Urlaub gehabt -“ Mensch gewesen

Freunde und Kollegen kennen es schon: Wenn bei uns im Job die Winterkampagne abgeschlossen ist und ehe die Vorbereitungen zur Sommerkampagne anfangen, gönne ich mir den Luxus und nehme drei Wochen Urlaub. Meist Ende Januar/Anfang Februar. (Außer zwischen den großen Kampagnen komme ich ja eh vor lauter Termindruck und Trallala nicht aus der Firma raus.)

In meinem Winterurlaub verreise ich nicht, da krame ich in aller Ruhe zu Hause herum und mache all das, wozu ich das Jahr über wegen meiner extrem langen Arbeitszeiten nicht komme. Ich stelle die Hütte auf den Kopf und putze alles, was sich nicht wehren kann. Ich miste Bücher- und CD-Regale sowie den Kleiderschrank aus und verteile die aussortierten Objekte auf verschiedene Empfänger: Nichtswertige Klamotten kommen in den Lumpensack, was noch was ist, wird dem Warentauschtag zugeführt – so einer Art Gratisflohmarkt, der bei uns in Region von Naturschutzverbänden veranstaltet wird.

Alte Schallplatten hat ein Sammler und Händler geholt, dessen Adresse ich dem hiesigen ’žGemeindeblättle’œ entnommen habe. Neuwertige Bücher, die ich im Lauf des Jahres vom Verlag mitgebracht und in meinem heimischen Büro gestapelt habe, bekam die Bücherei. Was für die Bücherei nicht geeignet ist, kommt in die Kisten für die Vereinstombolas. Die lagern jetzt im Keller, bis sie im Sommer abgeholt werden.

Ausrangierte gebrauchte Bücher habe ich im Internet angeboten und auch schon ein paar verkauft. Günstig, natürlich. Ich bin der klassische billige Jakob und froh, wenn ich das Zeug aus dem Haus hab und es in gute Hände kommt.

Einen gewissen Zeitaufwand bedeutet es ja schon, die Bücher zu beschreiben, zu messen und zu wiegen, den Umschlag zu scannen und all die erfassten Daten im Internet hochzuladen. Macht Spaß, aber neben der Arbeit her habe ich für solche Aktivitäten wenig Zeit. Und ich mag, wenn ich im Verlag mehr als 10 Stunden vorm Computer gesessen habe, nach Feierabend oft keinen Bildschirm mehr sehen.

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Ich hab in diesen drei Wochen auch ’“zig Stationen abgedackelt: Friseur, Schneiderin, Ärzte und mehrfach die Massagepraxis. Hab die Steuererklärung vorbereitet, die Ablage gemacht und die Urlaubsbilder eingeklebt. Ich hab den laufenden Bürokram erledigt und war ’žImmobilien gucken’œ: Die Leute vom Immobilien-Center unserer Hausbank hatten einen Besichtigungstermin in einem Neubau am Ort und ich habe mich spontan entschlossen, mitzugehen, als man mir das anbot. Solche Aktionen sind einfach nicht drin, wenn ich arbeiten gehe.

Hach, waren das tolle Wohnungen! Gute Lage, super Ausstattung … da hätte ich sofort eine genommen. Aber leider ist dieses Objekt für mich unvernünftig teuer. Wir haben gezockt und gerechnet, aber bei Lichte betrachtet reichen meine Finanzen eben doch nicht ganz. In meinem Alter noch mal solche finanziellen Klimmzüge, das tu ich mir nicht an. Der Job kann jede Minute flöten gehen, das weiß man heute nie. Und ich schleich auf die Fuffzich zu, ich würde keinen anderen Job mehr kriegen. Da muss man Realist sein und ein etwas weniger kapriziöses Objekt ins Auge fassen.

Also gut … keine neue Wohnung. Dafür hab ich ja jetzt die alte gründlich geputzt. 😀

Schön war’™s daheim. Mal nicht jeden Morgen um viertel vor fünf in der Früh aufstehen müssen, sondern so zwischen halb sechs und halb acht. Mit den Katzen schmusen und spielen, gemütlich die Zeitung lesen und es endlich daheim mal so ordentlich machen, wie man es gerne hätte, aber nie hinkriegt, wenn man nur zum Essen und zum Schlafen nach Hause kommt. Am Ende der Kraft und Energie ist immer noch so viel Hausarbeit übrig …

Am Donnerstag muss ich wieder in der Firma einrücken. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich liebe meinen Job. Ich mag meine Kollegen, ich komme gut mit meinen Chefs klar und die Kasse stimmt auch. Das einzig Schlimme an meinem Job ist, dass er Unmassen von Zeit frisst.

Ich habe das Gefühl, als hätte ich jetzt drei Wochen lang Mensch sein dürfen, damit ich Haus und Hof bestellen kann. Und jetzt, wo das Wichtigste erledigt ist, läuft diese Frist gnadenlos ab und ich fahre wieder in die dunkle Grube ein, hinter den Bergen bei den sieben Zwergen, wo ich wie ein Roboter ’žhackeln’œ (schuften) muss, bis die Batterien alle sind. Und wo ich außer Arbeit nichts mitkriege von der Welt. Bis ich dann im Sommer wieder für drei Wochen an die frische Luft darf. Wenn’™s klappt, sogar ans Meer. Und da darf ich dann wieder Mensch sein …

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