Verena Scheitz: Der Wenzel-Test. Mein Dackel, die Männer und ich

Verena Scheitz: Der Wenzel-Test. Mein Dackel, die Männer und ich, Wien 2017, Carl Ueberreuter-Verlag, ISBN 978-3-8000-7663-5, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 159 Seiten, Format: 13,1 x 2,2 x 20,5 cm, Buch: EUR 19,95, Kindle Edition: EUR 16,99.

Abbildung: (c) Ueberreuter-Verlag

„Na, den haben wir noch gebraucht in unserer Sammlung der wunderbaren Volltrottel.“ (Seite 138)

Beim Vorwort ahnt man schon: Ein ganz klein wenig satirisch überspitzt wird Verena Scheitz‘ amüsanter Rückblick auf Ihr Leben mit Rauhaardackel Wenzel schon werden.

Die österreichische TV-Moderatorin, Schauspielerin und Kabarettistin ist mit einem Rauhaardackel aufgewachsen: Niki. Und der war ihr bester Freund. Sie kennt also die Besonderheiten dieser Hunderasse. Kein Wunder also, dass sie spontan zugreift, als ihr Jahre später ein etwa ein Jahr alter Vertreter dieser Rasse angeboten wird, der ihrem geliebten Niki wie aus dem Gesicht geschnitten ist.

Liebe auf den ersten Blick – einseitig


Der Kaufpreis von 200 Schilling ist für die damalige Jungschauspielerin – erstes Engagement beim Sommertheater im Waldviertel ¬ ein Haufen Geld. Aber was will man machen? Es ist nun mal Liebe auf den ersten Blick. Zumindest bei ihr. Der bislang namenlose Dackel hat eigentlich gar keinen Bock darauf, an „Frau Blondie“ verkauft zu werden. Er hat sich ganz wohl gefühlt auf dem Grundstück eines Jägers, wo er nach Herzenslust zwei nicht besonders helle Schäferhunde herumkommandieren konnte. Jetzt kommt er in eine Wohnung in der Stadt und muss dort erst einmal klarstellen, dass er da der Boss ist. Die Schäferhunde wussten das schon. Und dass nicht jeder dahergelaufene Zwei- oder Vierbeiner in seinem Zuhause willkommen ist, das muss er seiner Blondie auch noch beibringen.

„Kanzler“ hätt‘ er gern geheißen


Warum wir LeserInnen wissen, was der Dackel denkt? Weil die Autorin dem Dackel eine raunzig-grantige Stimme gibt und ihn in ihre Schilderungen nach Herzenslust dreinreden lässt. Zum Brüllen! Das, was der Dackel denkt oder mit anderen Vierbeinern diskutiert, ist kursiv und farbig abgesetzt. So ist stets auf den ersten Blick klar, wer sich gerade zu Wort meldet.

Weil er sich seinem Frauerl nicht verständlich machen kann, kann der Hund sich auch bei der Wahl seines Namens nicht durchsetzen. „Kanzler“ hielte er für angemessen. Verena hat keine Ahnung, dass er eigene Vorstellungen hat und lässt sich von den Namen auf den Klingelschildern eines Mehrfamilienhauses inspirieren:
„Okay, wie willst du jetzt heißen: Björnsen 121 oder Wenzel?“
Der Dackel schaut mich an und pfurzt.
Kanzler
„Okay, also Wenzel!“
Wenigstens nicht Wursthund! (…) (Seite 31)

Fortan wird Verenas Bekanntenkreis gnadenlos dem „Wenzel-Test“ unterzogen. Wen der Hund mag, der darf bleiben. Wer auf seiner Minusliste landet, wird vergrault. Und Wenzel mag fast niemanden.

Wenzel duldet keine Unsympathen


Als erstes erwischt es Verenas norwegischen Lebensgefährten Erik, der von ihr verlangt, den Dackel sofort wieder zum Züchter zurückzubringen. Stattdessen findet sich Erik plötzlich mit seinem persönlichen Krempel auf der Straße wieder. Okay: Er war eh ein humorloser Typ, mit dem es Verena nicht mehr sehr viel länger ausgehalten hätte. Auch wenn er Schwiegermutters Liebling war.

Bei Verenas Eltern versucht Wenzel auch, sich als Chef aufzuspielen. Doch Prinz, der vornehme Cocker Spaniel der Familie, ist nicht so leicht loszuwerden wie der blonde Erik. Es kommt zu einer hochdramatischen Auseinandersetzung. Freunde werden die beiden im Leben nicht mehr, aber es reicht für eine gut funktionierende Zweckgemeinschaft. Den esoterisch angehauchten Hundeflüsterer Johnny durchschauen sie auf den ersten Blick. Der „alternde Schlafpillen-Harry-Potter“ (Seite 45) geht ja gar nicht! Den müssen sie umgehend und mit vereinten Kräften hinausekeln!

Verenas Neffe Max dagegen findet Gnade vor Wenzels Augen, und an dem schmuddeligen Gärtner Fritz hat er regelrecht einen Narren gefressen. Dass Fritz tätowiert ist, zu viel trinkt und im Knast war, ist dem Dackel herzlich egal. Der Mann versteht ihn und teilt seine Leberkässemmeln mit ihm. Das ist ein Freund!

Besteht kein Mann den Wenzel-Test?


Unangenehme Zeitgenossen duldet Wenzel nicht in seinem und Verenas Dunstkreis. Das gilt für den anmaßenden Verehrer von Freundin Karin genauso wie für Mike, den großspurigen Jäger, der der Autorin den Kopf verdreht hat. Da muss erst Wenzel kommen und ihr zeigen, was das für ein Würstchen ist. Ein übertrieben dramatisch veranlagter Kellner bekommt Wenzels Zorn zu spüren und auch die Katzen von Verenas Parship-Bekanntschaft Robert. Versicherungsagent Manfred setzt sich gleich selber außer Gefecht und der ebenso schöne wie anspruchsvolle Ernährungsberater Jens wird beinahe von einer Hundehaar-Allergie dahingerafft.

Tragisch-komische Begegnungen in Hülle und Fülle, aber weit und breit kein Mann für Verena! Gibt’s denn gar keinen Kerl, der den Wenzel-Test besteht und den Weg zu Verenas Herzen findet? Nun, Wenzel denkt ja eher praktisch, und so kommt ein Kandidat ins Rennen, den die Autorin zunächst gar nicht auf dem Schirm gehabt hat …

Mit eingebautem Bullsh*t-Detektor


Sehr amüsant! Vor allem Wenzels dialektgefärbte ungeschminkt-prollige Kommentare. Der Dackel ist schon eine Marke: stur, manipulativ bis dort hinaus und absolut von sich überzeugt. Und er muss einen werksseitig eigebauten Bullsh*t-Detektor haben, denn er durchschaut jede noch gut getarnte böse Absicht, erkennt eine Lüge, kaum dass sie ausgesprochen wurde und hört jeden falschen Ton. Nichts dergleichen lässt er durchgehen und schreitet sofort ein. Und damit ist er für Verena trotz all seiner Macken ein guter und wertvoller Freund. Es geht halt nichts über einen konsequenten Dackel mit einer profunden Menschenkenntnis.

Aus purer Neugier hätte mich der wahre Kern so mancher Anekdote interessiert. Vor allem die, bei denen die ahnungslosen und unfreiwilligen Probanden mit Schmackes durch den Wezel-Test fallen. Die realen Vorbilder für diese Buch“helden“ dürften in den seltensten Fällen davon angetan sein, wie sie hier porträtiert werden. Aber die Autorin ist ja nicht nur TV-Frau, sondern auch eine ausgebildete Juristin. Sie wird schon zu verhindern gewusst haben, dass nun scharenweise beleidigte ehemalige Weggefährten vor Gericht ziehen. Den Norweger, habe ich mittlerweile gelesen, den gab’s wirklich …

Die Autorin
Verena Scheitz, geboren 1971, absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften und eine Schauspiel- und Gesangsausbildung am Konservatorium der Stadt Wien. Es folgten zahlreiche Theaterengagements, 2001 wurde sie Mitglied der Kabarettgruppe ‚Heilbutt und Rosen‘. Im Fernsehen war sie in Comedys wie ‚Novotny und Maroudi‘, ‚Wir sind Kaiser‘ oder ‚Die Lottosieger‘ zu sehen. Ab 2007 Einstieg als Moderatorin beim ORF, seit 2012 präsentiert sie alternierend mit Wolfram Pirchner das Magazin ‚heute leben‘. 2016 gewann sie die 10. Staffel von Dancing Stars zusammen mit dem Tanzprofi Florian Gschaider.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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