Jürgen Seibold: Endlich Endzeit – Baden-Württemberg-Krimi

Jürgen Seibold: Endlich Endzeit – Baden-Württemberg-Krimi, Der 6. Fall für Ernst und Schneider, Tübingen 2012, Silberburg-Verlag, ISBN 978-3-8425-1215-3, Softcover, 222 Seiten, Format: 18,8 x 12 x 1,8 cm, Buch: EUR 9,90, Kindle Edition: EUR 7,99.

Abbildung: (c) Silberburg-Verlag
Abbildung: (c) Silberburg-Verlag

„Und wenn sie dann am zweiundzwanzigsten Dezember aufwachen und merken, dass die Welt nicht untergegangen ist und sie noch immer im arschkalten Winter im Schwäbischen Wald hocken, dann werden sie sich schon trollen.“ (Seite 27)

Dezember 2012: Den Kriminalhauptkommissaren Rainer Ernst und Klaus Schneider wäre jetzt nach geruhsamen Feiertagen mit ihren Familien zumute, aber das Verbrechen macht keine Weihnachtsferien. Seit sich Manfred Meier aus Welzheim als Guru unterwegs ist, unter dem Namen Xumucane k-p’eñal esoterische Bücher über die Maya schreibt und, wie viele andere, für den 21. Dezember den Weltuntergang prophezeit, wimmelt es am Ebnisee vor Spinnern. Sie reisen aus allen Gegenden Deutschlands an, kampieren in einem Zeltlager am See und bereiten sich auf das Ende der Welt vor.

Für einen von ihnen kommt das Ende schon am Tag nach Nikolaus: Druckereibesitzer und Gemeinderat Hansjochen Röhm, 52, aus Gschwend liegt tot mitten im Lagerfeuer, erstochen mit einer Eisenstange, die stapelweise auf dem Zeltlager-Gelände herumliegen. Gefunden hat den Toten ein Jäger. Was wollte er dort? Die Geschichte, die er den Polizisten auftischt, ist reichlich dünn.

Guru Xamucane Meier gerät ins Visier der Ermittler. Er hatte Schulden bei dem Toten. Es sind aber noch viele Fragen offen. Wer war die Frau, die sich laut Auskunft der Kriminaltechnik am Tatort aufgehalten haben muss? Und wo ist Meiers Mann fürs Grobe, Arnie Weißknecht? Ein Alibi scheint re zu haben, aber die Kripo würde schon gern mit ihm reden. Doch Arnie – Typ „Riese mit beschränkter Auffassungsgabe“ bleibt verschwunden.

Meiers Weltuntergangsjünger, allesamt gut situiert und mittleren Alters, sind nicht sehr kooperativ. Zu ihrer Wortführerin schwingt sich die Geschäftsfrau Carola Kristensen aus Bremerhaven auf. Sie sorgt dafür, dass keiner aus der Gruppe der Polizei Auskunft gibt.

Wenn die Endzeit-Gläubigen nicht mit der Polizei reden wollen, dann vielleicht mit ihresgleichen? Die Kripo schleust Susanne Beyer, eine Polizistin aus Schwäbisch Hall unter falschem Namen in die Gruppe ein. Auch Privatdetektiv Edmund „Sam“ Schauffler hat sich aus beruflichen Gründen inkognito unter die Maya-Fans gemischt. Ferner schleicht Sensations-Reporter Ferry Hasselmann ums Gelände. Keiner weiß vom anderen. Alle drei haben die Aufklärung des Mordfalls im Sinn, verschwenden aber viel Zeit und Energie damit, sich gegenseitig zu belauern. Dabei wäre es viel interessanter herauszufinden, was Christa Häbele, eine Bekannte von Guru Meier und eine gute Freundin von Arnie Weißknecht so alles weiß. Interessant ist schon mal ihre Aussage, dass Manfred Xumucane Meyer kein Wort von dem glaubt, was er predigt.

Die Aufklärung des Falles ist plausibel, auch wenn der Leser, genau wie die Polizei, in eine ganz andere Richtung denkt und zunächst weder Täter noch Motiv auf dem Schirm hat. Der Schluss ist absolut schockierend! Und die abschließende Danksagung des Autors beunruhigt den Leser noch zusätzlich. Ich habe das Buch zugeklappt und sofort im Katalog des Silberburg-Verlags nachgeschaut, ob es noch weitere Bände der Reihe gibt …

Man muss die Gegend um den Ebnisee nicht kennen, der Geschichte folgen zu können. Es ist auch nicht zwingend notwendig, die vorigen 5 Bände der Reihe gelesen zu haben, obwohl man schon merkt, dass die Personen eine lange gemeinsame Vorgeschichte haben. Schwäbischkenntnisse wären allerdings von Vorteil, weil ein paar kauzige Nebenfiguren wie die neugierige Nachbarin, Christas Vermieter oder die Wirtin vom Schwobastüble, bei der Meiers Maya-Jünger speisen, doch an grottabroita Dialekt schwätzet. Die sollte man schon verstehen können, sonst entgeht einem der eine oder andere Gag.

Nett ist, wie der Assistent des Gurus um die Bewirtungskosten feilscht. Die Widersinnigkeit dieses Tun fällt ihm nicht einmal auf. Und wenn die Welt untergeht: Der Schwabe denkt ans Sparen.

Rasend viel Action darf man von diesem Krimi nicht erwarten. Er lebt eher vom komplexen Beziehungsgeflecht der Figuren und vom exakten Beobachten. Was ein bisschen bemüht wirkt, ist die Wahl einiger Personennamen. Die temperamentvolle rothaarige Gerichtsmedizinierin heißt Zora Wilde. Die wilde rote Zora! Der Ethnologe und Zeitrechnungs-Experte heißt Haab wie der Haab-Kalender der Maya, der IT-Spezialist trägt den Namen Nerdhaas, der engagierte Jäger heißt Heger, der Guru ist der Maya-Meier und der Privatdetektiv heißt in Anlehnung an Sam Spade aus dem Bogart-Film DIE SPUR DES FALKEN Sam Schauffler. Wenn sich solche Scherze häufen, wird die Geschichte dadurch etwas ins Lächerliche gezogen. Dabei ist ENDLICH ENDZEIT doch gar nicht als Provinzposse angelegt sondern als ernsthafter Kriminalroman, der einen genauen und manchmal auch humorvollen Blick auf die Menschen wirft. Da braucht’s keine veralbernden Personennamen.

Der Autor
Jürgen Seibold, 1960 geboren und mit Frau und Kindern im Rems-Murr-Kreis zu Hause, ist gelernter Journalist und arbeitet als Buchautor.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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