Salcia Landmann: Am Sabbat geht Moische zum Rebbe – Die besten jüdischen Witze

Salcia Landmann: Am Sabbat geht Moische zum Rebbe – Die besten jüdischen Witze. Mit Cartoons von Peter Gaymann, Hrsg. Dr. Rainer Moritz, Ostfildern 2012, Patmos Verlag Schwabenverlag AG, 978-3-8436-0230-3, Hardcover, 125 Seiten, Format: 19,4 x 12 x 1,4 cm, EUR 12,99.

Ein Jude sitzt neben einem fremden Herrn im Varieté. Ein Vortragskünstler tritt auf. Der Jude dreht sich zu seinem Nachbarn um und flüstert: „Einer von unsere Leut!“
Eine Sängerin tritt auf.
„Auch von unsere Leut“, sagt der Jude.
Ein Tänzer kommt auf die Bühne.
„Auch von unsere Leut“, erklärt der Jude.
„Oh Jesus!“, stöhnt der Nachbar angewidert.
„Auch von unsere Leut“, bestätigt der Jude.
1)

Über jüdische Witze könnte man eine Doktorarbeit schreiben. Viel Interessantes hat die Schriftstellerin und Journalistin Salcia Landmann in Ihren Büchern schon dazu gesagt:
„Witz ist in allen Ländern mit vorwiegend vorderasiatischer Population endemisch, auch unabhängig von seiner Funktion als Waffe der Wehrlosen, die den tendenziösen Witz erzeugt.“2)

„Aus drei Gründen sind die Witze der Juden – oder doch die besten unter ihnen – tiefer, schärfer, geistvoller und reicher variiert als die aller anderen europäischen und vermutlich auch außereuropäischen Völker. Zwei Gründe kennen wir bereits genau: den furchtbaren äußeren und inneren Druck, dem die Juden im Exil ausgesetzt sind, und das Witzetalent der vorderasiatischen Gruppe der Juden, die den jüdischen Volkswitz ja auch als einzige gezeugt hat. (…)
Das dritte wichtige Element ist die Talmudschulung der jüdischen Männer im Osten (…). Die scharfsinnige Talmuddebatte schärft den Geist ganz allgemein. Dazu kommt die Besonderheit der Technik von der der jüdische Witz ebenfalls mit profitiert.“
3)

Seinen Höhepunkt erreichte der jüdische Witz bei den Ost- und mitteleuropäischen Juden kurz nach Beginn der Aufklärung. Wann er unterging, brauchen wir hier wohl nicht auszubuchstabieren. „Ein Teil des jüdischen Volks hat den Nazi-Terror überlebt – nicht aber sein Witz.“ 4)

Salcia Landmann hat jüdische Witze gesammelt und 1960 erstmals in Buchform veröffentlicht. Dr. Rainer Moritz hat nun ein „Best of“ aus der Landmann-Sammlung zusammengestellt und nach Themengebieten geordnet.

„Best of“ ist immer so eine Sache. Eine Geschmacksache. Ich beschäftige mich seit rund 30 Jahren mit dem Thema „Jüdischer Witz“ und hätte Ihnen/Euch ganz andere erzählt – auch auf die Gefahr hin, sie hinterher erläutern zu müssen. Sind sie wirklich typisch, erfordern sie meist Vorkenntnisse.

Im Nachwort zu AM SABBAT GEHT MOISCHE ZUM REBBE erklärt der Herausgeber Dr. Rainer Moritz: „Wert wurde dabei darauf gelegt, leicht zugängliche Witze zu präsentieren, die keiner historischen oder philologischen Erläuterung bedürfen.“ 5) Da fällt dann schon mal einiges weg. Doch für den Erstkontakt mit dieser speziellen Witzkultur ist Dr.Moritz’ Zusammenstellung eine feine Sache.

Harmlose Witze sind bei den Juden selten. Die meisten sind voller Selbst- und Weltkritik. Was man bitte nicht mit Selbsterniedrigung verwechseln sollte.

Einen recht harmlosen, der seit vielen Jahren zu meinen Favoriten gehört, habe ich zu meiner Freude in diesem Büchlein entdeckt. Auch den musste ich nach dem Erzählen schon öfter erklären:

Karfunkel und Frau vor einem Bild von Picasso.
„Es ist ein Porträt“, behauptet Karfunkel.
„Unsinn“, meint die Frau, „das ist eine Landschaft!“
Sie können sich nicht einigen; also kaufen sie einen Kataliog und schlagen nach – da steht „Mandelbaum an der Riviera“.
„Siehst du“, sagt Karfunkel frohlockend, „doch ein Porträt.“
6)

Illustriert hat das Bändchen der Zeichner und Cartoonist Peter Gaymann. Er versteht es , die absurden Situationen des Lebens treffend darzustellen, was gut zu den Witzen passt. Als Einstieg in die Welt des jüdischen Humors ist dieses Buch auf jeden Fall zu empfehlen.

Salcia Landmann (1911 – 2002) stammte aus einer jüdischen Familie in Galizien und war Schriftstellerin und Journalistin. Sie überlebte den Holocaust in der Schweiz.
Dr. Rainer Moritz, Autor und Literaturkritiker, leitet das Literaturhaus Hamburg.
Peter Gaymann ist Zeichner und Cartoonist. Seine humorvollen Cartoons zeigen augenzwinkernd allzu menschliche Schwächen und Stärken des täglichen Lebens auf.

Quellen:
1) Salcia Landmann: Am Sabbat geht Moische zum Rebbe – Die besten jüdischen Witze, siehe oben, Seite 19
2) DER JÜDISCHE WITZ, Soziologie und Sammlung, vollständig neu bearbeitete und wesentlich ergänzte Ausgabe, herausgegeben und eingeleitet von Salcia Landmann, Walter Verlag AG Olten, 1960, 13. Auflage 1988, Seite 19
3) Ebenda, Seite 37
4) Ebenda, Seite 46
5) Salcia Landmann: Am Sabbat geht Moische zum Rebbe – Die besten jüdischen Witze, siehe oben, Seite 122
6) Ebenda, Seite 39

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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