Edmund Schauer: Schwarze Tränen -“ Thriller

Edmund Schauer: Schwarze Tränen ’“ Thriller; A-Zillingdorf 2008, ATQ-Verlag, ISBN 978-3-9502360-8-8, Softcover, 330 Seiten, Format 12 x 18,5 x 2 cm, EUR 12,90.

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Mit letzter Kraft schleppt sich ein schwer kranker junger Mann mitten in der Nacht zur Notaufnahme einer kleinen österreichischen Klinik und bricht an der Eingangstür zusammen.

Wer der Mann ist, weiß man nicht. Er ist nicht mehr ansprechbar und hat keine Papiere bei sich. Auch woran er leidet, ist zunächst unklar. Die Vogelgrippe ist es nicht. Symptome in dieser Kombination hat keiner behandelnden Ärzten je gesehen, und der Patient spricht auch auf keine Behandlung an. Dem Ärzteteam schwant nichts Gutes. Als der Schwerkranke aus Nase und Augen blutet, ahnen sie, womit sie es hier zu tun haben: mit einem virusbedingtem hämorrhagischen Fieber, hoch ansteckend und fast immer tödlich. Irgendetwas unaussprechlich Gefährliches in der Größenordnung von Ebola, Hanta oder Marburger.

Chefarzt Dr. Neumann ist klar, dass er unverzüglich handeln muss, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Die Klinik muss unter Quarantäne gestellt und der Fall den Behörden gemeldet werden. Man sollte schleunigst herausfinden, wer der junge Mann ist, woher er das Virus hat ’“ und wer eventuell sonst noch infiziert ist. Und dann müssen Experten mit Hochdruck daran arbeiten, das Virus zu identifizieren und ein Gegenmittel zu entwickeln.

Nur einen kurzen Augenblick denkt Neumann daran, welche Konsequenzen es für seine Karriere haben könnte, sollte er jetzt falschen Alarm geben. Doch dann greift er beherzt zum Telefon und informiert die Bundesverwaltungsbehörde, die alle erforderlichen Maßnahmen einleiten soll. Auch wenn Krankenhausdirektor Pohl voller Verdruss an Imageprobleme und Verdienstausfall denkt und der Landessanitätsdirektor die ganze Aktion für übertriebene Panikmache hält ’“ die Klinik wird von der Außenwelt abgeriegelt und ein Kriseninterventionsteam zusammengestellt.

Der unbekannte junge Mann, genannt ’žPatient Null’œ, stirbt. Alles, was man bei ihm findet, ist die Abbildung einer mittelalterlichen Münze. Theresa Brandt, die am Empfang des Krankenhauses arbeitet, wird beauftragt, im Internet nach der Münze zu recherchieren. Vielleicht führt diese ja auf die Spur des unbekannten Patienten. Zur absoluten Vertraulichkeit hat man Theresa nicht verpflichtet, und so mailt sie die Abbildung der Münze und ein Foto des Unbekannten an ihren Mann Erich.

Erich Brandt, ein ehemaliger Berufspilot, sitzt krank vor Sorge um seine Frau zu Hause. Als sie ihm die Bilddaten schickt, hat er endlich das Gefühl, ihr helfen zu können, zumindest bei der Identifizierung des von ’žPatient Null’œ. Brandt bittet einen alten Freund um Unterstützung, Dr. Georg Hartmann, einen Biologen, der zeitweise als Journalist gearbeitet hat. Hartmann, ein alter Abenteurer mit leicht paranoiden Zügen, stürzt sich gleich mit Feuereifer in die Recherche.

In der Tat dauert es nicht lange, und sie haben Name und Adresse des Unbekannten. Doch statt nun die Behörden zu informieren und alle weiteren Maßnahmen den Profis zu überlassen, lassen sich Hartmann und Brandt zu einem haarsträubenden Himmelfahrtskommando hinreißen: Sie treffen umfangreiche Vorbereitungen und durchsuchen die Wohnung des Virenopfers. Dort finden sie höchst erstaunliche und aufschlussreiche Dinge …

Inzwischen gibt es einen weiteren Krankheitsfall. Eine Wissenschaftlerin ist mitten in einem Supermarkt zusammengebrochen und wurde von einem medizinischen Team in Schutzanzügen abtransportiert, was natürlich von der Öffentlichkeit nicht unbemerkt blieb. Ein kleiner Internet-Fernsehsender, der sich mit einem miesen Trick ein paar Hintergrundinformationen ergaunert hat, berichtet darüber. Der Medienzirkus nimmt seinen Anfang.

Die Situation ruft die CIA auf den Plan, genauer gesagt, die Sondertruppe ’žBIO-Terror’œ. Die Herrschaften würden gerne an ein paar Virentoten Gewebeuntersuchungen vornehmen. Den Grund

spricht General Goldberg ganz unverblümt aus: ’žWollen Sie, dass der Erreger Terroristen oder Schurkenstaaten in die Hände fällt und am Ende gegen unser Land eingesetzt wird? Wenn der Erreger je eingesetzt wird, dann sollte das durch unsere Streitkräfte erfolgen und nicht durch andere …’œ (S. 184). Mit offiziellen Dienstwegen halten sich die Amerikaner nicht lange auf, statt dessen starten sie zur klammheimlichen ’žOperation Black Death’œ. ’žDie Österreicher werden gar nicht merken, dass wir sie besucht haben’œ, glaubt Major Wyngarde (S. 184). Wenn er sich da mal nicht täuscht …

Durch ihre illegalen Nachforschungen in Sachen ’žPatient Null’œ verfügen die beiden Privatleute Erich Brandt und Dr. Georg Hartmann über wesentlich mehr Informationen als die Behörden. Was machen sie jetzt damit? Dr. Hartmann, der vor Jahren als Biologe für eine Seuchenbehörde gearbeitet hat, gibt seine Erkenntnisse an eine ihm bekannte Virologin aus dem Kriseninterventionsteam weiter ’“ und wird sofort zur Mitarbeit an dem Fall herangezogen. Brandt, der der Meinung ist, die Öffentlichkeit habe ein Recht auf rückhaltlose Information, kontaktiert anonym die lokale Presse und gibt dort sein Wissen preis – womit er einen bespiellosen Medienrummel lostritt.

Mittlerweile gibt es zahlreiche weitere Krankheitsfälle, auch außerhalb des Landes. Und alle enden sie tödlich. Dank des internationalen Personen- und Warenverkehrs verbreitet sich das Virus nahezu ungehindert auf der ganzen Welt. Die gefürchtete Pandemie ist da ’“ mit verheerenden Folgen.

Wird es den Wissenschaftlern gelingen, ein wirksames Gegenmittel zu finden? Ist die Menschheit zu retten?

’žWir liefern uns ein Wettrennen mit Viren und Bakterien, und wenn wir nur einmal nicht aufpassen, könnten wir am Ende als Verlierer da stehen’œ, sagt der Epidemologe Dr. C. J. Peters. Und in dem beklemmenden Szenario, das der Autor hier entwickelt, sieht man, wie leicht der Mensch bei diesem Wettlauf ins Hintertreffen geraten kann. Hier eine Panne, da eine kleine Unwägbarkeit, eine menschliche Schwäche, eine ungebetene Einmischung ’“ und schon ist der schönste Notfallplan nur noch Makulatur. Was sich in der Theorie vernünftig anhört, muss in der Praxis noch lange nicht reibungslos funktionieren. Der Mensch ist eben unberechenbar.

Der Autor hat, wie bei allen seinen Büchern, genau recherchiert. Und er weiß, wovon er spricht. Durch seine über 20-jährige Tätigkeit als Elektroniker in einem staatlichen Forschungszentrum hatte er Kontakt mit Forschungsprojekten. 1988 gründete er ein Unternehmen, das sich mit Hard- und Softwareentwicklungen im medizinischen Bereich beschäftigt. Dadurch bekam er weitere Einblicke in das Gesundheitswesen.

Man könnte sich diesen packenden und kenntnisreichen Wissenschaftsthriller sehr gut als actionreichen Fernsehfilm vorstellen. Beim Lesen ertappt man sich dabei, im Geist schon die Rollen zu besetzen.

Manch ein Leser wird wohl das Bedürfnis haben, großzügig Kommata im Buch zu verteilen. Es wäre mit Sicherheit von Vorteil gewesen, wenn sich vor Drucklegung ein professioneller Korrektor des Textes angenommen hätte. Doch darf man nicht vergessen, dass hinter diesem Thriller keine riesige und gut geölte Verlags-Maschinerie steht: Dieses Buch ist ein ein-Mann-Projekt. Und das ist eine reife Leistung!

Wer über formale Unvollkommenheiten großzügig hinwegsehen kann, wird nicht nur spannend unterhalten sondern auch umfassend informiert werden … und bis auf weiteres überall in den Medien über das Thema ’žViren’œ stolpern. Manche Lektüre unterhält eben nicht nur, sondern wirkt auch nachhaltig auf den Verstand ’“ und auf die selektive Wahrnehmung.

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