Tara Eleonore Albers: MERLIN – Wenn deine Träume stark genug sind.

Tara Eleonore Albers: MERLIN – Wenn deine Träume stark genug sind. Ein Ka-ZEN-Weg zum Glück, Brakel 2010, MerlinTV-Verlag, 2. erweiterte Auflage, ISBN 978-3-9814109-6-9, Hardcover-Einband mit Goldglanzprägung, 191 Seiten, Format: 19,8 x 14 x 2 cm, EUR 19,90.

Die Autorin ist Diplom-Sozialpädagogin mit Zusatzausbildung in Waldorfpädagogik, Farbtherapie, Coaching und Energiearbeit. Die Leserin/Rezensentin ist Dipl.-Wirtschaftsingenieurin (FH) und eine Skeptikerin durch und durch. Was wird wohl passieren, wenn die gegensätzlichen Weltanschauungen dieser beiden Damen aufeinandertreffen? Gibt’s eine hochexplosive Materie-Antimaterie-Reaktion? Pfeffert die Skeptikerin das Lebenshilfe-Buch „MERLIN – Wenn deine Träume stark genug sind“ mit einem Wutschrei in die Ecke?

Nein, nichts dergleichen geschieht. Natürlich gibt es Gedankengänge in diesem Band, denen ein knochentrockener Verstandesmensch gar nicht oder nur sehr zögerlich folgen möchte. Doch Tara E. Albers ist eine gebildete und lebenserfahrene Frau, die auch notorischen SkeptikerInnen viel Hilfreiches und Bedenkenswertes zu sagen hat.

Die Inspiration für dieses Buch war Kater Merlin, den die Autorin vor Jahren aus dem Tierheim geholt hat. Eigentlich ist gar nicht geplant, dass er bei ihr einzieht. Tara E. Albers ist zu der Zeit auf der Suche nach ihrem verschwundenen Kater Karli. Doch Merlin, der kleine Rote mit den goldenen Augen, nimmt einen so intensiven Blickkontakt mit ihr auf, dass er ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf geht. Am übernächsten Tag greift sie sich einen Transportkorb, fährt wieder ins Tierheim und holt Merlin nach Hause.

Hätte Merlin aufgegeben und trübsinnig in seinem „Gefängnis“ gehockt, wäre er ihr gar nicht aufgefallen. Er aber ist offen und neugierig auf die Besucherin zugegangen und hat dadurch seine Chance auf ein glückliches und freies Katzenleben in liebevoller menschlicher Gesellschaft bekommen.

Was können wir Menschen daraus lernen? Dass wir oft genug das bekommen, was wir erwarten, im Guten und im Schlechten, weil wir uns entsprechend verhalten. Von der „selbsterfüllenden Prophezeiung“ haben wir alle schon gehört. Ein Begriff, der in den 40-er Jahren des vorigen Jahrhunderts von dem US-amerikanischen Soziologen Robert King Merton geprägt wurde.

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, heißt ein Sprichwort. Wer mutlos und verzagt in der Ecke lümmelt, wird keinen Erfolg haben. Wer sich nie aus seiner Komfortzone herauswagt, wird immer nur dasselbe erleben. Man muss aufstehen und seinen bequemen, warmen Kokon verlassen, damit man sich entwickeln und verändern kann.

Dass man seine Ziele umso eher erreicht, je konkreter man sie sich vorstellen kann, sagt nicht nur Kater Merlin im Buch. Das hört man auch immer wieder in verschiedenen (berufsbezogenen) Seminaren. Das leuchtet ja auch ein: Wenn ich genau weiß, was ich will, werde ich entsprechende Maßnahmen einleiten, um es zu bekommen. Ich bilde mich fort, um beruflich aufzusteigen, ich treibe Sport, um schlank, fit und gesund zu werden und in mein Traumkleid zu passen oder ich nehme Gesangsunterricht, wenn ich mit allen Fasern meines Herzens eine Bühnenkarriere anstrebe.

„Wenn du dich (…) auf das konzentrierst, was du erleben willst, was dich froh macht und was du liebst, dann kommen Freude, Glück und Liebe in dein Leben. Wonach du Ausschau hältst, das kommt zu dir.“ (Seite 44) Sollte man das vielleicht eingrenzen auf das von Menschen Beeinflussbare und tatsächlich Machbare? Oder ist dieser Punkt für einen intelligenten Leser selbstverständlich? Nicht, dass noch einer auf die Idee kommt, sich das ewige Leben, fliegende Schweine oder vernünftige Politiker zu wünschen!

Realisierbare Ziele sollten es also nach Möglichkeit sein. Und die eigenen. Denn man es nicht oft genug betonen: „Du bist nicht auf der Welt, um die Vorstellungen anderer Menschen zu erfüllen.“ (Seite 120). Allerdings hat man so manchem Menschen die eigenen Wünsche und Träume im Laufe seines Lebens so gründlich ausgeredet und ihm fremde Werte übergestülpt, dass er gar nicht mehr weiß, wer er eigentlich ist und was er selber will. Dann muss er erst wieder lernen, auf sein Gefühl zu vertrauen.

Dass nicht die anderen entscheiden, wie man sich fühlt und wie man eine Situation bewertet, sondern ganz allein wir selbst, das sagen auch die Verhaltenstherapeuten. Das mag uns erstaunen, wenn wir es zum ersten Mal hören, aber es ist was dran. Nicht die anderen ärgern mich. Ich ärgere mich über die anderen. Und ich kann es auch wieder bleiben lassen. Wer sagt denn, dass ich mich aufregen oder gekränkt fühlen muss, nur weil jemand etwas Unfreundliches zu mir gesagt hat? Er hat Schallwellen abgesondert, ein bisschen die Luft bewegt, weiter nichts. Das hat absolut nichts mit mir und meiner Stimmung zu tun. Ich könnte mich ebenso gut entscheiden, das Gesagte zu ignorieren, darüber zu lachen oder den miesepetrigen Mitmenschen als bedauernswerten Wicht zu bemitleiden. Ich habe die Wahl. Wenn man das verinnerlicht hat, kann man beinahe die Gelassenheit einer Katze erreichen …

Bei der Vorstellung, dass das Leben, wahlweise das Universum, will, dass es uns gutgeht, steigen wir Skeptiker allerdings aus. Wir, die wir an allem zweifeln sind uns da ganz sicher: Dem Leben und dem Kosmos ist das wurscht. Oder, besser gesagt, da ist überhaupt nichts vorhanden, was ein Bewusstsein haben könnte. Wir tun uns auch mit der Vorstellung von Gott schwer. Und mit Auren, Kirlianfotografie, Bachblüten etc. ebenso. Darüber zu streiten führt zu nichts. Die einen glauben, die anderen glauben nicht. Das sollte man wechselseitig mit Gleichmut akzeptieren.

Auch die Dialoge zwischen Mensch und Katze sehen wir hier als „im übertragenen Sinne gemeint“ an. Natürlich ist Kommunikation zwischen Mensch und Tier möglich. Hund, Katze und Pferd machen uns schon deutlich, was sie wollen oder nicht wollen. Aber auch wenn unsere geliebten Katzen und Kater noch so unergründlich dreinschauen können – komplexe philosophische Gedankengänge trauen wir ihnen nicht zu. Doch ob die Tipps und Lebensweisheiten nun von Kater Merlin stammen oder aus Tara Eleonore Albers’ Katzenbeobachtungen, ihrer Ausbildung und ihrem Erfahrungsschatz ist im Grunde unerheblich. In diesem Buch werden verschiedene Lebensbereiche angesprochen, und es ist eine Menge dabei, was einem zu denken gibt.

Manches weiß man zwar in der Theorie, doch wird es einem erst so richtig klar, wenn man es als anschauliches Bild präsentiert bekommt. Die Geschichte vom Olivenbäumchen (Seite 131) ist ein schönes Beispiel dafür. Und vielleicht klappt es ja auch mit dem Meditieren, wenn man sich dabei eine Katze vorstellt (Seite 153).

Eine tolle Idee sind die 100 „Saatgedanken“. Das ist eine Sammlung von einprägsamen Merksätzen, Vorsätzen, Fragen, Weisheiten und Handlungsanweisungen. „Schlage diese Seiten einfach auf, wann immer du dich danach fühlst oder wenn du nach einer Antwort oder Motivation suchst. (…) Vielleicht findest du ‚Lieblings-Saatgedanken’, die dich besonders ansprechen?“ (Seite 164) Die findet man hier ganz bestimmt, in jeder Stimmung vermutlich andere. „Mut ist der einzige Weg in die Freiheit“ (Seite 168) oder „Wie ich etwas betrachte, liegt an mir selbst“ (Seite 166) würde ich mir jederzeit auf die Fahnen schreiben. Oder in eine Forums-Signatur.

Die Autorin
Tara Eleonore Albers ist Diplom-Sozialpädagogin mit Zusatzausbildungen in verschiedenen Bereichen. Sie war viele Jahre in leitenden Tätigkeiten in pädagogischen Einrichtungen tätig und war Mitbegründerin eines der ersten Bio-Läden in Deutschland. Seit 1992 arbeitet sie selbständig als Autorin, Lehrerin, Übersetzerin und Farbexpertin.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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