Martin Blank: Anton, Anton -“ Ein Schlitzohr auf kurzen Beinen

Martin Blank: Anton, Anton ’“ Ein Schlitzohr auf kurzen Beinen, Volkertshausen 2010, Selbstverlag, Covergestaltung und 15 s/w-Illustrationen vom Autor, Softcover, 100 Seiten, Format: 14,8 x 21 x 0,5 cm, EUR 9,80, Bezugsquelle: http:// blank-dackel.de/onlineshop

Dackel Anton, mittlerweile 8 Jahre alt, erzählt uns aus seinem ereignisreichen ’žHundeleben’œ. Den aktuellen Geschichten vorausgegangen sind die beiden Bände ’žMein Name ist Anton und ich bin ein Dackel’œ und ’žAnton, ein Dackel gibt nicht auf’œ, deren Kenntnis für das Verständnis des vorliegenden Bandes aber keine zwingende Voraussetzung ist.

Anton als Verehrer-Schreck
Eine faustdicke Überraschung hat der Nikolaus, alias Emil Bartel, für Ehefrau Ilse, Teenietochter Steffi und Dackel Anton: ein neues Eigenheim! Ein Blockhaus im Wald mit einer sensationellen Aussicht auf die Gemeinde Traumlingen. Die Familie ist hingerissen, und der tolle Ausblick ins Tal muss fürderhin öfter mal als Ausrede herhalten, damit Steffi mit ihrem jeweiligen Verehrer alleine sein kann: ’žIch zeige ihm den Blick’œ.

Ob es sich bei den Jungs um Schlimpi mit der Punkfrisur oder um Bocki mit den tiefer gelegten Großraumhosen handelt: Anstandswauwau Anton findet alle (bis auf einen) fürchterlich und kann es schon gar nicht zulassen, dass sie seine Steffi ’žbeißen’œ. Oder abschlabbern. Oder was immer die Zweibeiner sonst machen, wenn sie allein zu zweit auf einer Parkbank sitzen oder im Gras herumkugeln.

Vielleicht sollte man wirklich bei der Partnerwahl seinen Hund zurate ziehen. Dackel Anton jedenfalls zeigt Menschenkenntnis und vergrault zielsicher und nachhaltig jeden Blindgänger, der es nicht gut mit seinem jungen Frauchen meint.

Abenteuer im Fuchsbau
Herrchen Emil ist Jäger und Dackel Anton ein Jagdhund. Und trotz glühender Hitze müssen sie losziehen, um den Fuchs zu fangen, der den Bauern ans Geflügel geht, auch wenn sie bei diesem Wetter viel lieber im kühlen Fluss baden würden. Anton krabbelt pflichtgemäß durch den Fuchsbau, doch den Fuchs findet er nicht. Zu riesig ist die Anlage. ’žAllmählich schwant mir, dass es sich hier nicht einfach um einen Bau handelt, vielmehr um eine unterirdische Burg, um eine ganze Stadt gar. (…) In mehreren Etagen stapeln sich Kessel, Röhren, Ein- und Ausgänge, alle sind miteinander verbunden.’œ (Seite 24)

Emil und sein Jagdkamerad Otto sind derweil in heller Panik: Warum kommt der Dackel nicht mehr aus dem Bau? Steckt er fest? Kriegt keine Luft mehr und ist ohnmächtig geworden? Hat ihn gar ein Dachs erwischt? Jetzt kann nur noch Gartenbaufachmann Willi helfen. Er muss mit seinem Bagger anrücken und Anton ausgraben. ’“ Was wohl der Förster von dieser Aktion hält? Und wo ist eigentlich Anton?

Der Flughund
Wer schläft, sündigt nicht. Gilt das eigentlich auch für Dackel? Anton zumindest ahnt nicht, was er anrichtet, als er sich an Bord des Schulflugzeugs schleicht, mit dem Steffi heute ihren ersten Streckenflug absolvieren soll. Während den blinden Passagier der Schlaf übermannt, kommt der Fluglehrer arg ins Schwitzen. Solche Geräusche hat sein Motor doch noch nie gemacht! ’“ Wird dieses Abenteuer ohne Blessuren abgehen?

Wenn das Menschenrudel jault
Eine feste Größe in der Region ist das alljährliche Wildschweinessen bei Förster Bierle. Die Eheleute Bartel und Anton freuen sich schon darauf. Den Auftritt des Kirchenchors finden Dackel Anton und sein Halbbruder Boss nicht ganz so prickelnd: ’žAlfons Bierle steht vor dem Rudel, hebt die Arme und auf sein Zeichen jault die ganze Bande los.’œ (Seite 51) Aber dann, beim Essen, fallen für die Hunde jede Menge Leckerbissen vom Tisch. Und auch sonst ist mächtig viel los! Die Schützenliesel schaut zu tief ins Glas und benimmt sich daneben. Und was Dackel Boss als Beute in den Festsaal schleppt, sorgt bei den einen für betretenes Schweigen und bei den anderen für schadenfrohe Heiterkeit …

Ein Kumpel für Anton
Ein Besuch bei der befreundeten Dackelzüchterfamilie Müller beschert Ilse Bartel viel Arbeit und Dackel Anton einen tierischen Hausgenossen: Bartels nehmen den ’žKümmerling’œ aus dem aktuellen Wurf mit, dem die Züchter nicht viel Überlebenschancen einräumen, um ihn mit der Flasche großzuziehen. Wochenlang schleppt Emils Ehefrau den Minidackel wie ein Känguru-Junges in der Schürzentasche mit sich herum. Im Keller entdeckt der Kleine seine Leidenschaft für die Aktivitäten der Waschmaschine und macht sich fortan als Wäschedackel nützlich: Er bleibt wie gebannt vor dem Gerät sitzen und bellt, sobald das Programm abgelaufen ist.

Aber eignet er sich auch als Jagdhund? Weil er gar keine Ruhe gibt, nimmt Emil in notgedrungen zur Wildschweinjagd mit. Ob das eine gute Idee war …?

Wasser im goldenen Eimer
Dieses Jahr ist Emil an der Reihe, um die alljährliche Dackelwanderung zu organisieren. Doch läuft nicht alles wie geplant. Heiß ist’™s, Mücken hat’™s, und der angesteuerte Teich bietet statt des erhofften kühlen Wassers nur Schlamm. Das finden zwar die Dackel klasse, aber ihre Menschen weniger. Dreckig, zerstochen, verschwitzt und durstig stolpern die Wandervögel schließlich in Richtung Biergarten. Doch kurz vorm Ziel machen sich die Dackel selbständig. Sie haben ein kühles, Schatten spendendes Gebäude entdeckt, in dem es sogar Wasser in einem goldenen Eimer gibt. Und goldene Hundeklos!

Warum die Dame mit der Tüllgardine auf dem Kopf schlammige Dackeltapser auf ihrem weißen Kleid so gar nicht schätzt und wieso der Mann im goldenen Gewand auf einen Tisch flüchtet, das können die Hunde nicht verstehen. Dass Emil, der die Hundebande wieder ins Freie bugsieren muss, nach diesem peinlichen Auftritt vom Thema ’žDackelwandern’œ erst mal die Nase voll hat, leuchtet auf jeden Fall dem Leser ein.

Vergnügliche Kapriolen
Diese und weitere Abenteuer findet man in dem meisterhaft illustrierten Band ’žAnton, Anton’œ. Und anders als die dackelgestresste Familie Bartel kriegt man als Leser nicht genug von den Kapriolen von Anton und seinen Freunden. Klar ’“ wenn man die tumultartigen Zustände, die ein Dackel selbst im Tiefschlaf zu verursachen vermag, hinterher nicht ausbaden muss, ist so was überaus vergnüglich! Als Leser muss man nur aufpassen, von seinen Mitmenschen nicht für komplett bescheuert gehalten zu werden, wenn man beim Schmökern jäh in haltloses Gekicher ausbricht. Und das kann durchaus passieren! Denn Anton als Verehrerschreck, schnarchender Flughund, verhinderter Fuchsjäger und Hochzeits-Crasher ist wirklich saukomisch. Rührend ist seine Beziehung zum ’žKümmerling’œ, den er vorsichtig bespaßt und sogar in seiner Hollywoodschaukel schlafen lässt. ’žAnton, Anton’œ ist also nicht nur was fürs Zwerchfell, sondern auch fürs Herz.

Der Autor
Martin Blank erlebte seine ersten Jahre in der Nachkriegszeit einem kleinen Dörfchen im Hegau, in der Nähe des Bodensees. Seine zeichnerische Leidenschaft begann eigentlich in frühester Kindheit. Das Beobachten von Mensch und Tier seiner ländlichen Umgebung reizten ihn schon damals zur Karikatur, womit er so manchen Lacherfolg einheimste. Sein Talent brachte ihm während der Schulzeit, erst als Schüler, später als Lehrer, viele Sonderaufträge ein, die er mit Freude erfüllte. Dennoch haben ihn Generationen von Schülern nicht als Zeichner, sondern als Geschichtenerzähler in Erinnerung behalten. In seinen Büchern vereinen sich beide Talente, das Karikieren und das Erzählen, zu humorvoll-unterhaltsamen Gesamtkunstwerken, an denen besonders Tierfreunde ihre Freude haben.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
     
http:// edithnebel.wordpress.com

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