Tina Zang: Der Karatehamster sattelt um (ab 8 J.)

Tina Zang: Der Karatehamster sattelt um, Auenwald 2017, 26|books-Verlag, ISBN 978-3-945932-38-4, Softcover, 197 Seiten, Format: 14 x 1,3 x 21,6 cm, Buch: EUR 7,99, Kindle Edition: EUR 2,99.

Abbildung: (c) 26|books Verlag

Lee fuhr fort: „Und recht bald wird den Kindern dämmern, dass wir jedes Wort verstehen, das sie reden.“
Ich hielt im Wippen inne. „Das haben wir uns doch immer gewünscht.“
„Ja, aber da waren wir noch jung und unbedarft“, gab Lee zu bedenken.
„Ich bin immer noch jung“, sagte ich.
„Und ich bin immer noch unbedarft“, sagte Chan. (Seite 74)

Tina Zangs Karatehamster-Bücher kenne und liebe ich seit zehn Jahren und habe es sehr bedauert, dass der ars-Edition-Verlag die Reihe nach dem sechsten Band eingestellt hat. Umso erfreulicher die Nachricht, dass die Autorin in ihrem eigenen Verlag damit weitermacht. Hier ist also Band 7. Als e-Book gibt es den Band schon länger, jetzt ist er auch als Taschenbuch erschienen.

Man muss die Vorgängerbände nicht unbedingt kennen, um mitzukommen. Alles Wichtige wird kurz erklärt. Die Schülerin Kira Yusumi und ihr Vater, der japanische Karatelehrer, leben mit seiner zweiten Ehefrau Sandra Putz und deren Sohn Heiko in einer Patchworkfamilie. Sie kommen so einigermaßen miteinander klar.

Kira und ihr Kumpel Jan,
die Hamster Neo, Lee und Chan …

Kiras engster Vertrauter ist ihr Schulkamerad, der Tierarzt-Sohn Jan Winkler. Und mit ganzem Herzen hängt sie an ihren drei Hamstern. Die sind durch Zufall zu dritt in ihre Obhut gelangt und verstehen sich gut, obwohl Hamster normalerweise Einzelgänger sind.

  • Erzählt wird die Geschichte von Hamster Neo. Der ist drahtig, sportlich, mutig und schlau.
  • Sein Kumpel Lee ist vermutlich noch klüger – er bildet sich durch Fernsehen -, aber auch eine hypochondrische Memme mit wechselnden Spleens.
  • Der pummelige Chan ist eher schlichten Gemüts. Fressen ist sein Hobby, und die Kommunikation mit ihm ist anstrengend, weil vieles missversteht und alles wörtlich nimmt.

Urlaub auf dem Reiterhof:
Wer nicht mitfährt, findet’s doof.

Die Menschenkinder haben Ferien, aber Kira und Neo sind traurig: Eine ganze Hamster-Ewigkeit, also eine Woche, wird ihr Lieblingsmensch Jan ohne sie auf einem Reiterhof verbringen. Damit er sich dort nicht blamiert, radelt Kira mit ihm vorher zum Gnadenhof Flinke Pfoten, um die Tochter des Hauses, Laura, über Pferde auszufragen. Die Hamster nehmen sie, wie so oft, auf den Ausflug mit.

Laura hat nicht nur Ahnung von Pferden, sie hat auch ein ganz besonderes Haustier: das japanische Seidenhuhn Henriette, das einen Hindernisparcours laufen und sogar rechnen kann. Und Laura hat Sorgen: Sie wird erpresst. Ein Unbekannter zwingt sie, ihm die Ergebnisse ihrer Mathe-Hausaufgaben zuzumailen. Tut sie es nicht, landet Henriette im Suppentopf.

Laura Flinke wird erpresst,
was sie sich nicht gefallen lässt.
Kira und ihr Hamster-Clan
nehmen sich der Sache an.

Jan und Kira sind schockiert und versprechen Laura, in dem Fall zu ermitteln. Sie haben mit Hilfe der Hamster schon mehrere Kriminalfälle gelöst. Blöd nur, dass Jan jetzt wegfährt und Kira allenfalls online zur Seite stehen kann. Den Erpresser wird sie wohl alleine finden müssen.

Als Täter kommen all diejenigen aus Lauras Klasse in Frage, die Schwierigkeiten in Mathe haben. Kira fühlt einem nach dem anderen auf den Zahn. Plötzlich ist Huhn Henriette tatsächlich verschwunden. War Kira dem Erpresser zu dicht auf den Fersen? Oder fühlte er sich in die Enge getrieben, weil ihm Lauras Freund per E-Mail den Marsch geblasen hat?

Ist Henriette in Gefahr?
Wird Neo jetzt ein YouTube-Star?

Fast noch aufregender als der Kriminalfall ist für Neo die Begegnung mit dem YouTuber Moritz, der ihn zum Internet-Star machen will. Einmal hat er ihn den Hühner-Parcours schon auf Henriettes Rücken absolvieren lassen und ihn dabei gefilmt. Jetzt soll Neo die Strecke allein bewältigen. Er trainiert wie verrückt. Leicht wird das nicht, schließlich ist der Parcours für ein anderes, viel größeres Tier als ihn konzipiert. Und es beinhaltet einen Wassergraben. Wie alle Hamster hasst Neo Wasser. Vor allem, seit er vor kurzem in höchster Not in ein Becken springen musste. Seitdem ist er traumatisiert. („Tomatisiert“ sagt sein Kumpel Chan.)

Trauma hin, Parcours-Training her: Jetzt muss erst mal Henriette wiedergefunden und der Erpresser dingfest gemacht werden. Blöd nur, dass alle Verdächtigen Alibis haben.

Was passierte mit dem Huhn?
Neo ahnt’s und kann nichts tun.

Eine Äußerung von Jan bringt Neo auf eine Idee. Das könnte des Rätsels Lösung sein! Aber wie soll den Zweibeinern seinen Verdacht mitteilen?

Werden die Menschen Neo verstehen? Wird Henriette rechtzeitig gefunden und gerettet? Finden sie den Erpresser? Und wird Neo den Hühner-Parcours blamagefrei schaffen und zum YouTube-Star werden?

Kira trösten, Huhn retten, Erpresser fangen, Parcours laufen, zerstrittene Menschen versöhnen – die Hamster haben diesmal viel an der Backe. Neo bekämpft tapfer seine Ängste, weil er unbedingt als verwegen und tollkühn gelten will. Da passen Schwächen nicht ins Bild. Lee weiß wieder alles besser und pflegt seine fixen Ideen. Und der gutmütige Chan futtert sich durchs Geschehen und versteht alles falsch.

Nervt man sich auch, so ist doch klar:
Ein Freund ist für den andern da.

Dieser Karatehamster-Band feiert einmal mehr die Freundschaft: Gute Kumpels halten zusammen, ergänzen und helfen einander und haben Geduld mit den Schwächen und Macken der anderen. Sie stehen einander nahe, auch wenn sie mal räumlich getrennt sind und verurteilen andere nicht leichtfertig. Vielleicht gibt es für deren unerhörtes Verhalten ja einen guten Grund und man kann dem Betreffenden helfen. Das ist möglicherweise sinnvoller als ihn zu bestrafen. Kira und ihre zwei- und vierbeinigen Freunde denken von Natur aus so. Das macht sie so sympathisch.

Der rätselhafte Erpressungsfall ist spannend, und für den Witz sorgen die drei grundverschiedenen Hamsterkumpels. Neo und Lee mögen die besseren Ideen haben, aber ohne den begriffsstutzigen Chan wäre die Geschichte nur halb so lustig.

Ein bisschen vermisse ich die Illustrationen von Claudia Fries, einfach weil ich sie sechs Bände lang gewöhnt war. Die Story funktioniert freilich auch ohne Bebilderung. Und meine Zwischenüberschriften hier sind gereimt, weil es die Kapitelüberschriften in dem Buch auch sind.

Die Autorin
Tina Zang ist eins der Pseudonyme der Schriftstellerin Christine Spindler, die in Deutschland und den USA veröffentlicht. Mit ihren federleichten Romanen voller Witz und Überraschungen hat sie schon viele Leserherzen erobert. Besucht sie auf www.tinazang.net

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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