Laden auf, Laden zu

„Ach, das ist gut“, sagte mein Vater. „Wenn du am Dienstag kommst, kannst du ja eine Haltestelle früher aussteigen und Brezeln mitbringen.“
Ich überlegte: „Wo ist denn da eine Bäckerei? Die ums Eck, der Nachfolger von B.?“
„Nein, nicht der“, sagte er und nannte mir den Namen einer regionalen Kette.
„Aha. Und wo genau sind die?“ Immerhin wohne ich seit den 80-er Jahren nicht mehr am Ort.
„Na, neben der Firma H.!“

O, Gott, wer war jetzt das? Main Vater hat die Angewohnheit, Firmen als Orientierungspunkte zu benennen, die es seit mindestens 40 Jahren nicht mehr gibt.

Nach längerem hin und her bekamen wir es dann geregelt. Und ich habe am Samstag nachgeschaut: An der besagten Stelle ist tatsächlich jetzt eine Bäckerei. Die Brezelversorgung am Dienstag ist also gesichert.

An meinem jetzigen Wohnort wäre mir das vermutlich nicht passiert. Ich habe, seit ich vor 25 Jahren mal beruflich mit dem BDS (Bund der Selbständigen) zu tun hatte, ein großes Interesse daran, welche örtlichen Geschäfte schließen und welche eröffnen. Bei jeder Neueröffnung überlege ich, welche Chancen wohl der Laden hat und wann er wieder schließen muss. Es kommt natürlich vor, dass ich mich dabei gründlich täusche – aber eigentlich eher selten.

Foto: © Andreas Dengs / http://www.pixelio.de

Als in der Hauptgeschäftsstraße nahezu gleichzeitig zwei Dessous-Geschäfte eröffneten, war mir klar: Es kann nur eines geben! Für zwei identische Angebote ist hier kein Platz. Ein paar Jahre lang haben tatsächlich beide parallel existiert, jetzt hat das kleinere Geschäft geschlossen. Eine Textilreinigung und Änderungsschneiderei wird in Kürze die Räume beziehen. Auch da gibt’s schon Konkurrenz, aber nicht in dieser guten Lage. Könnte Chancen haben.

Eine Boutique, die es schon gab, als ich noch zur Schule ging, hat Ende letzten Jahres die Pforten geschlossen. Der Laden stand nicht lange leer. Da ist jetzt „unser“ Optiker drin. Grinsen musste ich, als ich sah, wer dessen alte Räumlichkeiten bezogen hat: Eine Boutique! Keine gute Idee, ein Klamottengeschäft in so einer Randlage. Da verirrt sich kaum Laufkundschaft hin. Die müssten schon wirklich ein extrem außergewöhnliches Angebot haben, damit sich das herumspricht. Aber danach sieht’s nicht aus.

Das chaotische Spielwarengeschäft, bei dem ich mich seit Jahrzehnten gefragt habe, wie die wohl einen Überblick über ihren Warenbestand behalten, hat zum Jahresende 2011 genauso geschlossen wie der düster und schmuddelig wirkende Klamottenladen in einem barackenähnlichen Hausanbau. Die Klamottenhändler waren nicht lange im Business. Da hat das „Räumungsverkauf-wegen-Geschäftsaufgabe“-Plakat nahtlos das Neueröffnungs-Poster im Schaufenster abgelöst. Entweder war das von vornherein nur als temporäre Geschichte gedacht, oder es hat sich kein Kunde hineingetraut.

Zu meiner Verwunderung hat das Schreibwarengeschäft gegenüber des Schulzentrums zugemacht. Naja, vielleicht brauchen die Schüler heute gar keine Hefte, Stifte, Farben, Lineale, Blocks und Zirkel mehr und machen alles am Computer. Ich kenne mich da nicht so aus. Dann zieht vermutlich als nächstes ein Elektronik-Laden in die leer stehenden Geschäftsräume ein. Ich werde es beobachten, ich komme ja täglich dort vorbei.

Das chinesische Restaurant am Ort konnte sich wohl trotz Mithilfe der gesamten Großfamilie nicht halten. Schade. Das wird mir fehlen!

Nun sperre ich Augen und Ohren auf um nur ja mitzukriegen, wer die frei gewordenen Ladenlokale übernimmt. Und wenn ich dann stolz daheim verkünde, was ich diesbezüglich in Erfahrung gebracht habe, sagt der Mann gelangweilt: „Ach, das weiß ich schon lange. Das hat der XY mal erzählt, der kennt den Vermieter.“ Na, toll! Er weiß doch, dass mich die lokalen „Wirtschaftsnachrichten“ brennend interessieren! Männer können einfach nicht tratschen. Aber das ist wieder ein anderes Thema …

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