Leitende Hand

„Erstmals in ihrem Leben musste sie ohne die leitende Hand eines Mannes auskommen“, hieß es neulich sinngemäß in einem Krimi über eine Witwe in meinem Alter. In dem Fall passte es. Und ich kam ins Grübeln.

Leitende Hand? Uh, nee, das ist so gar nichts für mich! Das hat in sehr jungen Jahren mal jemand mit mir probiert und es kam gar nicht gut. Ich kann es nicht leiden, wenn mir jemand sagen will, wo es langgeht, was ich zu denken und zu sagen habe und wie ich sein soll.

Ich muss auch nicht immer selber bestimmen. Stets für alles als Alleinkasper verantwortlich zu sein, ist ungeheuer anstrengend. Ein Gegenüber, mit dem man auf Augenhöhe das Für und Wider verschiedener Möglichkeiten durchdenken kann um gemeinsam zu einer sinnvollen Entscheidung zu kommen, wäre prima. Jemand, der sich eigenverantwortlich um Dinge kümmert, wäre der absolute Traum. Bitten, betteln, nachhaken und dann doch alles selber machen müssen habe ich so satt. Genau wie Versprechen, die gleich wieder vergessen werden.

Ich denke nicht an einen neuen Lebenspartner. Diese Vorstellung ist für mich momentan so weit weg wie der Mond. Und Freunde und Verwandte kann ich so intensiv nicht einspannen, die haben ja alle ihr eigenes Leben und eigene Sorgen. Da kann ich niemanden zum Partnerersatz machen. So gesehen ist es schon gut, dass ich keine Kinder habe, denn ich fürchte, die würde ich jetzt in diese Position drängen.

Fake it till you make it. Ich werde mir einfach einreden, dass es gut ist, ein Einzelkämpfer zu sein. Oder, wie mein schon lange verwitweter Vater sagt: „Ich führe ein friedliches Leben. Mit mir streitet niemand und mir widerspricht keiner.“

Foto: (c) Gerhard Loew
Foto: (c) Gerhard Loew

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