Post-Possen

Seit ich vor vier Monaten umgezogen bin, bin ich, wie ich schon erzählt habe, ständig auf der Suche nach meiner Post. Irgendwie scheint die Zahl ihrer möglichen Aufenthaltsorte stetig zu steigen. Ich finde sie entweder

  • in der Postbox im Eingangsbereich meines Hauses
  • oder in der Garage (Pakete)
  • oder bei meinem Cousin, der im Haus nebenan wohnt
  • oder in meinem Postfach am alten Wohnort
  • oder in der alten Wohnung. Da informiert mich dann mein dortiger Nachbar, der auch den Werbekrams aus dem Briefkasten fischt und fachgerecht entsorgt.
  • Oder – und das ist neu – in der Postagentur am neuen Wohnort.

Und da wird die Sache nun langsam kompliziert. Dass wir seit kurzem an meinem jetzigen Wohnort einen neuen Paketzusteller haben, macht es nicht einfacher. Sein Vorgänger wusste schon: Pakete in die Garage oder nebenan zum Cousin. Der Neue schmeißt Benachrichtigungszettel in den Kasten und nimmt die Pakete wieder mit. Oder so ähnlich. So ganz genau haben wir das System nämlich noch nicht durchschaut.

Büchersendung bitte in der Agentur abholen


Als ich am Donnerstag von der Arbeit kam, lag ein Benachrichtigungsschein in meiner heimischen Postbox. „Büchersendung bitte bei der Postagentur D. in D. abholen.“
Das konnte eigentlich nur das angekündigte Buch von Callwey sein. Das ist ein bisschen sperrig und sie verpacken es auch gern so, dass es selbst den Abwurf aus einem Hubschrauber heil überstehen würde. Es war dem Postler vermutlich zu riskant, das Teil irgendwo abzulegen. Na gut, okay.

Da bin ich also am Freitag auf dem Heimweg von der Arbeit (alles per ÖPNV) an meinem alten Wohnort Nellingen ausgestiegen und dort auf die Postagentur gegangen um mein Postfach zu leeren. Dann bin ich mit dem Bus nach D. weitergegurkt, habe die Fahrt am Rathaus unterbrochen und bin in die Postagentur D. reingelatscht.

Ach Gott, das Chaos vom Donnerstag!


Die Dame am Postschalter verdrehte schon die Augen, als ich mit meinem Benachrichtigungszettel daherkam.
„Ach Gott – noch mal jemand wegen dem Chaos von gestern!“
„Chaos?“
„Ja. Der Fahrer hat überall Benachrichtigungskarten eingeworfen aber keine Sendungen zurückgebracht. Keine Ahnung, wo er mit dem Zeug hin ist. Hier ist jedenfalls nix. Ihr Paket auch nicht. Erst hab ich ewig hinter ihm her telefoniert, und als ich ihn endlich erreicht hab, hat er mich nicht verstanden. Er kann halt nicht gut genug Deutsch.“

Ja, ich verstehe, dass das kein Superjob ist und dass man auch manchmal Personal akzeptieren muss, das nicht so perfekt geeignet ist. Mit dem Hermes-Zusteller kann ich mich auch nur auf Englisch verständigen.

Wenn die Sendung auftaucht, rufen wir an


Wir sind jedenfalls so verblieben, dass ich meine Handynummer hinterlasse und die Dame von der Postagentur mich anruft, sobald das Paket aufgetaucht ist. Also bin ich unverrichteter Dinge nach Hause marschiert. Die Postagentur ist zwar luftlinienmäßig nur 700 Meter von meinem Zuhause entfernt, aber es geht die ganze Zeit ziemlich steil bergauf. Die Vorstellung, der Postler lädt 20 kg Katzenfutter bei der Agentur drunten ab und ich muss das den Berg hochzerren – nein, danke!

Zuhause angekommen, schau ich in meine Garage. Und was liegt da? Die angekündigte Büchersendung von Callwey!

Fein, dachte ich, rufe ich morgen bei der Agentur D. an und sage, dass das Ding aufgetaucht ist und sie nicht mehr suchen müssen.

„Ich hab Ihr Päckchen! – „Ich auch.“


Am Samstag in der Früh – ich war gerade im Nachbarort beim Einkaufen – klingelt mein Handy. Am Apparat die Postagentur D. „Wir haben Ihre Büchersendung!“
„Kann irgendwie nicht sein, die lag gestern Abend bei mir in der Garage.“
„Aber wir haben auch eine.“
„Gut, ich komm’.“

Mit dem Bus heimgefahren, Einkäufe aufgeräumt, wieder ins Dorf runtergelatscht. Büchersendung von dtv in Empfang genommen.

Ich hatte den Paketaufkleber der Callwey-Sendung mit dabei. „Können Sie feststellen, welche von beiden nun die Sendung ist, die zur Benachrichtigung gehört?“
„Nein, das geht aus den Informationen leider nicht hervor.“
„Na, gut. Wenn das hier immer so ein Geschiss ist, sehen wir uns öfter. Nebel mein Name. Das mit den Büchern ist nämlich mein Beruf.“
„Kein Problem. Wir sind ja da.“

Lauftraining und Garagenvertrag


Betrachten wir es als Training. Wenn die Post weiter so umeinanderschlampert und ich dauernd zur Agentur runter muss, werde ich den Berg vielleicht bald ohne Verschnaufpause nach oben schaffen. Als Kind bin ich die Strecke problemlos mehrmals am Tag gegangen, aber das ist halt schon mehr als 50 Jahre her.

Nun gut.
Die Paketpost am Samstag Nachmittag hat mir dann eine weitere Sendung gebracht, schön in die Postbox vorm Haus gelegt – zusammen mit der Benachrichtigungskarte für die Büchersendung, die am Freitag an die Agentur zurückging. Nehme ich mal an. Keine Sau hat mehr einen Überblick, welche Karte zu welchem Paket gehört.

Ich habe jetzt online mit der Paketpost einen Garagenvertrag abgeschlossen. Das Passwort schicken sie mir dann.

Per Post.
Das wird wieder ein Spaß!
Ich werde berichten.

Foto: (c) Annamartha / pixelio.de

Foto: (c) Annamartha / www.pixelio.de

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