Martin Blank: Anton -“ ein Dackel dreht auf

Martin Blank: Anton ’“ ein Dackel dreht auf, Nerdlen/Daun 2010, Kynos-Verlag, ISBN 978-3-942335-07-2, 96 Seiten mit 10 ganzseitigen s/w Illustrationen des Autors, Softcover, Format: 15 x 23 x 0,7 cm, EUR 12,40.

Kenner von Martin Blanks humorvollen Geschichten aus Sicht des Dackels Anton sind mit dem ’žBuch-Personal’œ bestens vertraut: Dackel Anton und sein Artgenosse Kümmi leben bei Familie Bartel im badischen Traumlingen. Emil Bartel, ein großes, kräftiges Mannsbild, ist Chef eines Holzverarbeitungsbetriebs, ein geselliger Typ und ein leidenschaftlicher Jäger. Ehefrau Ilse, eine in jeder Hinsicht pfundige Frau, versorgt Haus, Familie, Garten und Tiere und gerät oft schneller als nötig aus der Fassung. Tochter Stefanie, die treue Leser schon kannten, als sie noch mit Puppen spielte, ist inzwischen aus dem Haus. Sie lebt mit ihrem Freund Robby zusammen und macht eine Pilotenausbildung.

Hybrid-Weihnachtsbäume
Jetzt, zu Weihnachten, sind Steffi und Robby bei Bartels zu Besuch ’“ und bringen eine absolute Schnapsidee mit: Statt eines einzigen Weihnachtsbaums schlägt Emil im Wald heuer zwei. Und weil er sich ewig nicht entscheiden kann, friert sich Dackel Anton bei dieser Unternehmung beinahe ein paar edle Teile ab.

Im Bartelschen Blockhaus mutieren die Fichten dann zu ’žHybrid-Weihnachtsbäumen’œ. Obenrum werden sie jeweils für die Menschen dekoriert mit Kugeln, Kerzen und Lametta und untenrum mit allerlei Leckereien für die beiden Dackel. Anton und Kümmi sind begeistert, rennen wie aufgezogen zwischen den beiden Christbäumen hin und her und räumen ab. Die Menschen amüsieren sich köstlich ’“ bis es zu einem gefährlichen Zwischenfall kommt …

Büroklammer und Räucherweib
Viel Zeit, darüber nachzudenken, was noch alles hätte passieren können, haben Bartels nicht, denn in dieser Familie und ihrem großen Bekanntenkreis ist immer was los. Mal sorgt eine Maus im Haus für Aufregung, dann der Jungdackel Kümmi, der keinen Unterschied macht zwischen Baumstämmen und Frauenbeinen. Wenn Ilse mit ihm in die Stadt geht, pinkelt er alle erreichbaren Damen an. Da ist guter Rat teuer!

Für Ärger sorgen auch der penible neue Nachbar und dessen kettenrauchende Gattin, von Bartels despektierlich ’ždie alte Büroklammer und sein Räucherweib’œ genannt. Sie stellen gleich nach ihrem Einzug klar, dass sie keinesfalls Bartels Hunde auf ihrem Grundstück dulden werden. Anton und Kümmi geht das natürlich am bepelzten Allerwertesten vorbei. Sie graben sich unter dem Gartenzaun durch und stellen sich das nachbarliche Anwesen auf den Kopf. Besonders viel Spaß haben sie mit einem flusigen Mitbringsel, das sie hingebungsvoll herumtragen, schütteln und vollsabbern. Die Dackel halten ihre Beute für ein totes Tier. Woher sollen sie auch wissen, dass es sich dabei um des Nachbars künstliches Haupthaar handelt? Perücken sind in Dackelkreisen nicht verbreitet. Obwohl Anton bald eine gebrauchen könnte …

Einbetoniert
Aus lauter Neugier fällt Anton bei Nachbar Ohrwürmle in den frisch angerührten Mörtel und kann sich wegen des schnell bindenden Zements nicht mehr befreien. Bis die Menschen mitkriegen, was los ist, steckt er schon bis über den Bauch in einem massiven Betonblock. Da helfen nur noch Hammer und Meißel, und Anton muss ganz schön Haare lassen!

Wenn Dackel Party machen
Zum Horrortrip für Mensch und Tier entwickelt sich ein Segeltörn, zu dem Bartels von ihrem Anwalt eingeladen werden. Das tut der garantiert nie wieder!

Wesentlich unterhaltsamer ist da die Fasnet ’“ der Karneval. Zunächst allerdings nur für die Menschen. Den Dackeln ist die lärmende Geselligkeit suspekt. Doch in diesem Jahr sind sie zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort und feiern die Dackelparty ihres Lebens.

Enten- und Verbrecherjagd
Weitaus weniger Spaß haben Ilse und Anton bei Emils Entenjagd. Da geht wirklich alles schief. Und es ist kein Wunder, dass nach diesem Sch***tag das Wort ’žEnte’œ im Hause Bartel nicht mehr ausgesprochen werden darf.

Als Jagdhund ist Anton ja ein richtiger Profi. Wie er sich wohl als Hilfswachhund macht? Schweinezüchter Moosbrummer hat nämlich Probleme mit Diebstählen auf seinem Gelände und sein Wachhund Berni verschläft alles. Anton soll vorübergehend bei ihm einziehen und den Bernhardiner im Bedarfsfall wach bellen. Werden sie den Schweinedieb stellen? Emil ist zuversichtlich. Er hat schon so eine Ahnung …

Es sieht ganz so aus, als könnten Emil und Anton die Verbrecherjagd zu einer Nebentätigkeit ausbauen. In Emils Betrieb wird eingebrochen. Die zuständigen Polizeibeamten wirken unmotiviert und bringen nichts zuwege. Auch der Polizeihund versagt schmählich. Da hat Jagdhund Anton doch deutlich mehr auf dem Kasten! Herr und Hund ermitteln …

Ob sie den Einbrecher wohl erwischen? Und gibt’™s nach diesem Abenteuer endlich mal eine Verschnaufpause für unseren vierbeinigen Helden? Anton ist ja kein junger Springinsfeld mehr sondern ein Dackel in reiferem Alter. Wäre er ein Mensch, würde er sich so langsam mit dem Thema ’žRuhestand’œ beschäftigen.

Herz, Humor und viel Tumult
Mit viel Herz und Humor und einem Talent für tumultartige Szenen erzählt der Autor von Antons turbulentem Dackeljahr. Die witzigen Illustrationen bringen das Geschehen auf den Punkt und tragen das Ihrige zur Erheiterung der Leser bei.

Diese humorvollen Geschichten führen uns anschaulich vor Augen, dass man weder ein Supermann noch ein Superstar sein muss, um ein aufregendes Leben zu führen. Es genügt vollauf, wenn man ein Dackel ist. Oder wenn man Dackel hat. Denn was die Hunde anstellen, muss ja Familie Bartel ’“ genau wie alle anderen Haustierhalter ’“ ausbaden. Aber für Jagdhund Anton und Hausdackel Kümmi tun sie das natürlich gern. Der Leser kann die heiteren Seiten des Lebens mit Hunden genießen und den damit verbundenen Stress getrost Emil und Ilse überlassen.

Man muss die vorangegangen drei Anton-Bücher nicht kennen um den vorliegenden Band zu verstehen. Jeder Band ist eigenständig ’“ aber zusammen bieten sie natürlich das vierfache Vergnügen!

Der Autor
Martin Blank erlebte seine ersten Jahre in der Nachkriegszeit einem kleinen Dörfchen im Hegau, in der Nähe des Bodensees. Seine zeichnerische Leidenschaft begann eigentlich in frühester Kindheit. Das Beobachten von Mensch und Tier seiner ländlichen Umgebung reizten ihn schon damals zur Karikatur, womit er so manchen Lacherfolg einheimste. Sein Talent brachte ihm während der Schulzeit, erst als Schüler, später als Lehrer, viele Sonderaufträge ein, die er mit Freude erfüllte. Dennoch haben ihn Generationen von Schülern nicht als Zeichner, sondern als Geschichtenerzähler in Erinnerung behalten. In seinen Büchern vereinen sich beide Talente, das Karikieren und das Erzählen, zu humorvoll-unterhaltsamen Gesamtkunstwerken, an denen besonders Tierfreunde ihre Freude haben.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
     
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