Germanwings Story Award (Hrsg.): Geschichten vom Fliegen II -“ 13 preisgekrönte Beiträge

Germanwings Story Award (Hrsg.): Geschichten vom Fliegen II ’“ 13 preisgekrönte Beiträge, Münster 2007, Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat OHG, ISBN 978-3-938568-71-2, 144 Seiten, Taschenbuch, Format 12,5 x 19 x 1 cm, EUR 9,90

Nanu? Ein Buch von Germanwings? Was versteht denn eine Fluggesellschaft vom Büchermachen? Auf jeden Fall deutlich mehr als ein Verlag vom Fliegen, denn es ist Germanwings gelungen, eine abwechslungsreiche Mischung aus unterhaltsamen Kurzgeschichten zusammenzustellen.

Das Erfolgsrezept lautet: Man frage seine Passagiere und andere interessierte Autorinnen und Autoren nach ihren besten Geschichten zum Thema Fliegen, lobe attraktive Preise aus, nehme eine kompetente Jury aus dem Verlagswesen, der Publizistik und Germanistik sowie einen interessierten Verlag ’“ und voilà: Fertig ist das Buch!

Ein Quäntchen Glück gehört natürlich auch dazu. Bevor man interessante Geschichten auswählen, auszeichnen und publizieren kann, muss man sie erst einmal bekommen. Und dieses Glück hatte Germanwings. Aus über 300 Einsendungen wurden die folgenden 13 Beiträge für das Buch ausgewählt und prämiiert

1. Der Ich-Erzähler in Peter Gaspars Geschichte MEIN TRAUM VOM FLIEGEN hat als kleiner Junge schon zwei interessante Optionen für die Zukunft: Er könnte Musiker werden, doch noch viel lieber würde er Pilot. Als sich der eine Traum zerschlägt, verliert er auch jegliches Interesse an der Alternative. Hat er damit sein Leben ruiniert?

2. Tarek, der Held aus Lisa Hänels Story AUS DEM LEBEN EINES AHNUNGSLOSEN nervt mit Begeisterung Reisende, die auf ihr Flugzeug warten, mit aufdringlichen Fragen, Tipps und Reiseberichten. Und niemand ahnt sein Geheimnis …

3. DER ESEL VON ARBANASSY begegnet dem Erzähler in Klaus Servenes gleichnamigem Beitrag. Er sieht das Tier, als er von einer bulgarischen Hochzeit zurückfliegt. Und was das Verrückte daran ist: Der Esel fliegt auch!

4. EIN NEUES LEBEN wünscht sich der etwas spießige Albert in Gabi Thomas’™ Story. Er ist auf dem Weg nach Paris, um dort nach fast 30 Jahren seine Jugendliebe wiederzusehen. Ist es eine gute Idee, ausgerechnet seinem Sitznachbarn im Flugzeug, dem schrägen Vogel Zippo davon zu erzählen …?

5. LONDON’™S CALLING ’“ und zwar Kerstin Hansens Heldin Corinna, die zu einem Vorstellungsgespräch bei einer Bank in die britische Metropole fliegt. Im Hotel angekommen, offenbart sich der Super-GAU: Corinna hat versehentlich den Rollkoffer ihrer Sitznachbarin mitgenommen statt ihres eigenen ’“ und der Fremdkoffer enthält statt ihres Business-Kostüms lauter schrille Klamotten in Pink, die ihr noch nicht einmal passen. Eine Katastrophe? Wie man’™s nimmt …

6. Der Held in Ivo Haases Kurzgeschichte HIGHWAYMAN war einmal ein beruflicher und privater Vielflieger. Nach der Firmenpleite lebt er nun von Hartz IV. Um einmal aus der Trostlosigkeit auszubrechen, trifft er sich in Zagreb mit Freunden aus Slowenien. Ein Gastgeschenk und ein Reisemitbringsel bringen ihn auf eine interessante Idee. ’“ Eine Geschichte, die verflixt nahe am Leben spielt. Und mit einem Schluss, den wir dem Protagonisten von Herzen gönnen.

7. Regina Erichs RECYCLETE TEENAGER, das sind fünf Damen des Abi-Jahrgangs 1974, die auf einem Kurztrip nach Edinburgh sind, um dort eine ehemalige Klassenkameradin zu besuchen. ’“ Mit feinem Humor beobachtet und literarisch porträtiert. Vor oder hinter so einer Reisegruppe haben wir alle schon mal im Flieger gesessen …

8. DIE GEIGE IM COCKPIT von Herbert Fricke: Um keinen Preis der Welt will sich der russische Musiker Bessonow auf dem Flug nach Berlin von seiner Geige trennen. Sie kommt mit in die Kabine und nicht in den Frachtraum, und wenn sich sämtliche Autoritäten auf den Kopf stellen! Für die unbürokratische und kreative Problemlösung des Flugkapitäns bedankt er sich auf besondere Weise.

9. Wer ist der findige Kopf, der einen terroristischen Anschlag in einem Airbus verhindert, indem er zwei im Frachtraum transportierte Rottweiler freilässt? Sylvia Grünberger erzählt diese außergewöhnliche Begebenheit in ihrer Story KATZENJAMMER.

10. EISBLAUE AUGEN hat die Dame, die neben Gregor Schürers Held auf dem Flug nach Spanien sitzt. Er erkennt in ihr eine Leidensgenossin, eine verständnisvolle Zuhörerin, ja eine Seelenverwandte und erzählt ihr von seiner gescheiterte Ehe. Wäre seine Sitznachbarin vielleicht sogar die Richtige für einen Neuanfang …?

11. MEINE FLUGHAFENHALLE von Daniela Dihsmaier: Teenager Lisa flüchtet, wann immer möglich, aus dem tristen Alltag zum Tagträumen auf den Flughafen. Dort kennt man sie schon. Als ihr ein Pilot eine Privatführung durch ein Flugzeug verspricht, ist Lisa Feuer und Flamme. Leider kollidiert diese Verabredung mit einem Arzttermin, zu dem sie ihren kleinen Bruder begleiten soll …

12. Zu welchen Verwicklungen es kommen kann, wenn man auf einem Flug zufällig neben einem Prominenten sitzt, das erfährt die Reisende in Sabine Lanwehrs Story GEORGIE. ’” Ein interessantes und amüsantes Spiel mit Sein und Schein.

13. In der Geschichte ICH, SIE UND ER von Katharina Kramer pendelt die Erzählerin seit zwei Jahren regelmäßig zwischen ihrem Heimatort in Sachsen und ihrem Arbeitsort Köln. An dem einen Ort warten Familie und Freunde, am anderen ein interessanter Job. Dabei hat sie das ungute Gefühl, immer nur zu Besuch im eigenen Leben zu sein. Ob sie jemals so weit kommen wird, sich auf die Ankunft in jeder ihrer zwei Welten zu freuen …?

Bei der Lektüre dieser 13 Geschichten vergeht die Zeit buchstäblich wie im Flug. Somit wäre das Buch schon mal eine ideale Reiselektüre. Aber natürlich hat man auch am Boden seinen Spaß daran … erinnert sich an vergangene Reisen und träumt von den kommenden.

Interessant wäre gewesen, zu erfahren, ob es bei den 13 preisgekrönten Geschichten eine Rangfolge gegeben hat, also einen ersten, zweiten, dritten Preis. Und ob die Reihenfolge, in der die Geschichten im Buch erscheinen, Rückschlüsse über ihre Platzierung bei der Wertung zulassen. Aus dem Buch selbst geht das nicht hervor. Aber vielleicht wurden auch alle 13 ausgewählten Beiträge für gleich gut, preiswürdig und veröffentlichungswert erachtet. Es wäre in Ordnung und würde der Qualität der Geschichten gerecht.

  1. Wie mir einer der beteiligten Autoren versicherte, ist es tatsächlich so:

    1. Geschichte: 1. Preis,
    2. Geschichte: 2. Preis,
    3. Geschichte: 3. Preis …

    Ist ja immer interessant zu wissen, wie die Jury geurteilt hat. Im Endeffekt entscheidet natürlich jeder Leser selbst, ob er dieser Bewertung zustimmt oder ob er ganz andere Präferenzen hat.

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