Susanne Goga: Tod in Blau. Kriminalroman

Kommissar Leo Wechsler ermittelt wieder im dem Berlin der 20-er Jahre

Susanne Goga: Tod in Blau. Kriminalroman, München 2007, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, ISBN: 978-3-423-24577-7, Flexibler Einband, 297 Seiten, Format: 13,5 x 21 x 2,7 cm, EUR 14,50

Berlin, 1922. Ein Verkäufer für Herrenoberbekleidung wird tot aus dem Landwehrkanal gefischt. Selbstmord? Unfall? Oder gar Mord? Kommissar Leo Wechsler ermittelt. Eine Spur im Nachlass des jungen Mannes führt zur rechtsextremen Asgard-Gesellschaft und zu einem ihrer führenden Köpfe, Oberstleutnant Ulrich von Mühl.

Kriminalsekretär Walther spricht aus, was wohl jeder, einschließlich Leo Wechsler, über Herrn von Mühl denkt: ’žMann, was für ein arrogantes Schwein’œ.

Die Wege der Polizei und der dubiosen Gesellschaft kreuzen sich schon bald ein zweites Mal. Der Maler Arnold Wegner liegt tot in seinem Atelier. Und dieser Tod war kein Unfall. Mit seinen provokanten, expressiven Bildern des Kriegs und des Elends sowie den wenig schmeichelhaften Porträts angesehener Personen der Gesellschaft hat er sich nicht viele Freunde gemacht. Hauptsächlich die Mitglieder der Asgard-Gesellschaft haben gegen den Maler und seine Arbeiten gehetzt ’“ allen voran Ulrich von Mühl.

Aber tötet jemand tatsächlich einen Maler, nur weil ihm dessen Bilder nicht gefallen? Ist der Täter nicht vielleicht eher im privaten Umfeld des Künstlers zu suchen? Was ist mit seiner Frau? Die Ehe war nicht glücklich. Mit der Treue nahm Wegner es auch nicht so genau. Geht die Tat vielleicht auf das Konto eines betrogenen Ehemanns?

Auch wenn Leo Wechsler gute Kontakte zur Künstlerszene hat ’“ die Ermittlungen gehen nicht so recht weiter. Doch dann liefert die avantgardistische Tänzerin Thea Pabst, Modell und Geliebte des ermordeten Malers, einen wichtigen Hinweis: Es gibt einen Zeugen, der Licht ins Dunkel bringen könnte. Paul Görlich, ein geistig zurückgebliebener Zwölfjähriger aus einem der trostlosen Armenviertel der Stadt, hatte sich mit dem Künstler angefreundet und verfügt womöglich über entscheidende Informationen.

Auch wenn dem kleinen Paul die Brisanz seines Wissens wahrscheinlich gar nicht bewusst ist ’“ Arnold Wegners Mörder kann kein Risiko eingehen …

Die verschiedenen Handlungsstränge des Romans führen den Leser quer durch die gesellschaftlichen Schichten Berlins: in die vornehmen Villen der besseren Gesellschaft, in die Hinterhöfe und Armenviertel und in die extravagante Künstlerszene der 20-er Jahre. Eine faszinierende ’“ und dank der authentischen Charaktere sehr lebendige ’“ Momentaufnahme der Stadt aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

Mit lebhaftem Interesse und Mitgefühl verfolgt man als Leser auch Kommissar Wechslers privates Schicksal. Zum einen spiegeln sich gerade in diesen Alltagsgeschichten besonders deutlich die Lebensbedingungen der damaligen Zeit wieder. Zum anderen sind Wechslers Lebensumstände ziemlich ungewöhnlich: Er ist verwitwet, hat zwei Kinder, und seine unverheiratete Schwester Ilse führt ihm den Haushalt. Doch es zeichnen sich Veränderungen ab: Ilse hat seit einiger Zeit einen Freund und Leo Wechsler entwickelt ein romantisches Interesse an der sympathischen Bibliothekarin Clara Bleibtreu. Warum aber erzählt sie nie etwas aus ihrem bisherigen Leben?

Ausgerechnet Ulrich von Mühl, der Unsympath von der Asgard-Gesellschaft, muss Claras Geheimnis lüften. Und auch Herbert von Malchow, Leos verhasster Kollege, drängt sich auf unverantwortliche Weise in Wechslers persönliche Angelegenheiten. Es bleibt also spannend bei Leo Wechsler … nicht nur dienstlich, sondern auch privat.

Wenn die nächste kriminalistische ’žZeitreise’œ ins Berlin der 20-er Jahre ansteht und Leo Wechsler wieder ermittelt, bin ich auf jeden Fall mit von der Partie!

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