Edmund Schauer: Agent TQ -“ TOP SECRET: RADIOAKTIV. Das vierte Abenteuer des cleveren Siamkaters

Edmund Schauer: Agent TQ ’“ TOP SECRET: RADIOAKTIV. Band 4. Mit 103 schwarz-weiß-Abbildungen, einer Codescheibe und 122 erklärenden Fußnoten. A-Zillingdorf 2007, erschienen im Selbstverlag, ISBN: 978-3-9502360-0-2, 245 Seiten, flexibler Einband, Format 15 x 20,8 x 1,7 cm, EUR 12,90. Zu beziehen im Buchhandel oder direkt beim Autor: http://www.ATQ.at Ein Kinderbuch, an dem auch Erwachsene ihre Freude haben.

ATQ4-Cover

Während sich Edi Cooper und sein intelligenter Siamkater von ihrem letzten strapaziösen Einsatz als Agenten der geheimen Regierungsorganisation COBRA erholen, ereignet sich 3.700 km weiter östlich eine ausgewachsene Schweinerei: Skrupellose Ganoven stehlen mit Hilfe korrupter Mitarbeiter waffenfähiges radioaktives Material aus einem Atomkraftwerk.

Kommissar Serge Poljakov weiß, welches Unheil dieses Material anrichten kann, wenn es in die Hände des organisierten Verbrechens oder in die von Terroristen gerät: Sie könnten eine ’žschmutzige Bombe’œ damit bauen, die die Umgebung der Explosion für lange Zeit radioaktiv verseucht. Poljakov hat Grund zur Annahme, dass das Material umgehend außer Landes geschafft werden soll. Er vermutet hinter dem Verbrechen eine international operierende Organisation. Als er erfährt, dass die Bandenmitglieder sich eines ausrangierten Kommunikationssatelliten bedienen wollen, um miteinander in Kontakt zu treten, wendet der sich an COBRA-Agenten Edi Cooper. Cooper kennt sich aus mit solchen technischen Vorgängen. Und so kommen Cooper und TQ zu ihrem vierten gemeinsamen Fall.

Cooper fackelt nicht lange, verbindet ein altes Tonbandgerät mit dem Satelliten-Empfänger und die Atomschmuggler-Abhöraktion kann beginnen. Tatsächlich können die beiden Agenten ein paar Gesprächsfetzen erlauschen. Zudem gelingt es ihnen, mittels eines alten Video-Geräts eine Videokonferenz der Bande abzufangen. Wie gut, dass Cooper sich so gut mit Elektronik auskennt und ’“ zum Verdruss seiner Gattin ’“ veraltete Geräte sammelt!

Durch die Abhöraktion erfahren sie zweierlei: Die Bande macht Station in einem alten Bunker. Und sie will das gestohlene Plutonium in einem stillgelegten Atomkraftwerk lagern. An einem Ort also, an dem Radioaktivität nicht auffällt, weil man sie ohnehin erwartet.

Cooper hat diverse Vorbereitungen zu treffen und fordert zur Unterstützung ein zweites Agententeam an: Agentin Shirin Lennox und ihre Kollegin, die Cornish-Rex-Katze Snofru. Aus einem Campingbus heraus sollen sie die Landstraße überwachen, die die Plutoniumschmuggler auf dem Weg zum Bunker passieren müssen und beim ersten Anzeichen von Radioaktivität Alarm schlagen. Ab da übernehmen wieder Cooper und TQ den Fall.

Bis hier hin klappt alles wie am Schnürchen und das Glück scheint den Agenten weiter hold zu sein. Als die Atomschmuggler ihr Diebesgut in den Schutzbunker schleppen und in unscheinbare Werkzeugkisten umbetten, folgen ihnen Edi Cooper und TQ. Es gelingt ihnen, einen GPS-Sender an einem der Fahrzeuge zu platzieren. Doch dann wagen sie sich zu weit ins Innere des Schutzraums und verpassen den Moment, vor den Schmugglern den Bunker wieder zu verlassen. Als die Bande aufbricht, sperrt sie die zwei Agenten unbemerkt ein.

Doch Edi Cooper wäre nicht Edi Cooper, wenn er sich nicht zu helfen wüsste. Aus dem Plunder, der in der Halle herumliegt, improvisiert er kurzerhand eine Vorrichtung, die sie nach einigen Mühen zurück in die Freiheit bringt. TQ staunt über Coopers Rettungsmaßnahmen. Und dem Leser wird es ebenso ergehen. Denn anders, als man es aus einschlägigen TV-Serien kennt, wird hier plausibel erklärt, was der Agent konstruiert. Und man kann davon ausgehen, dass die Vorgehensweise genau recherchiert wurde und im Ernstfall tatsächlich funktionieren würde.

Kaum wieder draußen aus dem Bunker, stehen die beiden Agenten vor dem nächsten Problem: Vor der Bunker-Aktion haben sie ihren BMW mit einer Tarnvorrichtung unsichtbar gemacht. Die funktioniert so gut, dass sie ihr Fahrzeug nun nicht wiederfinden. Doch auch da hat Edi Cooper die rettende Idee.

Da die Agenten geraume Zeit mit ’žPannenbekämpfung’œ beschäftigt waren, sind die Schmuggler nun natürlich über alle Berge. Doch Edi und TQ haben keine Zeit, sich darüber zu ärgern. Und auch die Analyse eines mit mysteriösen Zeichen bekritzelten Schmierzettels, den TQ im Bunker gefunden hat, muss auf einen späteren Zeitpunkt vertagt werden, denn den beiden Agenten kommt ein Hilferuf des Kollegen Toni Lennox dazwischen.

Lennox befürchtet, einen Maulwurf in der Organisation zu haben, der vertrauliche interne Informationen an Ganoven weitergibt und damit COBRA-Einsätze torpediert. Mit einer vorgetäuschten Aktion will er dem Maulwurf eine Falle stellen. Cooper und TQ sollen derweil eine Bande von Autodieben ausspionieren.

Wieder müssen weitere Agenten eingreifen. Roy, Mara und die rote Katze Julia übernehmen die Autodiebe und spannen den Raben Igor und den Bussard Vinzenz als Luftaufklärer ein. Julia ist die perfekte Einsatzleiterin, und ihr Team spürt die Autodiebe in Nullkommanix auf. In einer alten Scheune lackieren diese die gestohlenen Fahrzeuge um. Als Julia die Diebe vor Ort näher in Augenschein nehmen will, gerät sie in tödliche Gefahr ’“ und die Diebesbande kann sich aus dem Staub machen.

Die Atomschmuggler sind entkommen, die Autodiebe sind entkommen ’“ das COBRA-Team scheint derzeit nicht gerade vom Glücksstern bestrahlt zu sein. Doch sie geben nicht auf. Eine Spur haben sie noch: den Zettel mit der Geheimschrift, der im Bunker lag. Als Cooper erkennt, um welchen Code es sich handelt, ist der Text schnell entschlüsselt: Es sind die Koordinaten einer so genannten ’žAusweichposition’œ.

Die Agentinnen Mara, Shirin und die Katze Snofru werden eingeteilt, den Koordinaten zu folgen. Wenn sie Glück haben, sind am Zielort die Atomschmuggler. Aber auch das weibliche Einsatzkommando versemmelt seine Mission. In einer verfallenen Fabrikanlage stoßen sie auf die feiernden und trinkenden Schmuggler ’“ aber sie werden entdeckt und gefangen genommen. Ob sie entkommen können? Das sei hier nicht verraten.

Die Schmuggler jedenfalls flüchten.

Jetzt dämmert es Edi Cooper: ’žWir haben die Bande unterschätzt.’œ Er hat es hier nicht mit ein paar kleinen Gaunern zu tun, sondern mit dem organisierten Verbrechen. Noch etwas wird ihm klar: Hinter dem Unternehmen steht ein fähiger Kopf, den die COBRA-Agenten nur zu gut kennen: Es ist der ’žColonel’œ, dessen wahren Namen niemand kennt, und der ihnen schon bei verschiedenen anderen Gelegenheiten durch die Lappen gegangen ist.

Dieses Mal dürfen sie nicht versagen. Zu viel steht auf dem Spiel.

Ein Erkundungsflug mit einem ferngesteuerten Experimentalhubschrauber, der ein Strahlenmessgerät an Bord hat, ergibt, dass das radioaktive Diebesgut vom bisherigen Versteck ins stillgelegte Atomkraftwerk verbracht wurde. Während Cooper Vorbereitungen trifft, um Agent TQ mit dem drei Meter langen Hubschrauber auf eine Verbindungsbrücke des Kraftwerks zu bringen, damit ins Gebäude klettern kann, streift der Kater durch das Dickicht. Und entdeckt zwei nagelneue Geländewagen! Coopers Autoknacker-Talente kommen zum Einsatz und es zeigt sich, dass diese Fahrzeuge so präpariert wurden, dass man damit das radioaktive Material zum Endkunden bringen kann.

Jetzt geht es um die Wurst!

Angetan mit einer Schutzmaske und einer maßgeschneiderten Ausrüstung, die unter anderem einen Geigerzähler, eine Kamera und einen Fallschirm enthält, wird TQ vom Helikopter hoch oben auf dem Kraftwerk abgesetzt. Über einen Lüftungsschacht gerät er ins Innere und wird Zeuge, wie die Ganoven das Material in unverfänglich aussehende Verpackungen umfüllen. TQ hat genug gesehen und macht sich auf den Rückweg. Nun ist es an Agent Toni Lennox, den Zugriff zu veranlassen.

Schnell ist das Atomkraftwerk von gut getarnten COBRA-Agenten umstellt. Eigentlich kann jetzt nichts mehr schief gehen. Doch mit zwei unbeteiligten Teenagern, die sich aus purem Zufall auf dem Kraftwerksgelände aufhalten und nun zwischen die Fronten geraten, hat niemand gerechnet …

Wird der Zugriff erfolgreich verlaufen, ohne dass die beiden Teenies zu Schaden kommen? Kommt die Bande hinter Schloss und Riegel? Wird das gefährliche Diebesgut sichergestellt? Und vor allem: Geht den Agenten endlich der Kopf der Bande ins Netz?

Wer die vorangegangenen Abenteuer von Agent TQ kennt, weiß: Der ’žColonel’œ hat immer noch ein As im Ärmel …

* * * * *

Autor Edmund Schauer ist ein Mann mit einer Mission. Nicht nur, das er Kinder mit spannenden, amüsanten und gewaltfreien Kriminalromanen auf intelligente Weise unterhalten will ’“ er möchte ihnen auch etwas fürs Leben mitgeben.

Edmund Schauer nimmt sein junges Publikum ernst. Er recherchiert gründlich und informiert seine Leser kritisch und verständlich über die höchst realen Gefahren des Atomschmuggels und des Einsatzes von Atomwaffen. Der Roman hat einen wahren Hintergrund.

Daneben gibt es ein Feuerwerk von Informationen. Die jungen Leser erfahren, was man unter dem Begriff Schwarzmarkt versteht, was das Gefährliche an Radioaktivität ist, was ’žschmutzige Bombe’œ bedeutet, wie man in der Wüste mit einfachsten Hilfsmitteln Wasser gewinnt, wie ein Schweißbrenner funktioniert und viele, viele anderen hochinteressante Dinge mehr.

Doch nicht nur Sachinformationen bekommt man hier. Im Vorwort zum Buch schreibt der Autor: ’žVor allem den jungen Lesern werden in der Geschichte moralische Grundsätze vermittelt, ohne den Zeigefinger zu erheben. Es werden Dinge des täglichen Lebens angeführt und gezeigt, dass Freundschaft und Toleranz wichtige Bestandteile der Familie und Gesellschaft sind und Alkohol- und Drogenmissbrauch keine Probleme lösen.’œ

Dieser ambitionierte Ansatz vereint sich mit Humor und Fabulierkunst zu einem höchst unterhaltsamen Gesamtkunstwerk. Die sympathischen Helden sind dabei keine allwissenden Übermenschen, sondern haben kleine Fehler und Schwächen wie Sie und ich. Agent TQ ist zum Beispiel ein passionierter Langschläfer, Agentenkatze Julia neigt zur Zickigkeit und Edi Cooper kämpft permanent mit den Pfunden, weil er einfach zu gerne gut isst.

Bei diesen Agenten hat man Familienanschluss, wie das bei den großen Kollegen aus Buch, Film und Fernsehen nie der Fall ist. Man kennt Frau, Kinder und Enkel und die ganzen häuslichen Umstände. Unvorstellbar zum Beispiel, dass jemand zu James Bond gesagt hätte, er könne erst wieder auf geheime Mission gehen, nachdem er seiner Schwiegertochter die Terrasse betoniert hat. Bei Edi Cooper kommt so etwas dagegen durchaus vor. Und das macht die Romanfiguren so nett, normal und liebenswert.

Noch ein Wort zu den über 100 schwarz-weiß-Fotos, die das Buch illustrieren: Wer die Serie noch nicht kennt, fragt sich jetzt vielleicht, wie man so eine Geschichte fotografieren kann. Des Rätsels Lösung: Freunde, Haustiere und Familie des Autors stellen einzelne Szenen nach. Den Rest besorgt eine Bilddatenbank Und manchmal wird auch ein wenig in die Trickkiste der Fotomontage, Illustration und Bildbearbeitung gegriffen.

Auch wenn der Autor sich vehement gegen Drogen aller Art einsetzt, muss ich ihm an dieser Stelle bescheinigen, dass seine Bücher süchtig machen. Zum Glück ist diese Sucht nicht schädlich. Im Gegenteil: Sie bildet das Alle TQ-Süchtigen wird es auf jeden Fall freuen zu hören, dass Band 5 bereits in Vorbereitung ist. Muss ja auch so sein. Schließlich läuft die Autoknackerbande noch frei herum, und der Maulwurf ist auch noch nicht enttarnt …

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