Heike Krüger, Ulrike Stickel (Hg.): Gutsle und Bredle – Feines Weihnachtsgebäck

Heike Krüger, Ulrike Stickel (Hg.): Gutsle & Bredle – Feines Weihnachtsgebäck, Reutlingen 2013, Oertel+Spörer-Verlag, ISBN 978-3-88627-933-3, Hardcover, 96 Seiten, 42 Rezepte mit ganzseitigen farbigen Abbildungen, Format: 15,4 x 15,4 x 1,2 cm, EUR 11,95.

CoverGutsle

„Gutsle“ oder „Bredle“ sagt man im Schwäbischen zu den Weihnachtsplätzchen. Das erklärt für alle Nicht-Schwaben schon mal den Buchtitel. 42 Rezepte enthält dieses Bändchen, darunter viele, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden: Ausstecherle und Springerle, Bärentatzen, Butter-S und Hägen-Makronen, Spitzbuben, Terrassenkuchen und Zimtsterne. Ein paar „Einwanderer“ hat’s auch dabei: amerikanische Brownies, donauschwäbische Bärenpratzen, österreichische Vanillekipferl … und die Mandeltascherln klingen auch eher nach „Reingschmeckten“ aus dem bairischen Sprachraum.

Woher die Plätzchen auch stammen, lecker sind bestimmt alle, denn bei diesen Rezepten handelt es sich überwiegend um die Sieger aus einem „Gutsle-Wettbewerb“, den der Reutlinger General-Anzeiger im Herbst 2005 ausgeschrieben hatte. „Gesucht wurden die schmackhaftesten Rezepte aus dem Schwabenland. Und mehr als 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten sich dem Urteil einer Fachjury aus Bäckermeistern und Konditoren.“ (Seite 5)

Für dieses Buch wurden die Backrezepte in aus der Adventsaktion um 11 traditionell-schwäbische Rezepte aus dem Familienfundus der Reutlingerin Ulrike Stickel ergänzt. Heraus kam ein ansprechend gestaltetes Backbüchlein im handlichen Format.

Zu vielen der Rezepte gibt’s besondere Tipps für ein gutes Gelingen, Variationsvorschläge und Hinweise für die richtige Lagerung. Letztere beziehen sich allerdings nur darauf, wie die Gutsle möglichst lange frisch bleiben. Dafür, dass sie nicht von den Haushaltsmitgliedern vorzeitig gefunden und aufgefuttert werden, muss der Plätzchenbäcker/die Plätzchenbäckerin selber sorgen. 😉

Wenn man die hier vorgestellten Plätzchen kennt, gleicht man unwillkürlich das abgedruckte Rezept mit dem ab, das einem vertraut ist. Von routinierten Weihnachtsbäckerinnen kamen beim Durchblättern Kommentare wie: „Ich streu da immer Puderzucker drauf. Aber eine Glasur ist auch mal ’ne Idee!“ oder „Aber da kommt doch kein Ei rein!“. Vielversprechende Rezepte, die man nicht im Repertoire hat, werden flugs daraufhin überprüft, wie viel Arbeit sie wohl machen.

Was einen normalerweise bei Koch- und Backbüchern zum Habenwollen und Nachmachen anstiftet, sind die wunderbaren Fotos. An denen hat man bei diesem Bändchen leider ein wenig gespart. Nicht immer zeigen die herrlichen Abbildungen die Gutsle, die auch im nebenstehenden Rezept beschrieben sind. Man hat auf preisgünstige Agenturfotos zurückgegriffen. Gut, dass die angeblichen Nougatringe keine Ringe sind, sondern runde Plätzchen, ist jetzt kein Drama. Auch dass die Vanillekipferl ausgestochen aussehen, obwohl sie laut Rezept von Hand gerollt werden, ist nicht schlimm. Wie’s richtig aussehen muss, kann man sich ja vorstellen. Bei anderen Abbildungen wundert man sich schon etwas mehr: Schauen die fertigen Nusstaler nachher wirklich so aus wie auf dem Bild? Kann eigentlich nicht sein …

Wenn statt ein paar Gutsle dann nur noch schön dekorierte Zutaten abgebildet sind, muss man das angestrebte Resultat entweder vorher schon kennen (Butter-S), oder die Phantasie spielen lassen (Altenburger Taler). Das führt nicht immer zu zufriedenstellenden Ergebnissen. Wie die Mandeltascherl später aussehen sollen, ist mir z. B. ein Rätsel. Abgebildet ist eine Schüssel voller Mandeln und aus der Beschreibung alleine werde ich nicht schlau. Soll das so eine Art Gutsle-Ravioli ergeben? Offenbar gilt nicht nur für Romane sondern auch für Koch- und Backbücher der Grundsatz show, don’t tell. Zeigen, nicht erzählen.

Aber seien wir fair: Auch wenn man ein, zwei Rezepte nicht kapiert, bleiben immer noch 40 übrig, die hervorragend dazu geeignet sind, uns zum Backen kalorienhaltiger Leckereien zu inspirieren.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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2 Kommentare

  1. Sehr geehrte Frau Krüger,
    sehr geehrte Frau Stickel,

    wie jedes Jahr, wollte ich ein schwäbische Adventsbackbüchlein verschenken.
    Leider konnte ich in dem neuen Büchle: Gutsle & Bredle mein Rezept nicht mehr finden, sodass ich jetzt kein Büchlein mehr verschenken kann, will das Lieblingsrezept meiner Kinder fehlt. Schade!

    Mit freundlichen Grüßen
    Beate Pittas

    1. Das Schreiben wird an dieser Stelle nicht viel bringen, fürchte ich. Ich habe nur ÜBER das Buch geschrieben. Eine Verbindung zum Verlag und zu den AutorInnen besteht nicht.

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