Andalusien, 01. bis 15. Juli 1998 II

Eine kleine Urlaubs-Nachlese
Also, so einen richtigen »Reisebericht« gibt das diesmal nicht. Ich lästere mich nur so an den Ereignissen entlang. Es war heuer eher ein Urlaub zum Erholen und Nixtun. Ich glaub, das hatten wir auch nötig. Irgendwie war’s schon eine herbe Kiste: Am Abend raus aus der Firma, und am nächsten Morgen um6 in der Früh ab in den Flieger und auf nach Andalusien. Das heißt, zunächst mal nach Portugal. Wir landeten nämlich auf dem Flughafen in Faro. Und dann ging’s mit dem Bus bis zur Isla Canela, einer Halbinsel auf der spanischen Seite, 5 km von der Grenze entfernt.

Klar, ein bißchen was gesehen haben wir auch. Aber lange nicht so viel, wie wir uns eigentlich vorgenommen hatten. Aber das wäre in Streß ausgeartet, und darauf hatten wir keinen Bock. Was wir nämlich aus unserem Reiseführer nicht rausgelesen hatten: Dieser Naturpark Coto de Donana – ja, genau der, wo vor kurzem der Giftmüllunfall war – geht wirklich bis zur Küste runter. Und deshalb kann man an dieser auch nicht entlang fahren. Wann immer wir uns alsowas anschauen wollten, mußten wir außen herum über Sevilla fahren. Also grundsätzlich einen Umweg von rund 200 km. Somit war’s schon mal Essig mit Gibraltar. Und in Cadiz ging uns buchstäblich die Zeit aus. Da hat’s gerade Mal zu einer Stadtrundfahrt gereicht. Und zu dem Vorsatz, zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal wiederzukommen.

Wir waren ja 1987 schon mal in Andalusien, allerdings wesentlich weiter östlich ’stationiert‘. Die absoluten Glanzleistungen der maurischen Baumeister in Granada, Cordoba und Sevilla hatten wir also schon gesehen. So betrachtet war’s auch kein Drama, daß wir es in diesem Urlaub etwas ruhiger angehen ließen. Obwohl es ja wirklich sensationell ist, wie diese Leute da aus Gips und Alabaster Bauwerke gezaubert haben, die so filigran ausschauen wie aus Tortenspitze.

Trotz allem haben wir wieder eine Menge Filme verknipst. Wir ergänzen uns da ja: Gerhard fotografiert Menschen und Landschaften (und Viecher, wenn’s welche hat) und ich Gebäude – oder Ausschnitte davon, die schon ins Abstrakte gehen können. ‚ Strukturen‘ eben.

Begeistert war ich vor allem von den Ruinen, die da überall in der Landschaft stehen. Wo man auch entlang fährt, überall findet man verlassene und aufgegebene Wohnhäuser, Geräteschuppen, ja ganze Gehöfte in unterschiedlichsten Stadien des Zerfalls. Die Leute sterben oder ziehen einfach weg. Keiner reißt das Haus ab, keiner kümmert sich drum, es fällt einfach eines Tages um und ist weg.

Ich könnt mich lange Zeit damit beschäftigen, diese Ruinen abzutouren um dort Fotos über Fotos zu schießen. Aber bitte nicht in dieser Affenhitze! Ich weiß nicht mal, warum mir das Ruinenmotiv so gefällt. Für einen Ausstellungskatalog würde ich jetzt was von ‚morbidem Charme‘ sülzen, aber ich glaub nicht, daß es das ist. Ich mag’s einfach, wie sich die Natur so ein zerfallenes Bauwerk wieder zurückerobert. Dieser Gegensatz ist toll. Wenn mitten aus einer akkuraten, rechtwinkligen, menschengeschaffenen Struktur ein Löwenzahn hervorbricht, hat das einfach was von ‚Ätsch! Sieger!‘

Diesmal waren wir irgendwie die klassischen Pauschaltouristen und haben brav die Sehenswürdigkeiten in Sevilla abgeklappert: Den Goldenen Turm am Ufer des Guadalquivir, die Pavillons der südamerikanischen Länder (von der spanisch-amerikanischen Ausstellung 1929) und den Spanischen Platz – wo ich festgestellt habe, daß die aufdringlichen fliegenden Händler zur Not auch schwäbisch verstehen: ‚I will nix und i brauch nix! Jetzt gang bloß fort und laß mr mei Ruah!‘.

Wir haben den Alcazar bestaunt – einen Palast in diesem unnachahmlichen maurischen ‚Spitzen-Design‘ und bei der Führung erfahren, daß Columbus vermutlich Jude war. Komisch, daß sie den Kerl dann in der Kathedrale von Sevilla beerdigt haben, aber damals hat man das alles noch nicht so enggesehen. Da haben sich die verschiedenen Kulturen und Weltreligionen sowieso noch besser vertragen. Vom Alacazar sagte die spanische Reiseleiterin: ‚Die Christen haben das Bauwerk in Auftrag gegeben, die Juden haben’s bezahlt und die Mauren haben’s gebaut.‘ In einem Fenster war sogar ein Davidsstern zusehen – mitten unter all diesem verschnörkelten arabischen Zierrat. Ich hab’s fotografiert – um dann daheim festzustellen, daß ich genau dieses Bild bereits bei meinem ersten Besuch 1987 schon mal geschossen hatte. Andere Motive auch. Mein Geschmack scheint sich in den vergangen Jahren nicht groß geändert zuhaben. (Architektonisch gesehen!) Aber heut bin ich kameratechnisch wesentlich besser ausgerüstet als damals.

Wir tappten pflichtschuldig durch die gotische Kathedrale, deren Turm – La Giralda – seine Karriere ursprünglich mal als Minarett begonnen hat. Mit Kirchen kann ich nicht so fürchterlich viel anfangen. Entweder sind sie reich, üppig und kitschig oder unheimlich düster. Die hier hatte ich als überaus düster in Erinnerung. Aber irgendein Schlaumeier ist zwischenzeitlich auf die Schnapsidee gekommen, das Gemäuer ganztägig künstlich auszuleuchten. Jetzt sieht man zwar, daß die Innenausstattung dringend abgestaubt werden müßte, aber irgendwie ist die ganze Atmosphäre futsch. Wozu braucht man farbige Glasfenster, wenn man nicht mehr sehen kann, wie farbiges Licht in den Raum fällt? Vermutlich kamen die ‚Spananier‘ auf diese blöde Kunstlicht-Idee, als eine ihrer Prinzessinnen hier geheiratet hat. Licht an, damit man auch den Schmuck und teuere Brautkleid gut sieht …

Wir fuhren mit dem Schiff ein bißchen den Guadalquivir entlang und sahen mit Entsetzen, was die Jungs da anno 1992 für die Weltausstellung für blitzgarstige Gebäude hingestellt haben. Ein ‚moderner‘ Themenpark ist es geworden, der ausschaut wie eine Kreuzung aus Jahrmarkt und Raumschiff Enterprise. Gottseidank konzentriert sich der ganze Unfug nur auf eine Insel, so daß wenigstens nicht die komplette Stadt mit dem Scheiß verschandelt wurde. Da haben mir die kitschigen landestypischen Gebäude der Ausstellung von 1929 schon besser gefallen. Aber ich bin eben eine altbackene Person.

Trotz allem waren wir froh, am späten Nachmittag wieder in Richtung Hotel näher ans Meer zu kommen: Dem Klima wegen. In Sevilla bewegte sich kein Lüftchen, und es hatte 35 Grad. Naja: Als wir anno ’87 dort waren, hatte es 53 Grad; das war komplett unerträglich!

Direkt am Meer konnten wir über die Temperaturen nicht klagen. Erst gegen Ende unseres Aufenthalts stieg das Thermometer so Richtung 35 Grad. Vorher waren’s immer so um die 28, es ging ein Wind … aber das Meer war arschkalt. Ich hab’s jeden Tag hartnäckig ausprobiert, bin aber immer nach wenigen Minuten wieder schnatternd an Land. Und ich bin hart im Nehmen. Ich sag mir, es ist bitteschön Sommer, ich bin am Meer, und ich will jetzt schwimmen. Schließlich hab ich’s bezahlt! Es war aber in der ersten Woche einfach nicht möglich. Einpaar spanische Teenager tobten im Wasser rum, vermutlich um die Girls zu beeindrucken, doch sonst traute sich keiner. Nach einer Woche dann wurde es besser. Und voller.

Ich hab immer über die Spanier gestaunt, die am Wochenende gleich karawanenweise an den Strand kamen. Drei Generationen einer Family mit Hund und dem kompletten Haushalt außer der Waschmaschine. Jeder hatte sein Artistengepäck unterm Arm, und dann am Strand wurde ausgepackt, entfaltet, aufgeklappt und das Heerlager errichtet. War schon interessant zu beobachten. Einmal hatte ich schon die Befürchtung, aus einem Klapphausrat würde einSchlagzeug. Aber als es fertig war, war’s doch ein harmloseres Gestell: sowas wie zwei Bierbänke mit einem Tisch in der Mitte und einem Sonnenschirm drüber. Alles am Stück!

Peinlich waren bloß wieder ein paar deutsche Landsleute. Blökende Vielschwätzer, ballspielende Primaten und ein paar blöde Weiber, die lautstark und nonstop über ihre Ehemänner schimpften. Wenn man ein paar Tage nix anderes zu tun hat als zu lesen und Leute zu glotzen, da kommt man schon auf komische Gedanken. ‚Stimmt es, daß die Lufttemperatur hier höher ist als der Durchschnitts-IQ der Urlauber?‘ – ‚Ich glaub, ich schule um und werde Strand-Zoologe.‘ Mir schwebte da so eine Fernsehsendung vor wie weiland beim alten Grzimek. Nur daß diesmal nicht das Verhalten der Affen und Löwen untersucht würde, sondern das der Strand-Urlauber. Nistverhalten, Nahrungsaufnahme, Balz, Revierkämpfe, Imponiergehabe, Brutpflege … das könnte so klasse werden!

Da war so eine großspurige und etwas primitive Großfamilie aus dem Ruhrpott: ‚ Und da ging das Rotkäppchen nach die Omma …‘. Die gruben sich von ihrem Liegeplatz aus bis zum Wasser runter eine knöcheltiefe Rinne und latschten dann stundenlang mit wachsender Begeisterung hin und her, holten Meerwasser in Eimern und Gießkannen und schütteten es diesen Graben. Das taten die Erwachsenen, wohlgemerkt, nicht die Kinder.

Der Rest der Menschheit staunte. ‚Was zum Teufel treiben die da bloß?‘ Wir nahmen an, das hätte einen wassergekühlten Weg geben sollen, damit man sich am heißen Sand nicht die Fußsohlen verbrennt, wenn man ins Meer geht. Ich hätte für diesen Fall ja Badelatschen empfohlen, aber wenn die partout lieber eine Rinne grubeln wollten, bitte! Hatten wir schon was zu lachen. Und zu lästern. ‚ Die sind alle nagelneu angezogen‘, stichelte beim Abendessen die Frau am Nebentisch. ‚Jede Wette, die haben sich die Klamotten schicken lassen und noch nicht bezahlt …‘ Ich dachte, na das ist ja schon ziemlich gehässig. Aber als diese rinnengrabenden Schnellschwätzer dann bei der Abreise schier den Herzkasper kriegten, weil sie die Getränke-Rechnung nicht bezahlen konnten, da schien mir der Verdacht mit den unbezahlten Versandhausrechnungen auf einmal nicht mehr so aus der Welt.

Meine Güte – ich kann doch nicht 2 Wochen lang in Saus und Braus leben, alles auf die Zimmerrechnung schreiben lassen und dann den Überblick verlieren! Peinlich! Was müssen die Spanier von uns Deutschen denken! Alles großspurige Proleten? Vielleicht sollte man einen Auslandsaufenthalt von einem Mindest-IQ abhängig machen …

Und kann mir einer erzählen, warum blondierte Damen weit jenseits der 50 noch ihren Speck in weiße Miniröcke und BH-los in knallenge Glitzer-Bodys stopfen müssen? Wenn jene durchs Hotel stöckelten, gaffte alles. Die Damen dachten wohl, weil sie so schön sind. Die Leute glotzten aber, weil das so würdelos und beknackt aussah. Ich hoffe, ich selber merke rechtzeitig, wenn ich zu alt für ein bestimmtes Outfit bin.

Tja, wie’s halt so ist: Ich, die ich das ganze Jahr nicht auf die Leute achte und weder neue Mitarbeiter in der Kantine bemerke noch registriere, wenn sich jemand nach Jahren plötzlich den Vollbart abrasiert hat, ich komm ins Staunen über die Menschheit, wenn ich mal ausnahmsweise Zeit zum Beobachten hab. Komplette Modetrends müssen an mir vorbeigegangen sein! Bei manchen Girls hätte ich geschworen, die haben vergessen, sich fertig anzuziehen. Aber die gingen so in die Stadt. Was ich für Unterwäsche gehalten hab, das trägt man wohl jetzt. Ja nu! Man lernt nie aus!

Zum Urlaubsort selber: Das ist ein bißchen weg vom Schuß, zur nächsten Stadt sind’s 5 km. Da nimmt man dann entweder den Bus oder latscht der Straße entlang durchs Marschland. Viel Remmidemmi war da nicht, aber da hat uns auch rein gar nix gefehlt. Unser Hotel war weit und breit das einzige, es gab in der Nähe nur noch ein paar neue Wohnkomplexe – Sommerresidenzen für Spanier. Die haben ja drei Monate Sommerferien, und wer sich’s leisten kann, hat eine Zweitwohnung am Meer. Sowohl das Hotel als auch diese Ansammlung von Eigentumswohnungen waren U-förmig angelegt, so daß jeder die Chance hat, aufs Meer zu schauen. Und in der Mitte von dem U ist ein Swimmingpool. Falls das Meer wieder mal zu kalt zum Baden ist.

Nach diesen spanischen Sommerresidenzen hörte erst mal die Welt auf . Nach weiteren 5 km Fußmarsch am Strand entlang kam man in ein Fischerdorf. Das war’s auch schon. Kein Touristennepp, keine Clubs, keine Discos. Im Reiseprospekt nennt man sowas wohl ‚aufstrebende Region‘. Wenn einer abends noch was Größeres unternehmen will, fährt er entweder in die Stadt, oder er ist mit dem ‚Unterhaltungsprogramm‘ des Hotels geschlagen. Letzteres meiden wir ja bis auf wenige Ausnahmen wie die Pest . Infantile Aminationsprogramme wie Quiz-Shows mit Kandidaten oder ‚Miß-Wahlen‘ etc. sind uns zu peinlich, und die ‚ Bands‘, die in den Hotels immer auftreten,sind auch ein Fall für sich.

Auch diesmal waren wieder tagaus, tagein die gleichen unfähigen Klimpermusiker zugange. Vier drittklassige Figuren, die absolut nicht singen konnten. Nach spätestens drei Tagen ist man selbst als musikalisch bescheidener Mensch reif für einen Mord, weil die Jungs und Mädels immer das gleiche Repertoire in immer der gleichen Reihenfolge runternudeln. Gerhard reichen da schon drei Minuten. ‚ Nix wie raus hier! Die halten ihr Tempo nicht, vom Ton ganz zu schweigen, und außerdem verschnarchen sie alle Einsätze!‘ Ich seh’s ein: Für einen (Ex-) Musiker muß sowas in der Tat die Hölle sein.

Der Reiseleiter von TUI stammte aus der nächsten Stadt – Ayamonte – hat aber einige Jahre in Niedersachsen gelebt. Somit konnte er besser hochdeutsch als wir. Wozu nicht viel gehört, ich weiß. Diese Biographie hatte den interessanten Nebeneffekt, daß er seine Heimat sowohl aus dem Blickwinkel des Spaniers als auch des Deutschen betrachten konnte. Er hat uns viel Aufschlußreiches erzählt und gezeigt. Er berichtete über das Verhältnis der Menschen zur Kirche (die sind irgendwie mit Begeisterung in der Kirchengemeinde aktiv. Sogar die jungen Leute!). Er lästerte über Klatschpresse und Königshausund über die ‚ Schattenwirtschaft‘ in Spanien. Alles arbeitet schwarz, den Leuten geht’s gut, aber weil nur wenige Steuern zahlen, hat der Staat kein Geld. Trauriger Nebeneffekt für kunstinteressierte Touris: So manches historische Bauwerk zerfällt, weil keine Kohle da ist, das Zeug richten und restaurieren zu lassen. Und wir erfuhren, warum Supermärkte in etwas ländlicheren Gegenden keine große Chance haben: Nicht weil die Leute kein Geld hätten, sondern weil viele der älteren Hausfrauen nicht lesen können. Er sagte, so bei den Jahrgängen ’30 bis ‚ 50 sähe es düster aus. Die Leute kaufen dann lieber in Tante-Emma-Läden. Da können sie sagen, was sie wollen – und auch noch ein bißchen tratschen.

Der Lebensrhythmus im Süden wäre nix für mich: Wochentags morgens um 10 ist da noch kein Aas auf der Straße. Ich weiß nicht genau, wann die Leute morgens zu arbeiten anfangen. Aber für die Nichtberufstätigen hörte sich das recht geruhsam an. So ab 11 kommen Gasmann, Bäcker, Fischhändler etc. ins Haus. Die latschen einfach rein, Tür ist offen. Da empfiehlt sich’s dann, daß man fertig gerichtet und vollständig angezogen ist … Danach kann man noch ein bißchen was einkaufen, sich unterwegs ‚informieren‘ und dann zu kochen anfangen. Gegessen wird später als bei uns, so um 2 rum. Dann ist Siesta. Die Läden machen erst gegen 17:30 wieder auf. Aber dann geht der Punk ab bis in diePuppen. Allerdings auch arbeitsmäßig. Am Bau werkelten manche noch nächtens um11. Und die Leute sind bis tief in die Nacht hinein unterwegs. Ein Leben für Nachteulen. Frühaufsteher wie ich würden da untergehen.

Nach Portugal sind wir nicht rüber. Von Ayamonte aus konnte man rüberglotzen,und wir sahen nix als klotzige Hotels und sonstige Bausünden. Das haben ja auch schon die Kollegen erzählt, die an der Algarve ihren Urlaub verbracht haben. Also haben wir uns das geschenkt. Unser Hotel sah wenigstens aus wie eine kleine Stadt, tausend kleine Bogen, Erker, Balkone etc. Es paßte halbwegs organisch in die Landschaft. (Natürlich immer noch kein Vergleich mit den schönen kleinen Häuschen auf Lanzarote!). Hotelbunker mag ich nicht. Da will ich auch nicht wohnen.

Übrigens: Man scheint im Süden langsam dazuzulernen. Ich hab nirgendwo mehr diese sich uferlos vermehrenden Katzenhorden gesehen wie anno 94 auf Lanzarote… dem Urlaub, dem wir unseren Kater Blacky verdanken. Im Hotelmagazin habe ich von großangelegten Kastrierungs-Aktionen gelesen. Sehr löblich. Ein paar halbwilde Hunde haben wir gesehen. Es war nicht so ganz klar, ob die jemandem gehören oder ob die einfach beschlossen haben, sie leben jetzt am Strand inder Nähe der Bootsvermietung. Ein Mischlingsrüde lag immer morgens schon imSchatten der Miet-Sonnenschirme. Er sah nicht extrem ungepflegt aus, aber kratzte sich doch öfter. Gleich am ersten Tag hab ich dem Kerl einen Namen verpaßt. ‚Wie kommst du ausgerechnet auf ‚Florian‘?‘, wunderte sich Gerhard. – ‚Ja, nicht einfach so ‚Florian“, sagte ich. ‚Ich hab mir schon was dabei gedacht. Ich würd’s nämlich mit ‚h‘ schreiben: Flohrian!‘ – ‚So gesehen müßten hier alle Hunde Flohrian heißen!‘, meinte Gerhard. Auch wieder wahr.

Das wäre auch ein toller Name für unseren flohgeplagten Kater Blacky gewesen. Aber damals bin ich einfach nicht auf diese Idee gekommen.

In Jerez waren wir und haben uns mal angeschaut, wie man den legendären Sherry macht. Den mag ich nämlich ganz gern, obwohl ich ja eigentlich nix trinken darf. Nur war das Gesöff, auf das sie dort besonders stolz waren, ein derart klebrig-süßes Zeug, daß wir es glatt für ungenießbar erklärten. Wenn schon etwas ‚Cream‘ heißt, kann’s ja eigentlich nur bäppsüß sein. Wir haben uns für die mittel-trockene Variante entschieden und uns und der Familie einen Amontillado mitgebracht. Das süße Zeug sollen andere trinken!

Wenn zu Gerhards Verdruß schon keine Zeit wahr, die Formel 1-Rennstrecke zu besuchen, so tat’s notfalls auch ein anderes Hobby-affines Ziel: Die spanische Hofreitschule. Edle Tiere – kein Vergleich zu den robusten Riesen-Gäulen, mit denen er’s früher auf der Schwäbischen Alb zu tun hatte. Und sicher ist’s eine reife Leistung, den Tieren Schrittkombinationen und Bewegungen beizubringen, die von Natur eigentlich nicht vorgesehen sind. Manche Pferde bewegten sich akkurat im Takt zur Musik. ‚Pferdeballett‘, sozusagen. Aber ich frag mich halt … wozu? Ich glaub‘, ich bin ein alter Nörgler … Gefallen hat mir derAnsager dieser Show. Er sprach so ein schönes Spanisch und war so spürbar begeistert von dem, was er da ankündigte. Nur hab ich halt alle fünf Minuten mal ein paar Worte verstanden. Der Rest kam mir Spanisch vor.

Von dem Hafenstädtchen El Puerto de Santa Maria ging’s mit einer Fähre nach Cadiz. Der Kapitän hatte echt die Ruhe weg. Als das Schiff gerade ablegen wollte, kam noch ein Bus mit italienischen Rentnern an. Also gut, Abfahrt vertagt, alle noch mit an Bord. Das hörte gar nicht mehr auf. Ich dachte, noch ein Italiener mehr, und wir sind ein U-Boot. Gibt’s da keine Begrenzung, wie viele Leute man gefahrlos an Bord nehmen kann? Wahrscheinlich interessiert’s einfach keinen. Na, wir sind nicht abgesoffen, nach 40 Minuten waren wir in Cadiz. Aber da hätten wir eigentlich schon wieder Richtung Heimat gurken müssen. Also reichte es gerade mal zu einem Blitzbesuch. Die Fahrt zurück dauerte ja 4 Stunden. Und man mutiert ja schon irgendwie zur stumpfen Touristenmasse: Wir wußten, wenn wir nach 22 Uhr im Hotel einlaufen, gibt’s nix mehr zu essen … also, auf geht’s!

Tja nu – und nun sind wir wieder zurück. Und es ist wieder mal Schluß mit Faulenzen … bis zum nächsten Urlaub im Winter. Die Wäscheberge sind bewältigt, ich war beim Friseur, beim Steuerberater (3.300,- DM Steuern muß ich nachzahlen! Schiet aber auch!), beim Arzt und mit der Katzenmeute zum Impfen beim Tierarzt. Der Mensch von der Computerfirma war auch noch da und hat mir einen Internetanschluß gelegt. Somit ist endlich mal alles erledigt, was ich erledigt haben wollte.

Und am Donnerstag, den 23. Juli bin ich dann wieder in der Firma angetreten. Zum Glück hat sich die Panikmache vom Kollegen nicht bewahrheitet. Der hatte mir schon gleich am Tag nach meiner Rückkehr aus Spanien am Telefon verkündet, ich müßte aufgrund von Terminproblemen vermutlich meinen Urlaub abbrechen und früher einrücken. Die Kollegen wollten die Lage aber nochmals prüfen. Unser Chef hätte am Montag bei mir anrufen sollen, wenn eine frühere Rückkehr nötig gewesen wäre. Aber keiner hat sich gemeldet. Ich glaub, das haben die sich nicht getraut. Kann das sein? Ich hätte nämlich wüst gejammert, mich bitten lassen und dann noch gesagt. ‚Komisch, wenn ich auf meinen Gehaltszettel schau, dann bin ich aber gar nicht so wichtig.‘ Und das wollten die sich wohl nicht antun. Umso besser für mich!

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