So langsam muss er auch an seine Rückkehr nach Flups denken. Doch zunächst stellt sich die Frage, wie er wieder nach Deutschland kommt. Bei der obligatorischen tierärztlichen Untersuchung, die einer legalen Einreise vorausgeht, würde seine Tarnung auffliegen. Doch nicht nur Flupsianer sind einfallsreich, auch die deutsche Familie ist es, der er am Strand begegnet …

Zurück in Deutschland wird Floppy klar, dass sein Jahr auf der Erde Spuren hinterlassen hat. Sein Kinofilm ist fertig ’“ doch er als Hund muss vor der Tür warten, während sich ’žseine’œ Menschenfamilie im Kino amüsiert. Dafür begegnet er einem alten Kumpel, für den sich ein Lebenstraum erfüllt hat. Und Floppy ist nicht ganz unschuldig daran.

Die Zeit verrinnt, und Floppy muss endgültig nach Hause. Noch einmal spielt er Schicksal für einen treuen Freund ’“ und dann heißt es Abschied nehmen. Doch als Floppy an die Stelle im Wald kommt, an der er bei seiner Ankunft das Raumschiff vergraben hat, bekommt er den Schreck seines Lebens: Ein Hindernis versperrt ihm den Heimweg! Wie kommt er jetzt nach Flups, ehe seine Rückverwandlung einsetzt? Aber Flupsianer sind optimistisch, von Natur aus kommunikativ ’“ und ausgesprochen einfallsreich …

Das Buch ist spannend, rührend und auf intelligente Weise lustig und unterhaltsam. Man kann es als liebenswertes Science-fiction-Märchen für Kinder lesen. Aber es ist mehr. Floppy, alias Professor Flopsberg, sieht unsere Welt unvoreingenommen mit den Augen eines Außerirdischen. Wie er uns Erdlinge wahrnimmt, wird besonders deutlich in seinen Berichten, die er regelmäßig nach Hause schickt. So manches Mal muss man sich sagen: ’žAutsch ’“ ertappt! Genau so ist es!’œ Da dies aber nie besserwisserisch oder belehrend geschieht sondern immer mit einem Augenzwinkern, ist man als Leser durchaus bereit, sich über Professor Flopsbergs Sicht der Dinge Gedanken zu machen. Es ist direkt schade, dass er nur eine literarische Figur ist. Ein ausführliches Gespräch mit ihm würde sich ganz sicher lohnen.

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