Tina Zang: Echte Helden (2): In den Fängen des Roten Sheriffs, Kinderbuch, ab 8

Tina Zang: Echte Helden (2): In den Fängen des Roten Sheriffs, München 2011, arsEdition, ISBN 978-3-7607-6375-0. 138 Seiten, s/w-Illustrationen von Alexander von Knorre, Hardcover, Format: 15,5 x 21,4 x 1,8 cm, EUR 9,95 (D), EUR 10,30 (A)

Der Blick des Schamanen scheint in die Ferne zu gehen, als er sagt: ’žÜber eine Feder, die sich verwandeln kann, gibt es eine alte Legende. Mit einer Wandelfeder kann man magische Reisen mit nur einem Schritt antreten, wenn man ein Herz voller Mut und einen Geist voller Abenteuer hat.’œ (Seite 111)

’žEchte Helden’œ, das sind die fünf Freunde Paul (der Comic-Fan), Tom (der Hektiker), Arne (der Technikfreak), sein Bruder Ulli (der ’žHolzwurm’œ), Henni (das Superohr) ’“ und Pauls australischer Schäferhund Ringo, der unter Narkolepsie leidet und in Schrecksituationen laut schnarchend in Tiefschlaf fällt.

’žEchte Helden halten zusammen’œ lautet der Wahlspruch der Jungs, und wenn sie den in Verbindung mit einem bestimmten Ritual aussprechen, passiert ’“ milde ausgedrückt ’“ Unvorhersehbares: Sie landen in sonderbaren Parallelwelten und erleben die haarsträubendsten Abenteuer. (Siehe Band 1: Im Labyrinth der Silberspinnen).

Derzeit haben sie noch Ferien und Ulli, der Meister der Holzarbeiten, hat sich Pfeil und Bogen geschnitzt. Natürlich ein Modell mit allen Schikanen. Nun wollen die Helden dieses Präzisions-Sportgerät ausprobieren. Im heimischen Garten geht das nicht, also ziehen zu einem Spielplatz, der einem Wildwest-Fort nachgebildet ist.

Auch wenn ihnen der Schreck vom letzten Abenteuer noch in den Knochen steckt, vollziehen sie erneut ihr Heldenritual. Und, schwupps, befinden sie sich in einem gigantischen Einkaufszentrum, aus dem es keinen Weg ins Freie zu geben scheint. So einfach dürfte es auch diesmal nicht mit der Heimkehr werden …

Doch jetzt hält die Jungs erst mal ein sprechender Biber mit plüschigem Fell und einer neckischen rosa Haarsträhne auf Trab. Er ist auf der Flucht vor zwei rot gewandeten Westernhelden, die er ’ždie Ruchlosen’œ nennt. Geistesgegenwärtig verstecken die Jungs das Tier vor den Männern. Sie sind sogar bereit, den Biber klammheimlich zur Holzplantage auf Ebene 490 zu bringen. Einen richtigen Wald oder generell so etwas wie freie Natur scheint es in dieser Welt nicht zu geben. Hier existiert kein Draußen, hier gibt es nur ein Drinnen.

Der Biber, der sich als ’žBiberman, der Kunstnager’œ vorstellt, quasselt eine Menge, aber verschweigt noch viel mehr. Dass die Herrn in Rot ihn in ein pinkfarbenes Plüschtier verwandeln wollen, haben die Jungs inzwischen mitbekommen. Doch was Grund und Zweck dieser ’žVerplüschung’œ ist, darüber schweigt sich ihr neuer tierischer Freund aus. Erst als Hund Ringo in die Fänge der ’žRuchlosen’œ gerät und ihm dasselbe Schicksal droht, muss Biberman die Karten auf den Tisch legen. Was die Jungs jetzt hören, gefällt ihnen ganz und gar nicht!

Höchste Eile ist geboten. Aber wie sie ihren Hund aus den Fängen der Männer befreien und mit ihm nach Hause zurückkehren sollen, wissen sie nicht. Ob die indianische Theatertruppe auf Ebene 492 sie dabei unterstützen kann? Ulli zumindest erinnert sich, dass in den Karl-May-Filmen die Indianer als besonders edel und hilfsbereit galten.

Die Stammesbrüder hier erweisen sich jedoch als ziemlich harte Brocken. Nur der alte Schamane ist etwas zugänglicher und hält ein paar faustdicke Überraschungen für die fünf Jungs bereit. Aber reichen ihre vereinten Fähigkeiten für Ringos Befreiung und die Rückkehr nach Hause? Und was wird aus dem aufmüpfigen Biberman?

Das Schöne an dieser Heldentruppe ist, dass sie einander mit all ihren Macken und Fehlern akzeptieren. Jeder spinnt hier auf seine Weise, und das ist für die anderen vollkommen in Ordnung. Dass ausgerechnet das Cliquen-Mitglied, das nicht so recht mit den anderen mithalten kann, der Auslöser dieser irrwitzigen Parallelwelt-Abenteuer ist, ist ein besonders netter Zug. Aber seine Kumpels würden ihn auch mitspielen lassen, wenn er diese Fähigkeit nicht hätte. Sie wissen vermutlich noch nicht, was das Wort ’žToleranz’œ bedeutet, aber sie lassen jeden so sein, wie er ist.

’žIn den Fängen des roten Sheriffs’œ ist ein modernes Jugendabenteuer voller origineller Einfälle, Spannung und Witz. Für Kinder jeden Alters, von 8 an aufwärts …

Illustrator Alexander von Knorre bebildert den Band mit flotten und pfiffigen Zeichnungen, die auch mal Comic-Charakter haben oder wie ein Film-Storyboard aussehen, das uns den zeitlichen Ablauf eines Vorgangs deutlich macht. Und wenn es der Veranschaulichung dient, liefert er auch eine sorgsam beschriftete technische Zeichnung. Die liebevolle Gestaltung ergänzt die phantastischen Helden-Abenteuer perfekt!

Weitere Bände, so hört man, seien in Vorbereitung. Wir dürfen gespannt sein, wo die Jungs landen, wenn es das nächste Mal heißt: ’žEchte Helden halten zusammen’œ.

Die Autorin:
Tina Zang wurde 1960 in Backnang (bei Stuttgart) geboren. In Heidelberg studierte siePhysik und Sprachen, arbeitete für ein Übersetzungsbüro und machte sich schließlich als Autorin selbständig. Sie lebt mit ihrer Familie auf dem Land und schaut beim Schreiben ins Grüne. Unter dem Namen Christine Spindler schreibt sie Krimis für Erwachsene, die zum Teil in den USA erscheinen.

Der Illustrator:
Alexander von Knorre wurde 1982 in Magdeburg geboren. Er studierte Visuelle Kommunikation an der Bauhaus-Universität Weimar und arbeitet heute als freier Illustrator für verschiedene Kinderbuchverlage.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
     
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