Kroatien Teil 7: Malinska

Bei Winnetou hat’™s nie geregnet!
Kroatien/Krk vom 24.07. bis 03.08.2010

TEIL 7 von 8: MALINSKA, STUHLBRUCH, STROMAUSFALL

SAMSTAG, 31.07: MALINSKA
Es regnete noch immer. Für den Fall, dass es je wieder aufhören sollte, beschloss ich am Samstag, über die Promenade nach Malinska zu gehen. 40 Minuten sollte man dafür brauchen. Es sieht eigentlich vom Hotel aus viel näher aus, aber man geht eben nicht Luftlinie, sondern zickzack am Ufer entlang. Gerhard musste passen, er konnte aufgrund der Bodenbeschaffenheit die Strecke nicht bewältigen. Es steckte ihm sowieso noch die Rennerei durch den Naturpark Plitvicer Seen in den Knochen.

O Wunder, im Lauf des Vormittags hörte es tatsächlich zu regnen auf und ich machte mich auf den Weg, im Gepäck die kleine Digitalkamera, Regenschirm, Sonnenbrille und eine Umgebungskarte. Nicht, dass man auf dem Weg etwas falsch machen konnte. Solange das Meer links von einem ist, ist alles in Butter. Aber es könnte ja sein, dass die Karte vor Ort von Nutzen ist, weil man sich außerhalb der Promenadenstrecke etwas anschauen möchte.

Weil ich unterwegs herumtrödelte, hier und da hochkletterte, fotografierte, mich auf Rentnerbänkchen unter Olivenbäume setzte und aufs Meer schaute, brauchte ich deutlich länger als 40 Minuten, um den Jachthafen von Malinska zu erreichen. Bei dem unbeständigen Wetter waren kaum Leute unterwegs, und das nutzte ich für menschenleere Landschaftsfotos.

Im Ort selber war schon sehr viel mehr los als auf der Promenade. Hier gab’™s auch jede Menge Kneipen, Lädchen, Buden Stände und Boutiquen. Bei uns im Hotel hat’™s nur einen winzigen Kiosk ’“ und in 20 Gehminuten Entfernung gibt es einen nicht viel größeren Supermarkt. Das war’™s dann an Einkaufsmöglichkeiten.

Auf der Suche nach interessanten Ansichtskarten für mein gutes altes Fotoalbum durchstöberte ich das Angebot der zahlreichen Souvenirstände. Doch anscheinend sind Postkarten eine ebenso unzeitgemäße Erscheinung wie Fotoalben mit realen, ausgedruckten Bildern. Es gibt überall nur die gleichen paar Motive, und die meisten sind nicht einmal schön. Ansonsten gibt’™s an den Ständen das gleiche Gedöns wie auf allen Jahrmärkten: Klamotten aus Pakistan, Schmuck von den Philippinen und Kitsch aus Plastik.

Eine schön angelegte Promenade, bepflanzt mit exotischen Bäumen und Sträuchern haben sie in Malinska. Und jede Menge Jachten und Segelboote. Ich latschte durch den Jachthafen so weit es eben ging, setzte mich eine Weile auf einen Felsbrocken am Ende des Autoparkplatzes und schaute zu unserem Hotel hinüber. Der Versuch, die Anlage über die Bucht hinweg zu fotografieren, gelang mehr schlecht als recht. Ich hatte nur die kleine Digitalkamera dabei, und bei Sonneneinstrahlung und mit Sonnenbrille auf der Nase ahnt man auf dem Display mehr als dass man sieht, was man gerade fotografieren möchte. Aber der Spaß kostet nichts und man kann ja drölfzig Versuche machen, in der Hoffnung, dass wenigstens einer davon ansehnlich wird.

Nach einer Weile spazierte ich gemütlich wieder zurück zum Hotel. Erstaunlich wenig Gäste heute, fiel mir auf. Auch später beim Abendessen. Vermutlich war ’žUrlauber-Schichtwechsel’œ und am späten Abend würden die ’žFrischlinge’œ ankommen, die dann ebenso ratlos durch die Gänge irren müssten wie wir die Woche davor. In diesem Labyrinth sollte man wirklich Lotsen haben, die den Neulingen den Weg zum Restaurant zeigen. Wenn schon eine eindeutige Beschilderung nicht machbar zu sein scheint.

Von unserer Rückflugbestätigung war noch nichts zu sehen, wie eine Nachfrage an der Rezeption ergab. Ich bezweifelte, dass hier irgend jemand irgendwas aus eigenem Antrieb machen würde, und wir beschlossen, am folgenden Tag den Reiseleiter abzufangen und ihn kurz nach der Bestätigung zu fragen.

STUHLBRUCH UND STROMAUSFALL
Nach all den Regentagen war es nun wieder heiß. Das ideale Wetter, um ein paar Stunden am und im Wasser zu vertrödeln.

Dass unser Hotel nicht nur ein kleines bisschen chaotisch war sondern regelrecht heimtückisch und gefährlich sein konnte, das merkten wir am Nachmittag. 😉 Ein junger Mann, der vielleicht 75, höchstens 80 kg wog, schnappte sich einen der weißen ’žGartenstühle’œ, die immer um den Pool herumstehen, wohl für den Fall, dass die Liegestühle zu knapp werden. Er setzte sich arglos drauf. Rumms, zack, brachen die Hinterbeine und die Rückenlehne des Stuhls ab, das Möbel kippte hintenüber und der Herr landete unsanft auf dem Rücken. Zum Glück kam er mit dem Schrecken davon und rappelte sich gleich wieder auf. Oder er hat vor lauter Schreck erst später gemerkt, dass er sich irgendwas gezerrt oder geprellt hat. Was wir nicht hoffen wollen.

Ein großes Wunder war diese Bruchlandung des Urlaubers nicht. ’žWas du hier in die Hand nimmst, ist hin’œ, grollte mal ein Urlaubsgast. Es gab z.B. keinen einzigen Sonnenschirm am Pool, der in Ordnung war. Alle hatten gebrochene Streben und mancher ließ sich gar nicht erst aufspannen. Ist was kaputt, bleibt es auch kaputt. Das interessiert da keine S@u.

Als wir zum Abendessen gingen, stand unten in den Katakomben eine Tür offen und wir sahen einen Haustechniker in einem riesigen Schaltkasten herumwirschaften.
’žAu weia, das geht bestimmt wieder schief’œ, unkte meine bessere Hälfte.

Wie sagt man im Schwäbischen, wenn einer ein Unglück berufen hat? ’žGrad mach i ’™s Maul zua!’œ Gegen 22 Uhr tat’™s auf einmal einen Schlag und der Strom war weg. Dieses Mal war nicht nur unser Zimmer betroffen, sondern der ganze ’žB-Block’œ des Hotels, inklusive der Außenbeleuchtung. Es war also drinnen wie draußen stockfinster, und auch der Trick mit dem Bewegungsmelder funktionierte nicht, denn der war ja gleichfalls in Mitleidenschaft gezogen. Und da es auch diesmal zu dunkel war, um das Telefon zu sehen, geschweige denn die Nummer der Rezeption zu wählen, konnte man nicht mal die Rezeption verständigen.

Man sollte ja annehmen, dass den Verantwortlichen der Stromausfall in einem ganzen Gebäudeflügel inzwischen aufgefallen wäre. Aber ganz sicher konnte man da nicht sein. Ich öffnete die Zimmertür um mal zu horchen, was die anderen Hotelgäste zu dem Stromausfall sagten. ’žMama, wir haben keinen Strom im Zimmer’œ, rief eine Stimme. Und wir hörten via Flurfunk, dass die Hotelleitung schon von dem Problem wusste und daran arbeitete. Aha.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, die bei Lichte betrachtet maximal 5 Minuten gedauert haben konnte, wurde es wieder hell. Weiß der Geier, was das Hotel hat. Vielleicht ist das Sicherungssystem mit dem ganzen technischen Klimbim, der ein Hotel ausmacht, einfach überfordert. Schließlich hätte die Anlage ja ursprünglich gar kein Hotel werden sollen.

An dem Abend erfuhren wir auch, wie das mit dem Rückflug laufen würde: Am Dienstag Früh um 10:15 Uhr würden wir abgeholt und zum Flughafen gebracht werden. Um 11:55 Uhr sollte unser Flug starten, und dann würden wir unser Chaos wieder selber machen können.

SELBSTBEDIENUNG
Der Montag verging unter anderem mit letzten Einkäufen und dem Kofferpacken. Um Hektik am Abreisemorgen zu vermeiden, beschlossen wir, schon jetzt am Abend auszuchecken und am Dienstag Früh nur noch die Zimmerschlüssel abzugeben. Und weil wir nach dem Auschecken gerade in der Lobby waren, setzten wir uns in die Lobby-Bar.

Der junge Barmann musste anderswo im Hotel Personalvertretung machen, weil eine Kollegin ein paar Tage frei hatte. (Gerhard weiß so was, weil die Leute ihm das erzählen. Manchmal mehr, als er wissen will.) Hat einer frei dort, rotiert das ganze Personal ’“ in mehrfacher Hinsicht. Ich sagte ja schon, dass die krass unterbesetzt sind.

Die Lobbybar schließen wollten sie für die paar Tage wohl nicht, also betreute der Chef des Servicepersonals die Bar nebenher mit … also neben seinen üblichen Aufgaben. Das sah dann so aus, dass er machte, was er sonst immer macht und sich alle dreiviertel Stunde mal in der Lobbybar sehen ließ. Das war natürlich blöd, wenn jemand unterdessen bestellen oder bezahlen wollte.

Gerhard erwog schon, sich selbst hinter die Bar zu stellen. Bier zapfen und mit diesem Raumschiff da Kaffee kochen kann er. Aber muss Personal in Bars und Restaurants nicht irgendwelche aktuellen Gesundheitszeugnisse haben? So etwas hat er nicht. Und ich war mir nicht sicher, ob’™s nicht Ärger gibt, wenn sich plötzlich ein Unbefugter hintern Tresen stellt. Also doch lieber keine Selbstbedienung.

Und nun wären wir gerne gegangen. Aber ohne zu bezahlen? Das haben wir uns nicht getraut. Ich habe schließlich eines dieser Mäppchen von der Bar genommen, in dem die Kellner den Gästen die Rechnung präsentieren. Von einem Notizblock, der auf dem Tresen lag, riss ich ein Blatt ab, notierte darauf unsere Zimmernummer und was wir getrunken hatten und legte den abgezählten Geldbetrag samt Zettel in das Rechnungsmäppchen. Das platziere ich neben der Kasse. Und ich hoffe, dass sie das Geld gefunden haben und zuordnen konnten. Beschwerden kamen auf jeden Fall keine.

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