Nagellack von Mitsubishi

In den 70-er Jahren, als ich ein Teenager war und gerne so richtig verrückte Nagellacke in Farben wie Grün, Blau, Silber oder Gold gehabt hätte, da gab es so etwas noch nicht. Aus England hab ich mir mal einen farblosen Lack mit Goldglitzerpartikeln mitgebracht, aber das war auch das Schrägste, was ich auf dem Markt fand.

Ich habe mir damit geholfen, dass ich Farben auf den Unterlack aufgetragen habe, die gar nicht zum Nägellackieren gedacht waren. Wasserfarben, Lacke aus dem Bastelbedarf und solche aus der Autowerkstatt. Aus Lackreparatursets. Überlack drüber, fertig. So hatte ich tatsächlich einen metallicblauen „Nagellack“ von Mitsubishi.

In den 90-er Jahren gab es auf einmal alle Farben, von denen ich als Teenie geträumt hatte. Eine Verwandte arbeitete bei einem Kosmetikhersteller und kam günstig an Ware mit beschädigter Verpackung ran. Ich schwelgte in den schrillsten Farbtönen. Und, schwupps, war der Trend auch schon wieder vorbei.

Ein paar Jahre später füllte ich in einer Frauenzeitschrift einen Test über Stil- und Modefragen aus. Pflichtschuldigst kreuzte ich bei „blau und grün lackierte Fingernägel“ die Option „das geht ja gar nicht“ an, obwohl mir das klammheimlich immer noch gefiel.

Und jetzt, wo ich mit über 50 eindeutig zu alt für diesen Trend bin, sind auf einmal die allerschrägsten, superschrillen, affengeilen Lacke auf den Markt. Gold! Lila! Giftgrün! Türkis! Glitzer! Hologrammeffekte! Neiiiid! Ich krieg die Krise! Aber diese Farben sind für junge Hände und nix für ergraute Büromäuse. Ich möchte ja nicht wie ein „Teenager Spätlese“ rumlaufen.

Das Leben ist manchmal einfach ungerecht. 😉

Foto: Kittynailpolish/www.flickr.com

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