Claus Beese: Strandgut -“ Maritime Geschichten und Gedichte

Claus Beese: Strandgut ’“ Maritime Geschichten und Gedichte, Goldebek 2010, Mohland Verlag D. Peters Nachf., ISBN 978-3-86675-122-4, Softcover, Format 14,5 x 20,5 x 1,5 cm, EUR 10,’“

Strandgut ’“ das sind unterschiedlichste Gegenstände, die durch Strömungen und Tiden an die Meeresstrände gespült werden. Eine ähnlich bunte Mischung bilden die maritimen Texte in diesem Band. Da gibt’™s lustige, überraschende, nachdenklich machende und gruselig-unheimliche Kurzgeschichten sowie Gedichte, die entweder von der Sehnsucht nach dem Meer erzählen oder Seemannsabenteuer in Reim und Vers kleiden.

Gefühlvoll und nachdenklich geht es in der Geschichte ’žDie Brücke’œ zu, übersinnlich und dramatisch in ’žDie Moorwaage’œ. Lustig und allzu menschlich wird’™s ’žBei Thor und Odin’œ. Hat man den Skipper hier übers Ohr gehauen? Hätte er besser auf seine innere (Wikinger-)Stimme hören sollen? ’žHammel, Steaks und Haifischflossen’œ beschäftigen den Messjungen Bodo und seinen Stubenkameraden Hein. Einen Hai wollen sie fangen. Und dann läuft die Sache irgendwie aus dem Ruder …

’žStrandkorb-Kobolde’œ müssen dem Handwerker Hauke auf die Sprünge helfen, denn in Herzensangelegenheiten kommt er einfach nicht aus dem Quark. Aufregend und ein wenig übernatürlich geht’™s bei den Tierschützern in ’žDer Auftrag’œ zu. ’žSie wollten nicht hören’œ bezieht sich auf zwei junge Angler, die die Erzählungen eines alten Mannes als ’žarmdickes Seemannsgarn’œ abtun. ’žEin Bombenjob’œ in mehr als einer Hinsicht wartet auf Kapitän Mönsen und seine Männer.

’žHeiliger Abend unter Palmen’œ ist eine zauberhafte, moderne Weihnachtsgeschichte mit exotischem Flair. Seit drei Jahren segelt die vierköpfige Familie nun schon über die Weltmeere, und die Töchter wünschen sich nichts sehnlicher als Weihnachten im Schnee. Ob’™s auf der Weihnachtsinsel welchen gibt?

’žDie See schuldet mir ein Bein’œ, behauptet der Alte in der Geschichte ’žDem Meer getrotzt’œ. Aber was hat ein Stück Treibholz, das Fragment einer Galionsfigur, damit zu tun? ’“ ’žErst wenn es Eier regnet’œ will Skipper Kuddel die allgemeine Verkitschung des Osterfestes akzeptieren. ’žUnd wenn das passieren sollte, verkleide ich mich als Osterhase und bringe jedem von euch persönlich ein Ei!’œ, verspricht er seinen Vereinskameraden (Seite 126). Damit wähnt er sich auf der sicheren Seite …

Ist ’žKlabi’œ nur der unsichtbare Fantasiefreund der Skipperstochter oder steckt mehr dahinter? In einem Moment höchster Gefahr zeigt sich die Wahrheit. ’“ Horror-Elemente und einen Schuss Romantik weist die Geschichte ’žDer Leuchtturm’œ auf. Der unerschrockene Leuchtturmwärter Geoffrey will einen schrecklichen alten Fluch brechen. Vielleicht hätte er dabei etwas konsequenter vorgehen sollen …

’žDie Möwe’œ ist für den verwitweten Skipper Jensen mehr als ein gewöhnlicher Vogel. Eine sehr emotionale und traurige Geschichte! Der ’žHafen des Grauens’œ besticht durch seine unheimliche Atmosphäre und durch das überraschende Ende. ’žKamarim ’“ Mein Stolz’œ zeigt eine Momentaufnahme aus dem Leben eines griechischen Skippers und eines deutschen Touristen. Sie kommen in Gespräch und erleben einen ereignisreichen Tag auf See. ’žEs war eigenartig’œ, zieht der Tourist verblüfft Bilanz. ’žZwei sich vollkommen fremde Männer, noch dazu aus verschiedenen Kulturkreisen mit unterschiedlichen Sprachen, verstanden sich ohne viele Worte.’œ (Seite 159)

’žAbschied’œ ’“ auch diese hochemotionale Geschichte endet ganz anders als man zunächst vermutet. ’žDrachenjäger’œ führt uns in die wilde Zeit der Wikinger. Der begnadete Schiffszimmermann Torge erweckt die Aufmerksamkeit von König Harald Blauzahn. ’žIch bin ein wenig spät …’œ fällt wieder in die Kategorie ’žübersinnlich’œ: Immer wieder hat der Erste Offizier Runulfson den gleichen Traum. Ob der Spuk aufhört, wenn er den Ort findet, von dem er immer träumt? ’“ ’žTräume’œ hat auch ein sechsjähriger Junge: von aufregenden Erlebnissen auf dem weiten Meer. Da kommt ihm ein verlassener Kahn als Abenteuerspielplatz wie gerufen …

So wie sich kein Schauspieler gerne auf eine Rolle festlegen lässt, ist auch jeder Autor bestrebt, seine künstlerische Vielfalt unter Beweis zu stellen. Jetzt wissen wir, dass Claus Beese, der sich mit seinen heiteren Erzählungen über Skipper und Angler einen Namen gemacht hat, auch ernsthafte und traurige, gespenstische und romantische Geschichten schreiben kann ’“ und stimmungsvolle Verse, aus denen die Liebe zur See spricht. Das alles findet sich in dem vorliegenden Buch, und jeder Leser kann sich aus dem STRANDGUT die Fundstücke herauspicken, die ihm am meisten zusagen.

Es wird den Autor hoffentlich nicht kränken, wenn der eine oder andere Leser von seinem Gewohnheitsrecht Gebrauch macht und vor allem die heiteren Geschichten liebt ’“ und die mit der überraschenden Pointe.

Doch auch die Geschichte von der Freundschaft des griechischen und des deutschen Skippers, spukt einem noch lange nach dem Lesen im Kopf herum (’žKamarim ’“ Mein Stolz’œ, Seite 150). Man kann die besondere Stimmung auf diesem spontan unternommenen Tagesausflug mühelos nachempfinden.

Wer eine etwas andere Weihnachtsgeschichte sucht, die in einer ungewöhnlichen Umgebung spielt, wird an ’žHeiliger Abend unter Palmen’œ (Seite 83) seine Freude haben. Die Familie, die mit der ’žEsmeralda’œ die Welt umsegelt, taucht in der Story ’žKlabi’œ (Seite 109) wieder auf. Die beiden Beiträge klingen ein wenig wie Geschichten, die ein Vater seinen atemlos lauschenden Kindern erzählt. Und man fragt sich, ob die Abenteuer dieser Familie nicht das Zeug zu einem (Jugend-)Buch hätten.

Wer seinen Horizont erweitern und einen bekannten Autor neu entdecken möchte, ohne ganz auf geliebte und vertraute Stil-Elemente zu verzichten, dem sei STRANDGUT ans Herz gelegt. Wer Claus Beeses Bücher noch nicht kennt, der kann getrost mit diesem Band einsteigen. Verstehen wird er alles. Es entgeht ihm lediglich die Wiedersehensfreude, die Insider empfinden, wenn sie auf eine Handvoll alter Bekannter aus vorigen Büchern treffen. Das ist nicht weiter schlimm. Dafür hat man als Neuling das Vergnügen, Beeses skurrile Buchhelden kennen lernen zu dürfen, noch vor sich.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
     
http:// edithnebel.wordpress.com

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.