Status-Änderung

Als mein Vater mich dieser Tage als „alleinstehende Frau“ bezeichnete, fühlte ich mich erst gar nicht angesprochen. Ich betrachte mich immer noch als Teil eines Paares, dem eine Hälfte eben durch den Tod abhandengekommen ist.

„Alleinstehend“ klingt so nach „übrig gebliebener alter Jungfer“, nach Wilhelm Buschs frommer Helene. So kommt es mir zumindest vor. Vermutlich, weil heute „Single“ der gebräuchlichere Ausdruck ist. Aber als Single sehe ich mich auch nicht. Das kommt vielleicht noch. Doch derzeit ist mein verstorbener Partner noch so präsent in meinem Leben, dass ich immer noch das Gefühl habe, in einer Beziehung zu leben, obwohl mein Partner nicht mehr da ist.

Ich sage immer noch „unsere Katzen“ und „unsere Wohnung“ und kann mich nicht daran gewöhnen, dass ich jetzt „meine“ sagen muss. Es gibt kein „Wir“ und kein „Uns“ mehr. Nur noch in der Vergangenheitsform. Das ist noch nicht so ganz bei mir angekommen.

Früher fühlte ich mich manchmal alleinstehend trotz Partner … wenn alle Verantwortung auf mir lastete. In der Theorie ist der Unterschied zum augenblicklichen Zustand nicht sehr groß. Aber es fühlt sich anders Scheiße an.

Gerhard Jubilaeum      Edith Jubilaeum

Foto: INDEX-Werke

3 Kommentare

  1. Hallo Edith, irgendwoe kann ich doich verstehen, denn dein Gefühl Teil eines Paares zu sein, wird wohl nie so richtig enden? Ich würde versuchen, nicht tiefer in mich hinein zu spüren, wann denn nun ein anderes, dieses Single- Gefühl oder „alleinstehend“ eintreten wird. Auch du musst erst einmal neue Erfahrungen sammeln, die dieses Gefühl vielleicht irgendwann einma begründen wird. Bis dato überwiegen die „alten“ Erfahrungen und damit dieses Wir- Gefühl. Denk nicht darüber nach, es braucht eben Zeit und du stehst gerade am Beginn deines neuen Lebens.
    IÜch bin in meinen Gedanken sehr oft bei dir!
    Herzliche Grüße
    Rainer

  2. Ich kann mir gut vorstellen, dass das seine Zeit braucht. Dass du noch „unsere Wohnung“ und „unsere Katzen“ denkst, erscheint mir nicht mehr als logisch, ihr habt sie ja gemeinsam angeschafft. Das Gefühl verscheindet nicht so schnell. Als meine Mutter einige Zeit nach dem Tod meines Vaters den Bescheid vom Grundbuchamt erhielt, dass sie jetzt alleinige Eigentümerin des Hauses ist, war sie völlig fertig. Ihrem Gefühl nach war das ganz und gar nicht in Ordnung.

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