Sarah Cooper: 100 Tricks um in Meetings schlau zu wirken

Sarah Cooper: 100 Tricks um in Meetings schlau zu wirken. Das Überlebenshandbuch für den täglichen Bürowahnsinn, OT: 100 Tricks to Appear Smart in Meetings, aus dem Englischen von G. Maximilian Knauer, München 2017, Ariston Verlag in der Verlagsgruppe Random House, ISBN 978-3-424-20176-5, Klappenbroschur, 181 Seiten mit farbigen Illustrationen, Format: 15 x 2 x 15,1 cm, Buch: EUR 12,00, Kindle Edition: EUR 9,99.

Abbildung: (c) Ariston-Verlag

„Unmöglich, [in Besprechungen] ständig aufmerksam zu bleiben. Gut, wenn man dann ein paar Strategien in Reserve hat, um trotzdem schlau zu wirken. Schließlich sind Meetings eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen man sich selbst darstellen und sogar Führungsqualitäten unter Beweis stellen kann.“ So steht es im Klappentext. Und man verspricht uns „Die 100 besten (und nicht immer ganz ernstgemeinten) Tricks, um beim Sitzungsmarathon als Erster über die Ziellinie zu kommen.“

Dass das alles mit einem Augenzwinkern abgehandelt wird, war mir schon klar. Aber ein bisschen etwas Habhafteres hatte ich schon erwartet. Die Autorin hat immerhin für namhafte US-amerikanische Firmen gearbeitet und weiß ganz bestimmt, wovon sie spricht, wenn sie mit der Meeting-Kultur ins Gericht geht.

Ratgeber oder Parodie?


Jetzt verdient sie ihr Geld als Komödiantin und Schauspielerin und betreibt einen Blog, der auch den Stoff für dieses Buch liefert. In einem Blog kann man natürlich von Beitrag zu Beitrag zwischen Ernsthaftem und Albernem hin und her wechseln, solange man beim übergeordneten Thema bleibt. In einem Buch funktioniert das nicht ganz so gut. Da erwartet man als Leser ein einheitliches Konzept. Und hier weiß ich nicht so recht, woran ich bin:

  • Um ungebremst komisch und satirisch zu sein, ist das alles zu nahe an der Realität.
  • Um wirklich praktische Hilfe zu leisten, wenn man in einer Besprechung mal nicht gut vorbereitet ist, nicht richtig zugehört hat oder sonstwie in Verlegenheit geraten ist, ist ein Großteil der Tipps zu amerikanisch und zu überkandidelt. In einem deutschen Unternehmen glaubt dir kein Mensch, dass du mit dem Vorstandsvorsitzenden per Du bist. Und High five unter Managern? Also nee, echt nicht! Nicht mal in Unternehmen mit amerikanischem Mutterhaus.
  • Manche Tipps scheinen eher unter die Überschrift zu passen: „Wie ich mich wie ein Ar***l*ch aufführe und mich auf Kosten meiner Kollegen profiliere“.

Manche nutzen die Tricks schon seit Jahren


Von den 10 SCHLÜSSELSTRATEGIEN, UM SCHLAU RÜBERZUKOMMEN ist der größte Teil tatsächlich umsetzbar. Fällt einem der eine oder andere Trick schnell genug ein, kann man damit auf einfache Weise ein bisschen wichtig tun, ohne jemandem zu schaden. Und man stellt fest, dass offenbar ein paar der Kolleginnen und Kollegen die Tricks bereits kennen. Die machen das nämlich schon seit Jahren so: Im Raum herumgehen, während alle anderen sitzen, zu einem „wichtigen“ Telefonat demonstrativ nach draußen schleichen – und ganz bestimmte Fragen stellen.

21 SINNLOSE DIAGRAMME, DIE SIE ZEICHNEN KÖNNEN: Da muss man sich schon was trauen, nämlich sich vorne ans Whiteboard zu stellen und mit salbungsvollen Worten ein paar nutzlose Krakel zu zeichnen. Ob das allerdings so schlau wirkt? Ich glaub‘, meine Kollegen würden laut fragen, ob der Zeichner heut schon seine Pillen genommen hat.

Demütigen, auflaufen lassen, Zeit stehlen


Im Kapitel WIE MAN SEINEN KOLLEGEN DAVON ÜBERZEUGT, DASS MAN ERNST NIMMT, WAS ER SAGT geht’s schon stark in die Richtung: „Wie verarsche ich auf möglichst gemeine Art meine Mitmenschen“. Vielleicht ist es witzig gemeint, vielleicht auch nicht. Ich mag mir nicht mal aus Jux vorstellen, wie ich einen Kollegen demütige, auflaufen lasse oder auch nur seine und meine Zeit verschwende.

Amüsante Illustrationen


„Wenn Sie zur richtigen Zeit den richtigen Gesichtsausdruck bringen, stechen Sie damit heraus und erzeugen die Illusion, dass Sie tatsächlich wissen, worum es geht“ (Seite 46), schreibt Sarah Cooper zum Thema „Emotionale Intelligenz“. Im Kapitel WAS MAN MIT SEINEM GESICHT MACHT findet man 21 amüsante Illustrationen mit den entsprechenden Interpretation. Zeichnen kann sie! Das ist nett und unterhaltsam, hat aber keinen großen Informationswert.

WIE MAN AM TELEFON SCHLAU KLINGT ist für die LeserInnen spannend, die mit Telefonkonferenzen zu tun haben. Die Tipps für Frauen bezüglich MEETINGS IN EINER VON MÄNNERN DOMINIERTEN WELT sind hoffentlich nicht ernst gemeint. Zu dem Thema habe ich von der Autorin im Internet schon deutlich zielführendere Äußerungen gelesen.

WIE MAN ÜBERRASCHENDEN MEETINGS WIE EIN NINJA BEGEGNET gibt detaillierte Anweisungen, wie man sich wie ein arroganter Mistkerl/ein arrogantes Miststück benimmt. Ist es irgendwie lustig, überlastete Kollegen wieder und wieder sinnlose Daten erheben zu lassen, nur weil man das kann? Vielleicht gefällt das den Fans von TV-Serien wie „Stromberg“. Mir gefällt’s nicht.

Bauernschlaue Präsentations-Tricks


WIE MAN DEN GROSSEN WURF MACHT, OHNE VIEL ZU SAGEN ist da schon deutlich sympathischer. Kleine Tricks, wie man seine Präsentation aufpeppt und auch dann noch eine gute Figur macht, wenn man nicht ausreichend vorbereitet ist. Manches ist so herrlich bauernschlau wie der Trick #56 „Überspringen Sie mehrere Folien“. 😀 Das wird nur dann peinlich, wenn man auf einen anderen Leser dieses Buchs trifft, der Trick #8 kennt: „Bitten Sie die Person, die die Präsentation hält, eine Folie zurückzugehen“.

Professionelle Tipps zum Schaumschlagen gibt’s in dem Kapitel WIE MAN ALS KREATIVE KRAFT IM TEAM WAHRGENOMMEN WIRD. Klappt natürlich nicht in Kreativ-Berufen, in denen man die Ideen auch wirklich liefern, ausarbeiten und zu einem messbaren Erfolg führen muss.

Das Kapitel WIE MAN VERBINDUNGEN MIT LEUTEN KNÜPFT, DENEN MAN NIE WIEDER BEGEGNEN WIRD gibt mehr oder weniger fiese Tipps, die Besucher eines Networking-Events zu veräppeln. Da habe ich mich gefragt, warum man überhaupt hingeht, wenn man sich nichts davon verspricht. Nur um sich über andere Leute lustig zu machen? Da kann ich mir Spaßigeres vorstellen. Außerdem gibt’s noch ein paar brauchbare Tipps, wie man sich erfolgreich durch Teambildung-Events heuchelt und wie man Geschäftsessen ohne größere Blamagen überlebt.

Nicht meine Art von Humor


Hm, was soll ich sagen? Ich bin durch mein Arbeitsleben zwar sehr amerikanisiert, aber das ist einfach nicht meine Art von Humor. Und irgendwie kann das Werk sich nicht entscheiden, ob es ein Ratgeber oder eine Parodie sein will. Da lese ich doch lieber ein Buch mit Dilbert-Cartoons. Scott Adams nimmt darin die Arbeitswelt auf bitterböse Weise aufs Korn, ohne dass man das Gefühl hat, man müsse das nachmachen, um erfolgreich zu sein.

Die Autorin
Sarah Cooper ist eine amerikanische Bloggerin, Comedian und Schauspielerin. Sie ist in wirklich jedem Meeting, das sie bisher hatte, klug rübergekommen. Als sie für Yahoo! und Google arbeitete, fing sie an, diese Tricks aufzuschreiben. Bald danach startete sie ihren satirischen Blog TheCooperReview.com. Sarah lebt mit ihrem Mann Jeff in San Francisco. Wenn sie sich nicht gerade über alles lustig macht, schaut sie gerne Stand-up-Comedy, hört Rock aus den Neunzigern und genießt sonnige und wolkige Tage gleichermaßen.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

http://www.boxmail.de

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