Ulrike Renk, Silke Porath: Salat muss durchs Kaninchen – Roman

Ulrike Renk, Silke Porath: Salat muss durchs Kaninchen, Berlin 2013, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, ISBN 978-3-86265-254-9, Softcover, 275 Seiten, Format: 18,8 x 12,6 x 3,2 cm, EUR 9,95 (D).

„Ich find das blöd“, sagt Saskia. „Das mit dem Baby.“
„Ich auch“, gestehe ich.
„Echt?“
Ich nicke. „Ja, echt. Ich wollte nie Kinder.“
(Seite 186)

Silke Strümpf und Marianne „Maja“ Schäfer, beide Mitte 30 und als Redakteurinnen für verschiedene Zeitschriften tätig, sind schon seit dem Kindergarten beste Freundinnen. Nach einer Zeit, in der sie in verschiedenen Städten gelebt haben und ihre Freundschaft nur per Internet und Telefon pflegen konnten, leben sie jetzt wieder gemeinsam in einer WG – in einer tollen Altbauwohnung in Krefeld.

Leider sind ihre Lebenspartner aus beruflichen Gründen am vorigen Wohnort geblieben, zusammen mit ihren Kindern aus früheren Beziehungen. Redakteur Oliver lebt mit seiner pubertierenden Tochter Saskia, die mehr Metall am Körper trägt als R2D2 und die absurdesten Sachen mit ihren Haaren anstellt, in Berlin. Majas Freund Zoran, der neben seiner Importfirma und einer beginnenden Schriftstellerkarriere noch seinen überaus einfallsreichen fünfjährigen Sohn Marten domptiert, wohnt in Hamburg. Also sind Silke und Maja zwar wieder in Freundschaft räumlich vereint, führen jetzt aber mit ihren Familien eine Distanzbeziehung. Das ist auch nicht ideal.

Silke ist ein unabhängiger Geist und kommt mit der Situation besser klar als Maja. Die träumt von einer Hochzeit mit Zoran und von gemeinsamen Kindern. Doch Zoran zieht nicht so recht. Sein verhaltenskreativer Sprössling Marten reicht ihm vollkommen. Für Silke wäre ein Kind hingegen der Super-GAU. Sie hat schon alle Hände voll mit ihrem Job und ihrem „Stief-Pubertier“ Saskia zu tun, das sich so gar nicht mit der neuen Frau an Papas Seite abfinden kann. Und besonders mütterlich veranlagt ist Silke auch nicht, was man verstehen kann, sobald man ihre Familiengeschichte kennt.

Wie der Teufel es will, wird ausgerechnet Silke ungeplant schwanger. Für eine Abtreibung ist es zu spät, und Silke muss sich wohl oder übel damit anfreunden, Mutter zu werden.

Maja kämpft schwer gegen aufkommende Neidgefühle an. Sie ist es doch, die sich sehnlichst ein Kind wünscht. Und Silke bekommt eins und ist todunglücklich darüber. Doch keine von beiden hat Zeit, sich in eine Weltuntergangsstimmung hineinzusteigern, denn in ihrer Patchwork-Großfamilie mit Fernbeziehungen ist immer was los. Mal sind alle gleichzeitig ausgeflogen und Dackel Karlchen wäre das ganze Wochenende über allein in der Wohnung. Wie gut, dass es Nachbarin „Alitze“ gibt, die als rettender Engel einspringt. Da ist es auch egal, dass sie neugierig, indiskret und aufdringlich ist und nach Waschnuss riecht. Ein andermal reist anlässlich einer Beerdigung Olivers schwäbische Familie an. Silke kriegt Reißzähne, als Schwiegermutter Waltraud ihre geliebte Küche in ein Schlachtfeld verwandelt. Und so schnell, wie sie gehofft hat, wird sie die Invasion von der Schwäbischen Alb auch nicht los, denn das verstorbene Familienmitglied hat Oliver ein Wohnhaus mit Kneipe in Düsseldorf hinterlassen. Und das wird jetzt inspiziert und renoviert.

Saskia findet das mit dem Baby ätzend und reißt aus. Dafür taucht Silkes Mutter auf und mischt sich in übergriffiger Weise in das Leben ihrer Tochter ein. Kann man die Frau nicht irgendwie vergraulen? Die WG gibt sich alle Mühe. Und Maja schwebt im siebten Himmel, weil Zoran ihr einen Heiratsantrag gemacht hat. Jetzt muss das perfekte Brautkleid her! Und irgendwie muss sich auch noch herauskristallisieren, wer künftig wo wohnen wird. Hamburg, Berlin, Krefeld, Düsseldorf – alles ist möglich. Das heißt, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. Bei diesem chaotischen Haufen weiß man nämlich nie …

Im ersten Band SCHOKOLADE IST AUCH NUR GEMÜSE (ISBN 978-3-86265-089-7) haben Silke und Maja ihre Traummänner gefunden. Jetzt gilt es, die Beziehungen im Alltag zu leben. In einem Interview mit dem Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag sagt Autorin Ulrike Renk: „Eine Liebesbeziehung endet nicht, wie in den meisten Filmen, mit dem Zusammenkommen des Paares. Richtig spannend wird es doch erst später: Kommt man miteinander zurecht? Stört die Zahnbürste im Bad? Was ist mit den dreckigen Unterhosen unter dem Bett? Alltag ist eigentlich viel spannender als der Flirt vorher. Natürlich auch anstrengender. Manchmal auch schöner. Manchmal nicht …“

Silke Porath ergänzt: „Maja und Silke ‚erben‘ gewissermaßen auch die bereits vorhandenen Kinder ihrer Lebensgefährten. Einen Satansbraten und eine ‚Pubertistin‘. Ulrike und ich haben beide mehr Kinder als eine durchschnittliche Familie, aber eins kann man uns glauben: Die Romanfiguren Saskia und Marten toppen alles!“

O ja, da hat die Autorin ganz sicher recht! Die Einfälle der beiden Kinder machen einen mitunter fassungslos. Da bewundert man die Erziehungsberechtigten für ihre Nervenstärke. Aber die Sprösslinge haben auch ihre liebenswerten Seiten. Es sind keine reinrassigen Monster. Wie auch, bei diesen netten Vätern? Die Schwiegermütter in dieser Geschichte sind ebenfalls nicht ohne: wohlmeinend aber nervensägend, jede auf ihre Art.

Für die meisten Lacher sorgen wohl die durchgeknallten Öko-Nachbarn Alice und Heiner. Ihre Hobbydichter-Lesung mit Schweinkram aus der zweiten Lebenshälfte und einer Ode an das Huhn sollte man sich am besten im stillen Kämmerlein zu Gemüte führen, wenn man nicht ahnungslose Mitmenschen durch wieherndes Gelächter erschrecken will. Und wer die Krimireihen kennt, die die beiden Autorinnen unabhängig voneinander schreiben, wird über eine Szene mit zwei Gastauftritten schmunzeln.

Immer wieder interessant ist es, wie so ein Roman entsteht. Vor allem, wenn mehrere Autoren daran arbeiten. Dass Ulrike Renk die Geschichte aus der Sicht von Silke erzählt und Silke Porath aus Majas Perspektive schreibt, ist schon mal gut zu wissen. Die Autorinnen gewähren uns in dem Verlagsinterview weitere Blicke hinter die Kulissen. „Abwechselnd schreibt jede ein Kapitel. (…) Natürlich wissen wir grob, wohin der Weg uns durch die Handlung führt, aber die vielen kleinen, witzigen Details der anderen kennen wir vorher nicht.“, sagt Ulrike Renk. Silke Porath erklärt: „Jede weiß, wie ihre Figur tickt und was als sie als Nächstes tun könnte. Und dann kommt das neue Kapitel der Kollegin und plötzlich ist alles ganz anders. Ich habe Tränen gelacht und musste immer auf der Stelle antworten. Ich denke, das macht die Geschichte auch so lebendig. Der Leser ahnt nie, was im Folgenden passiert, denn die jeweilige Co-Autorin wusste es ja auch nicht.“

Das könnte in der Tat eines der Erfolgsgeheimnisse dieser Romanreihe sein. Sie ist alles andere als vorhersehbar, sondern so verrückt, komisch und überraschend wie das Leben selbst. Und wir dürfen schon gespannt sein auf den dritten Band.

Die Autorinnen
Ulrike Renk wurde 1967 in Detmold geboren, inzwischen lebt sie in Krefeld, gemeinsam mit ihren vier Kindern. Sie hat bereits mehrere Krimis, historische Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht. Silke Porath, Jahrgang 1971, hat drei Kinder und lebt im schwäbischen Balingen. Sie hat verschiedene Krimis, Romane und Sachbücher veröffentlicht. Beide Autorinnen sind Mitglieder der 42er Autoren, über deren Internetforum sie sich kennenglernt haben.

Foto: Christian Löwe

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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