Claus Beese: Bei Thor und Odin -“ DODI auf der Spur der Wikinger

Claus Beese: Bei Thor und Odin ’“ DODI auf der Spur der Wikinger, Goldebek 2009, Mohland Verlag D. Peters Nachf., ISBN 978-3-86675-096-8, Softcover, 213 Seiten, mit zahlreichen s/w-Illustrationen von Lothar Liesmann, Format 14,5 x 20,3 x 1, 5 cm, EUR 10,-.

ThorOdinCover

Verflixter Urlaub! Weil ein fieser Sonnenbrand den Skipper Claus nicht schlafen lässt, übernachtet er nicht bei Frau und Tochter auf dem familieneigenen Motorboot DODI, sondern geistert nächtens durch das Hafenstädtchen Bad Bederkesa. Dort macht er eine verblüffende Beobachtung: Eine vermummte Gestalt schleicht in der Burg herum und sucht, Selbstgespräche führend, nach Hinweisen auf einen Schatz.

Als Claus seiner Frau anderntags beim Frühstück im Restaurant von dem Phantom erzählt, glaubt sie ihm kein Wort. Dafür macht der Journalist am Nebentisch umso größere Ohren. Doch um diese Angelegenheit kann sich Claus nicht weiter kümmern, da in Dampe bereits sein Kumpel Wolfgang, Kapitän der Seegelyacht BEERS, samt Familie auf ihn wartet.

Nachdem die beiden Kapitäne und ihre Mannschaften eine unfreiwillige Disco-Nacht und einen Orkan überstanden haben, geht es zu den Wikingertagen nach Schleswig. Da ist Claus ganz in seinem Element. Denn auch wenn Familie und Freunde dezent kichern, sobald er davon anfängt: Er glaubt fest daran, dass in seinen Adern Wikingerblut fließt.

Ob das mit den Wikinger-Genen vielleicht doch mehr ist als Wunschdenken und Einbildung? Die Route nach Schleswig kennt Claus auf jeden Fall wie seine Westentasche, obwohl er noch nie dort war. Auf dem Wikingerfest folgt die nächste Überraschung: Er spricht auf einmal sehr viel besser dänisch als es seine bescheidenen Touristenkenntnisse es eigentlich zulassen. Unheimlich für seine Familie, erfreulich für den dänischen Händler, der findet, dass ein Wikinger nicht in Neuzeitklamotten herumlaufen sollte und dem Skipper gleich ein standesgemäßes Outfit verkauft.

Ist dieses Kostüm der Grund dafür, dass Claus an Bord eines Wikingerschiffs gerufen wird? Er lässt sich jedenfalls nicht lange bitten und begibt sich schnurstracks auf das Drachenboot. Jetzt braucht die Gattin erst mal einen Schnaps. Und Claus fühlt sich bei den Wikingern so sauwohl, dass er sich fragt, ob er in einem früheren Leben nicht einer von ihnen gewesen ist und sich jetzt, in dieser Umgebung, wieder daran erinnert.

Der Besuch im Wikingermuseum in Haithabu wirft neue Fragen auf: Wieso kann Claus plötzlich die Inschriften auf den Runensteinen entziffern und fachkundig interpretieren? So viel kann er sich zu diesem Thema doch gar nicht angelesen haben, oder? Und warum ist er zutiefst emotional berührt, als er den Bronzeabguss eines Wikinger-Schmuckanhängers sieht, der einem Anker ähnelt und ’žThors Hammer’œ genannt wird?

Schlagartig wird ihm klar: So ein Ding muss er haben. Unbedingt! Und zwar keine schnöde Nachbildung aus Bronze, sondern eine aus Gold. Ratzfatz werden alle ursprünglichen Pläne über den Haufen geworfen und alle erreichbaren Juweliergeschäfte abgeklappert, in Deutschland und in Dänemark. Die Jagdsaison auf das Amulett ist eröffnet, mögen die weiblichen Crewmitglieder noch so sehr nach einem Strandurlaub lechzen.

Wer Claus Beeses DODI-Bücher kennt, weiß, das es darin früher oder später zu tumultartigen Szenen kommt, und dass das Chaos meist nicht weit ist, wenn Kalli Flint, begnadeter Koch, lausiger Skipper und selbst ernannter Piraten-Enkel, die Szenerie betritt. Genau den treffen sie in Flensburg. Natürlich ist er bei der Jagd nach dem goldenen Anhänger sofort mit von der Partie.

Man kann sich leicht vorstellen, dass ein Juwelier in Sonderburg an einen Überfall krimineller Irrer glaubt, als auf einmal sieben Deutsche seinen winzigen Laden stürmen, von denen einer als Wikinger kostümiert ist und ein anderer als Seeräuber …

Fehlt eigentlich nur noch einer, damit der Wahnsinn so richtig losgaloppieren kann: ’žDarling Bügelfalte’œ, der großspurige Kapitän der HUMMEL-HUMMEL und seit Jahren erklärter Lieblingsfeind von Skipper Claus. Und der lässt nicht lange auf sich warten.

Ein einziger ’žThors Hammer’œ aus Gold soll derzeit zum Verkauf stehen und die ’žBügelfalte’œ setzt alles daran, ihn dem Wikingerfan Claus vor der Nase wegzuschnappen. Ein verbissenes Wettrennen beginnt, das ein unerwartetes und abruptes Ende findet.

Wird Claus sein Amulett bekommen oder gibt er auf? Bis das geklärt ist, geschieht noch jede Menge Aufregendes, Unerklärliches und Haarsträubendes, das dem Skipper bestimmt kein Mensch glauben wird. Doch das ist nichts im Vergleich zu dem, was die Urlauber bei der Rückfahrt erwartet, als sie wieder durch Bad Bederkesa kommen. Dort ist inzwischen eine wahre Schatzsucher-Hysterie ausgebrochen, woran Claus und seine Frau nicht ganz unschuldig sind.

Was steckt wirklich hinter der Geschichte mit dem Phantom und seinem Schatz? Claus, Wolfgang und Kalli sind wild entschlossen, es herauszufinden. Ob das wohl gut geht?

Witz, Klamauk und Seemannsgarn treffen in diesem Band auf Mystisches und Nachdenkliches. Was geschieht hier mit dem Skipper? Hat er Erinnerungen an ein früheres Leben? Halluzinationen? Tagträume? Kann er durch ein Zeitfenster zurück ins 10. Jahrhundert blicken? Warum fühlt er sich bei den Wikingern so sehr ’žzu Hause’œ? Seine Tochter vermutet: ’žDu steckst (…) in der falschen Zeit’œ. (Seite 119)

Vielleicht würde ein Dasein als Wikinger wirklich besser zu Claus passen als ein Leben in der Gegenwart. Doch weil er daran nichts ändern kann, bleibt ihm nur eines: sein Leben so, wie es ist, zu genießen. Und es bietet ja durchaus Erfreuliches: Familie, Freunde, Urlaub, Abenteuer und das Meer. Und last but not least: gutes Essen. Dafür sorgt unter anderem Kalli Flint, der vom Kochen zum Glück sehr viel mehr versteht als vom Navigieren. Und der freundlicherweise ein paar seiner Lieblingsrezepte in diesem Buch verrät.

Die skurrilen und amüsanten Abenteuer der DODI-Crew werden, wie in den vorangegangen Bänden auch, von Lothar Liesmann mit spitzer Feder illustriert. Nicht nur Motorboot- und Segelfreunde werden an diesem Buch ihre Freude haben. Es wurde von der Rezensentin ausgiebig auf Landrattentauglichkeit getestet und für äußerst unterhaltsam befunden. Der eine oder andere Leser könnte es auch zum Anlass nehmen, sich eingehender mit der Geschichte der Wikinger zu beschäftigen. Klingt ja recht interessant, was der Autor über die wilden Kerle aus dem Norden erzählt …

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Rezension in Arbeit: So entstand die Rohfassung. 🙂

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