Heide John: Wir sind die Waldens (2) – Zwillinge kommen selten allein

Heide John: Wir sind die Waldens (2) – Zwillinge kommen selten allein, für Kinder ab 8, Würzburg 2011, Arena Verlag GmbH, ISBN 978-3-401-45419-1, Hardcover, 192 Seiten, Einband und Illustrationen: Elke Broska, Format: 17,5 x 21 x 2 cm, EUR 12,99 (D), EUR 13,40 (A)

Auch wenn sie sieben Kinder haben, mit Pferden, Ponys, Ziegen und Enten auf einem Bauernhof leben und ihr Name ein bisschen an DIE WALTONS erinnert: Mit der kitschigen amerikanischen Fernsehsippe haben die Waldens wenig gemein. Insbesondere die Eltern haben Tag für Tag alle Hände voll zu tun, um das Chaos zu bändigen. In so einer großen Familie treffen eben sehr unterschiedliche Persönlichkeiten und Interessen aufeinander.

Die Eltern
Rena ist keine begnadete Hausfrau. Sie entwirft und näht Mode, die selbst ihrer toleranten Familie manchmal zu überdreht ist.
Claas, Graphiker, bedauert es sehr, niemanden in der Sippe für sein Hobby begeistern zu können.

Die Kinder
Lasse, 18, Schüler, hat eine Freundin in Rendsburg, fährt Opas Auto und ist nur noch selten daheim.
Lennart, 16, ist ein leidenschaftlicher Koch und will sein Hobby bald zum Beruf machen.
Finn, 14, begeistert sich fürs Sprayen, Musikhören und Singen. Wobei seine Freude am Gesang größer ist als sein Talent.
Thiess, 13, ist ein ruhiger Bürger, der am liebsten irgendwo sitzt und liest. Er ist der einzige in der Familie, der mit der ständig ausbüchsenden Ziege „Frau Doktor“ fertig wird.
Rieke, 10, ist eine Pferdenärrin. 6 Pferde bzw. Ponys gibt es auf dem Hof. Haflinger Balduin und Pony Fietje gehören ihr.
Die Zwillinge, 3 Wochen alt, sollen in Kürze getauft werden – wenn man sich denn auf Namen für sie einigen kann. Opa Peter fürchtet schon, dass die zwei ihr Leben lang Hasi und Mausi gerufen werden müssen, weil die Familie auf keinen gemeinsamen Nenner kommt.

Die Großeltern
Peter Walden, 66, ist der Eigentümer des Waldenhofs. Er fühlt sich eigentlich noch zu jung, um ein (siebenfacher) Großvater zu sein und möchte von seinen Enkeln nicht „Opa“ sondern „Peter“ gerufen werden. Manchmal klappt das.
Babette Katzenberger ist Bildhauerin und Peters Lebensgefährtin. Sie entspricht so gar nicht dem Typ einer fürsorglichen Oma. (Nicht verwandt und nicht verschwägert mit Daniela Katzenberger, der Kultblondine aus dem Fernsehen.)

Die zehnjährige Rieke, die bisher das Nesthäkchen war, fühlt sich seit der Geburt der Zwillinge vernachlässigt. Ständig kümmert sich die Mutter nur um die Kleinen. Und wenn Rieke etwas auf dem Herzen hat, hört sie ihr gar nicht zu. Dabei möchte Rieke doch nur Pony Fietje mitnehmen, wenn sie mit Balduin ans Meer reitet. Ein Fohlen hätte sie auch gern. Hera wäre so eine tolle Zuchtstute!

Und ist es nicht schrecklich, dass ihre Klassenlehrerin ausgerechnet den flegelhaften Miesepeter Tjorven ihrer Referatsgruppe zugeteilt hat? Mit ihren Freundinnen Jette und Leonie wollte sie einen Vortrag über Pferde halten, aber doch nicht mit Tjorven! Der ist zwar selbst so etwas wie ein Pferdeflüsterer, aber zu seinen Mitmenschen ist er grundsätzlich ekelhaft. Unbegreiflich, eigentlich, wo er doch so nette Eltern hat.

Manchmal hat Rieke auch Probleme mit ihrer allerbesten Freundin Leonie, die ganz andere Interessen hat als sie selbst. Können Pferdemädchen und Modepüppchen eigentlich befreundet sein?

Für all diese Mädchenprobleme hat Mutter Rena bestenfalls ein halbes Ohr. Der Alltag muss organisiert, die Zwillinge versorgt und das große Tauffest vorbereitet werden. Eine Feier im Restaurant können sich die Waldens nicht leisten, also findet das Fest auf dem Waldenhof statt. Lennart wird kochen und die ganze Familie muss mithelfen.

Opa Peter möchte seine Enkelin aufheitern und kauft spontan für die ganze Familie Eintrittskarten für den Wanderzirkus, der gerade in der Gegend gastiert. Der Besuch dort begeistert alle, doch er bringt Rieke auf eine verrückte Idee. Sie handelt ohne nachzudenken – und ohne vorab zuhause nachzufragen. Da ist sie nicht die einzige. Finn, die Künstlerseele, verwirklicht ebenso spontan einen kreativen Einfall, womit er sich, genau wie seine Schwester, mächtig in die Nesseln setzt.

In einer größeren Gemeinschaft kann einfach nicht jeder machen, was er will, sonst gibt es ein heilloses Durcheinander. Doch leider gerät diese Lektion bis zur großen Tauffeier wieder in Vergessenheit …

Lustig, aufregend und turbulent geht es bei den Waldens zu. „Bei euch ist eben alles ein bisschen anders“, erkennt auch Riekes Freundin Leonie. „Schön anders. Weißt du, was ich meine?“ (Seite 92). So ganz genau weiß Rieke das nicht, denn das „Andere“ ist für sie ja die Normalität.

Für Außenstehende mag das Leben auf dem Waldenhof ein bisschen was von Astrid-Lindgren-Romantik haben, aber Pippi-Langstrumpf-Anarchie herrscht hier keine. Jedenfalls nicht, wenn die Erwachsenen es verhindern können. Es gibt Regeln, an die man sich halten muss, sonst klappt das Zusammenleben nicht. Und so erleben und lernen die Walden-Kinder von klein auf ein faires Miteinander. Was sie ebenfalls lernen: die Macken, Eigenheiten und Unzulänglichkeiten der anderen mit Humor zu nehmen. Bei so einem Haufen von Individualisten bleibt einem ja auch gar nichts anders übrig.

So falsch kann der Familienclan mit seinen Prinzipien nicht liegen, denn es zeigt sich, dass der Wanderzirkus Kunterbunt ganz ähnlich funktioniert wie der Familienzirkus Walden.

Ein wenig hat sich sogar schon der unwirsche Tjorven von der positiven Stimmung auf dem Waldenhof mitreißen lassen. In Band 1 (WIR SIND DIE WALDENS (1) – PONYCHAOS HOCH 7) war er noch deutlich unzugänglicher. Vielleicht wird aus dem muffeligen Burschen ja doch noch ein ganz knuffiger.

Die Illustratorin Elke Broska hat das Buch offenbar sehr genau gelesen. Bei ihren Illustrationen stimmt jedes Detail. Wenn die Autorin schreibt, dass am Mobile der Zwillinge ein Bär, ein Affe, ein Elefant und eine Ente hängen oder dass Leonie ein T-Shirt ihrer Freundin Rieke trägt, dann findet man genau das in den Zeichnungen wieder. Dass jemand so exakt arbeitet, ist keine Selbstverständlichkeit und spricht für die liebevolle Ausstattung der Walden-Reihe.

Die Autorin
Heide John lebt in Köln. Nach dem Studium der Germanistik arbeitete sie als freie Journalistin, Redakteurin und Lektorin. Seit 2001 schreibt sie Bücher für Kinder und Erwachsene.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
     
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