Tina Zang: Die Mica & Marty-Trilogie

Es gibt sie, die Kinderbücher, die heimlich von den Eltern weitergelesen werden, sobald die Kids abends eingeschlafen sind. Zuletzt habe ich das von Harry Potter gehört. Bei der „Mica & Marty“-Trilogie von Tina Zang kann ich mir das auch sehr gut vorstellen. Ich – ein notorischer Vielleser – habe mich jedenfalls schon lange nicht mehr so köstlich über eine Buchreihe amüsiert wie über diese Trilogie.

Tina Zang: Mica & Marty 1 – Die Mystery-Agenten. Leer 2003, ISBN 3-934927-30-0, Leda-Verlag. 126 Seiten, flexibler, farbiger Umschlag, Format 12,5 x 19 x 1 cm. Ab 9 Jahre. EUR 6,50.

Ausgerechnet im verhassten Latein-Nachhilfeunterricht entdeckt die 13-jährige Michaela Maier, genannt Mica, ein Talent, das ihr Leben verändern soll: Sie kann sich mit Tieren verständigen. In einer Tierhandlung rettet sie wenig später die Ratte Marty aus einem Schlangenkäfig und nimmt sie als Haustier auf. Jetzt geht’s erst richtig rund! Marty will unbedingt Abenteuer erleben und überredet Mica, Plakate aufzuhängen, in denen sie ihre Dienste als Mystery-Agenten anbieten. Es meldet sich in der Tat eine Klientin: die Dozentin Eva, die eine unglaubliche Geschichte zu erzählen hat. Durch einen Seidenvorhang kann sie in eine andere Welt gelangen, ins paradiesische Valanna. Dort, wo noch nie ein Verbrechen geschehen ist, ist jetzt der Sohn des Herrschers verschwunden, und die Mystery-Agenten sollen ihn suchen.

Mica ist nicht so ganz wohl bei der Sache, aber Marty ist Feuer und Flamme, und so begleiten sie Eva nach Valanna und nehmen die Nachforschungen auf. Statt sich in den Ferien tödlich zu langweilen, wie Micas Eltern vermuten, erlebt sie mit Marty und Eva irrwitzige, aufregende und haarsträubende Abenteuer.

Mica mit ihren liebenswerten Schwächen, ihrer nervigen Familie und den Alltagsproblemchen ist eine sehr normale und überaus sympathische Heldin, mit der man sich als Leser wunderbar identifizieren kann. Ihr Rattenkumpel Marty mit seinen spontanen Einfällen, den respektlosen Reden und den lustigen Wortverdrehungen bringt sie immer wieder in die unmöglichsten Situationen. Langweilig wird es mit den beiden nie.

Den Vorwurf, den Mica sich häufig gefallen lassen muss, nämlich dass sie eine blühende Phantasie habe, darf man als Kompliment an die Autorin weitergeben. Die Geschichte ist spannend, originell und phantastisch, bietet zudem noch Futter für den Grips – und ist saukomisch.

Ich empfehle dringend, die Mica & Marty-Abenteuer NICHT in öffentlichen Verkehrsmitteln zu lesen – es besteht stellenweise akute Lautloslachgefahr. Und wer weiß, was die anderen Fahrgäste dann von Ihnen denken … ?

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Tina Zang: Mica & Marty 2 – Die Astro-Cops. Leer 2003, ISBN 3-934927-31-9, Leda-Verlag. 142 Seiten, flexibler, farbiger Umschlag, Format 12,5 x 19 x 1,2 cm. Ab 10 Jahre. EUR 7,50.

Mica und ihr Rattenkumpel Marty sind große Fans der TV-Serie STAR-TREK – Voyager. So lassen sie auch gern die Chance auf eine Woche Urlaub auf Mallorca mit den Eltern sausen und gehen statt dessen auf ein Fan-Treffen in der Stadt, zur so genannten HoloCon. Auf solchen Veranstaltungen trifft man jede Menge skurril verkleideter Gestalten. Auch Marty hat ein Kostüm … er geht als der kleinste Klingone der Welt.

Zwei der HoloCon-Besucher fallen Mica gleich auf: Sie tragen atemberaubend tolle Kostüme. Und Mica kann sich mit ihnen genau so verständigen wie mit den Tieren. Keine Frage – die zwei Blauen sind echte Außerirdische! Und wie das so ist mit den Aliens: Die haben gerne fiese Pläne. Diese beiden zum Beispiel bereiten gerade eine Invasion der Erde vor. Das muss unbedingt verhindert werden – und ehe Mica es sich versieht, ist sie trotz ihrer Höhenangst mit Marty und Bert – einer Zufallsbekanntschaft von der HoloCon – an Bord des unsichtbaren Raumschiffs der Blauen. Und nicht nur das: Sie entführen es! Das ist so ungefähr das schlimmste Verbrechen in der Welt der Blauen. Und auf einmal haben Mica, Marty und Bert das größte Problem, das jemals irgendjemand in diesem Universum hatte …

Für diesen Band gilt ebenfalls: sympathische Helden und eine phantasievoll, spannend und unterhaltsam erzählte Geschichte. Auch der Verstand kriegt was zu knabbern, wenn man versucht, den physikalischen Gedankenspielen Micas und Martys und der Aliens zu folgen.

Eine zusätzliche Spaß-Ebene haben all die Leser, die sich ein bisschen in der Fan-Szene der diversen Star-Trek-Serien auskennen. Ideal für alle „Trekkies“, die ihre Fan-Aktivitäten nicht todernst nehmen.

Komisch ist das Ganze natürlich auch. Dank Marty und seinen Freunden kenne ich jetzt z.B. die ultimative Definition von „Wartungsarbeiten“ und weiß, dass es sich beim Animationsprogramm in Ferienhotels um eine Art „Kindergarten für Gruftis“ handelt. Erkenntnisse, die mich bestimmt für Rest meines Lebens begleiten werden.

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Tina Zang: Mica & Marty 3 – Die Hightech-Magier. Leer 2003, ISBN 3-934927-32-7, Leda-Verlag. 128 Seiten, flexibler, farbiger Umschlag, Format 12,5 x 19 x 1 cm. Ab 10 Jahre. EUR 7,50.

„Warum warnen einen die Eltern nicht vor den wirklichen Gefahren des Lebens?“ fragt sich Mica Maier im dritten und letzten Band der Reihe „Mica & Marty“. „Man hat mir immer gesagt: ’šStocher nicht mit Haarnadeln in Steckdosen herum‘, ’šGeh nicht bei Rot über die Ampel‘ und: ’šSteig nicht in fremde Autos.‘ Aber niemand hatte je mit einem Sterbenswörtchen erwähnt, dass ich nicht in fremde Raumschiffe steigen oder mich mit Schwarzmagiern einlassen durfte. Jetzt war es zu spät.“

Für die Schülerzeitung soll Mica den Zauberkünstler Marmoreo Delbosco interviewen. Sie erkennt rasch: Dieser Mann braucht keine Tricks, das ist ein echter Schwarzmagier. Als sie ihn mit dieser Erkenntnis konfrontiert, versucht er, sie seinem Willen zu unterwerfen. Doch weil Marty auf Micas Schulter sitzt, kommt es zu einer Art geistigem Kurzschluss: Mica und Marty sind vertauscht – und auf der Flucht vor Marmoreo Delbosco.

Zunächst sind die Erfahrungen im jeweils anderen Körper faszinierend und aufregend … aber dann will doch jeder wieder schnellstmöglich in seine eigene Haut zurück. Ausgerechnet Delboscos Pferd verspricht, Hilfe zu schicken. Die kommt dann auch – in Gestalt der halbmagischen Zwillingsschwestern Ruby und Amber. Was die beiden Mädchen über Delboscos Pläne und Machenschaften zu berichten haben, ist ungeheuerlich …

Herrlich die Methode der Kontaktaufnahme mit der Chaos-Ebene! Die Theorie, die dahintersteht, leuchtet mir vollkommen ein. 😉 Köstlich auch die Vorstellung vom schnöseligen Chefredakteur, der in ein Meerschweinchen mit Dauerwellen verwandelt wird. „Groovy“ findet Marty das. Und ich finde das Buch und die ganze Reihe rundum gelungen und bedaure, dass es keine weiteren Bände mehr davon gibt.

Ein Hinweis noch: Man sollte die drei Bücher wirklich in der vorgesehenen Reihenfolge lesen, weil in jedem Band Bezug auf vorangegangene Ereignisse genommen wird. Und wie gesagt: Lieber nicht in der Bahn lesen! Wegen der Lautloslachgefahr …

Tina Zang ist das Pseudonym der Autorin Christine Spindler. Sie wurde 1960 in Backnang (bei Stuttgart) geboren. In Heidelberg studierte sie Physik und Sprachen, arbeitete für ein Übersetzungsbüro und machte sich 1997 als Autorin selbständig. Als Christine (Chris) Spindler schreibt sie Krimis und Kurzgeschichten für Erwachsene, die in Deutschland und den USA verlegt werden. Weitere Informationen gibt es bei http://www.tinazang.de und http://www.christinespindler.de.

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