Heiko Volz, Roman Lang: Äffle und Pferdle – Mir könnet alles – au Schwäbisch (Cartoons)

Heiko Volz (Text), Roman Lang (Zeichnungen): Äffle und Pferdle – Mir könnet alles – au Schwäbisch, Esslingen 2012, Esslinger Verlag J. F. Schreiber GmbH, ISBN 978-3-480-23015-0, Hardcover, 60 Seiten mit farbigen Cartoons, 22 x 22 x 1 cm, EUR 12,90 (D), EUR 13,30 (A).

Hier kommt wieder ein Buch für eine ganz besondere Zielgruppe: Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger mittleren Alters, die sich noch gut an die Kultfiguren aus dem Werbefernsehen des Süddeutschen Rundfunks erinnern: Äffle und Pferdle.

Erfunden wurden sie 1959 vom Filmproduzenten Armin Lang sr. Seit sie in den 70-er Jahren nicht nur Farbe, sondern auch Stimmen bekommen haben, sind sie bekannt für ihren trockenen Humor und ihre treffenden schwäbischen Sprüche, von denen manche in den Sprachgebrauch eingegangen sind. „Rindviecher triffsch au überall“ ist nur einer davon.

Seit 2001 werden keine neuen Äffle- und Pferdle-Trickfilme mehr produziert. Die bereits existierenden Filmchen werden angeblich noch über DVBT und Kabel ausgestrahlt, die Empfänger des Satellitenfernsehens können sie allerdings nicht sehen. Wer mit den beiden aufgewachsen ist, hat sie aber nicht vergessen. Da geht’s vielen wie dem Kabarettisten Christoph Sonntag, Jahrgang 1962, der im Vorwort zu dem Buch schreibt: „Äffle und Pferdle sind für mich und meine Schwestern Synonym für unsere Kindheit. Sie waren der Garant dafür, dass wir nach dem Sandmännchen noch ein bisschen Werbefernsehen gucken durften.“

Heute treiben Äffle und Pferdle auch im Internet ihre Scherze. Auf Facebook haben sie derzeit 35.000 Freunde, die sich beinahe täglich auf einen neuen Spruch der beiden freuen können – erdacht vom Autor dieses Buchs, Heiko Volz. Und seit einem Jahr gibt’s die Sprüche und Abenteuer der TV-Helden auch in Buchform. Band 1, „Des isch, was man haben muuß!“, erschien 2011, Band 2 „Mir könnet alles – au Schwäbisch!“ liegt jetzt vor.

Unterstützt werden die beiden Schwaben in diesem Band von der badischen Hundedame Schlabbinsche, die man auch aus dem Werbefernsehen kennt, sowie vom pfälzischen Woimickl, einem vielarmigen und schlagfertigen Insekt. Ob die kleine Weinfliege auch schon über Fernseherfahrung verfügt oder eine brandneue Erfindung von Volz und Lang ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Da geht’s mir wie meinem Altersgenossen Christoph Sonntag: Irgendwann in unserer Jugend entwickelten wir andere Prioritäten in der Freizeitgestaltung und haben das Werbefernsehen nicht mehr so intensiv verfolgt.

Jetzt nehmen viele von uns jedoch den Faden wieder auf, lesen und kommentieren die Kapriolen von Äffle und Pferdle bei Facebook und amüsieren sich über ihre lustigen Erlebnisse im Buch.

Schlägt man den neuen Band auf, sieht man es ganz deutlich: Auch Äffle und Pferdle gehen mit der Zeit. Sie gucken DVDs am Computer, fahren mit dem Roller durch Stuttgart, unternehmen Reisen, befassen sich mit der Klimaveränderung und machen sich Gedanken über moderne Medien:

Äffle: Was hend Menscha früher ghabt, als es no koine Handys ond Computer geba hat?
Pferdle: Ihr Ruh!

Für solche trockenen Kommentare lieben wir sie seit unserer Kindheit!

Das Äffle grübelt und fragt, und das Pferdle erklärt ihm und uns bauernschlau und knitz die Welt. Und so wissen wir, nachdem wir dieses Buch gelesen haben, was ein Pessimist ist, wer einen wirklichen Scheißjob an der Backe hat, was „Networking“ in Wahrheit bedeutet, ob Hochdeutsch eine Sprache ist und ob es wirklich Aliens gibt.

Mein Lieblingsdialog ist aber der da:

Äffle: Was machet Kaloria?
Pferdle: Die lasset onsere Klamotta schrumpfa!

Das sollte man sich tatsächlich kopieren und an die Kühlschranktür hängen!

Und ein gutes Beispiel dafür, wie detailliert und liebevoll die Zeichnungen ausgeführt wurden, sieht man hier:

Welches abseitige Thema das Äffle auch ausgräbt, das Pferdle hat immer eine plausible und meist überraschende Antwort auf seine Frage. Auch wenn die beiden unverkennbar schwäbisch schwätzen, wie es sich für Viecher aus Stuttgart gehört – ist alles auch für Nichtschwaben verständlich. Der Autor hat ihnen einen gemäßigten regionalen Akzent ins Maul gelegt, keinen grottenbreiten Dialekt. Sie sind ja auch keine Hinterwäldler, sondern medienerfahren und weitgereist. Im Buch sieht man sie unter anderem das Allgäu, die Pfalz und sogar New York besuchen.

Geschäftstüchtig sind sie obendrein. Auf den letzten beiden Buchseiten präsentieren sie die aktuellen Artikel aus ihrem Äffle-und-Pferdle-Shop: Fanartikel wie Tassen, Vesperbrettla, T-Shirts und Stofftierle. Selbst als sparsamer Schwabe könnte man sich da dubbelig kaufen! http://www. aeffleundpferdle.de

Im Nachwort erfährt man von Autor Heiko Volz ein bisschen was über die Menschen, die hinter diesen Viechereien stecken. Danach weiß man, welche Rolle Armin Lang sr., Armin Lang jr. und Volker Lang bei der Geschichte spiel(t)en und wie Zeichner Roman Lang ins Bild passt. „Und damit die Äffle und Pferdle-Fangemeinde mit den vielen Langs nicht durcheinander kommt, heiße ich kurz Volz und nicht Lang“, erklärt uns der Autor. So, da wär‘ das auch g’schwätzt. Für die Fans der beiden schwäbischen Kultviecher bleibt jetzt nur eines zu tun: loslaufen und kaufen!

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

http://www.boxmail.de

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