Die Bahn streikt!

Ich bin auf den Öffentlichen Personennahverkehr angewiesen, um zur Arbeit zu kommen, und fühle mich durch den aktuellen Bahnstreik wieder mal in ’žGeiselhaft’œ genommen für die Tarifauseinandersetzungen anderer Leute.

Gut, ist ja theoretisch alles recht und schön. Sollen sie doch mehr Kohle haben, die Zugführer. Wenn es nach mir geht, gern. Die Fahrkarte wird eh jedes Jahr teurer. Wäre ja nett, wenn mal zur Abwechslung die kleinen Grubler und Malocher was davon hätten, nicht immer nur die Großkopferten.

Aber nach 27 Jahren des Berufpendelns hält sich die Begeisterung für das Ausbadenmüssen der Arbeitskämpfe der Personenbeförderer bei mir nun mal in Grenzen. Mal streiken die Busgesellschaften, dann die Straßenbahn, jetzt sind es zur Abwechslung mal S-Bahn und Züge …

Und so kleine Würstchen wie ich haben dann immer den Zirkus damit. Wie komme ich ohne Auto zur Arbeit?

Heute ging’s recht gut, die Straßenbahnen fahren ja, ich bin dann eben den Rest zu Fuß gelatscht. Verlängert meine ohnehin schon lange Anreisezeit um eine Viertelstunde, aber das ist nicht das Drama. Manche meiner Kollegen sind da schlechter dran. Die müssen sich jetzt echt was einfallen lassen.

Es ärgert mich ganz einfach, dass wir nur, weil wir zur falschen Zeit am falschen Ort sind, anderer Leute Ärger an der Backe haben. Dabei habe ich die nicht stattgefundene Beförderung ja sogar schon im voraus bezahlt: mit meiner Jahreskarte.

Das Personal bei manchem Discounter wird auch schlecht bezahlt und mies behandelt. Wenn die Damen an der Kasse mal auf die Idee der Geiselnahme Unbeteiligter kommen, dann gute Nacht, Freunde: Ladentür zusperren, Kunden nicht mehr rauslassen … so lange, bis der Chef seinen Angestellten mehr Geld gibt.

In den unendlichen Weiten des Internets habe ich übrigens einen netten Alternativvorschlag zum Bahnstreik gelesen: Die Fahrkartenkontrollen sollten einfach entfallen, und man fordert die Leute auf, ohne zu bezahlen mit der Bahn zu fahren. Das würde nun wirklich die Tarifgegner treffen und nicht den kleinen Mann auf der Straße … der da steht und vergeblich auf seinen Zug wartet.

Das wäre der erste Streik in der Geschichte der Menschheit, bei dem die Bevölkerung hoffen würde, dass er nie zu Ende geht.

Das Foto stammt von http://www.pixelio.de</em

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