Stephen Green-Armytage: Verrückte Hühner. Bildband

Stephen Green-Armytage: Verrückte Hühner. Extravagantes Rasselgeflügel aus aller Welt, OT: Extraordinary Chickens, Deutsch von Thomas Hellmann, Reutlingen 2007, Oertel + Spörer, ISBN 978-3-88627-541-0, Hardcover mit Schutzumschlag, 112 Seiten, 179 Aufnahmen, davon 176 farbig, Format: 6,2 x 23,6 x 1,6 cm, EUR 14,95.

Abbildung: (c) Oertel + Spörer
Abbildung: (c) Oertel + Spörer

Ein Bildband über Hühner? Echt jetzt? Es gibt Hähne und Hennen in weiß und in braun. Wie sollen Fotos davon ein ganzes Buch füllen? Des Rätsels Lösung: Rassehühner! Da gibt es die exotischsten Exemplare. Nur findet man die eben nicht beim Bauern oder auf Geflügelfarmen, sondern in der Obhut von Hobbyzüchtern. Bei diesen Tieren geht’s auch nicht primär um Legeleistung und Fleisch, sondern um die rassetypische Schönheit.

Es gibt ranke, schlanke und bullige Kampfhühner, deren Anblick auch die allerletzten Zweifler davon überzeugen würde, dass Vögel von Dinosauriern abstammen. Es gibt Seidenhühner, deren Federn wie Fell aussehen und die wie eine geflügelte Miniaturversion des haarigen Kopiloten Chewbacca aus STAR WARS daherkommen. Es gibt Hühner mit Hauben und solche mit gelockten Federn, winzige Zwerghühner und riesige Malaien, Nackthalshühner, die eine Ähnlichkeit mit Truthähnen haben, und elegante Hühner mit kontrastfarbig gesäumten oder gebänderten Federn. Das gibt traumhafte Muster, gesprenkelt, getupft, gestreift oder wie Fichtenzapfen geschuppt.

Abbildung: (c) Oertel + Spörer
Abbildung: (c) Oertel + Spörer

Es gibt Gockel und Hennen mit Schöpfen, Bommeln, Bärten und Latschen ( = befiederte Läufe und Zehen) und mit wunderlich geformten Läufen, Füßen und Sporen. Das Zwerg-Holländer Haubenhuhn hat eine Frisur wie die Fernsehansagerinnen der 1960er-Jahre und der Onagadori-Hahn besitzt bis zu drei Meter lange Schwanzfedern. Wer meint, genau zu wissen, wie ein Hahnenkamm aussieht, hat vermutlich noch nie einen Gockel mit Rosen- oder Hörnerkamm gesehen.

Abbildung: (c) Oertel + Spörer
Abbildung: (c) Oertel + Spörer

Es ist unfassbar, was es bei Hühnern für eine Formenvielfalt gibt! Es gibt niedliche, imposante, staunenswerte und regelrecht gruselige Rassen. Bei manchen Exemplaren würde man gar nicht glauben, dass es sich dabei überhaupt um Hühner handelt, so weit sind sie in ihrem Erscheinungsbild von dem entfernt, was wir kennen. Der gelockte Zwerg-Paduaner (Seite 103) sieht aus wie ein Tannenbäumchen auf Füßen, und das erste Seidenhuhn, das ich als Kind gesehen habe, habe ich für eine Art Alien gehalten. Wer sich die Tiere auf den Seiten 8 und 104 anschaut, kann das vielleicht nachvollziehen. Auch das Sultanhuhn würde man nicht spontan für ein Huhn halten. Auf dem Foto (Seite 94) sieht es eher aus wie eine Taube mit Mütze und Schneeschuhen.

Das Buch ist nicht als Lehrbuch oder wissenschaftliches Nachschlagewerk zu verstehen. Es ist ein Bildband mit ein paar grundlegenden Informationen. So gibt es sein Abriss über die Geschichte der Geflügelzucht sowie Kurzporträts wichtiger Hühnerrassen (Seite 39 bis 52). Von den „Appenzeller Spitzhauben“ bis zu den „Yokohama“-Hühnern werden rund 50 Rassen vorgestellt.

Entstanden ist das Projekt VERRÜCKTE HÜHNER aus Auftragsarbeit für das LIFE-Magazin. Nachdem Stephen Green-Armytage für eine Artikelreihe in der Zeitschrift schon Rassehunde, -katzen und –kaninchen fotografiert hatte, waren irgendwann die Rassehühner an der Reihe. Green-Armytage bekam wesentlich mehr tolle Fotos zusammen als in dem Artikel Platz fanden, und sein Verlag sah spontan Potenzial für einen schön aufgemachten Bildband. Also zog der Fotograf los und nahm in Europa und den USA noch weitere Rassehühner auf. Dabei ging es ihm stets darum, die besonderen Merkmale der Rasse ins Bild zu setzen.

Da er kein ausgewiesener Hühner-Experte ist, sind manche ausgewählte Hühnermodels vielleicht nicht die perfekten Vertreter ihrer Rasse. Im Vorwort schreibt er: „Einige mit der Materie vertrauten Leser werden daher vielleicht enttäuscht sein, dass ihre Lieblingsrasse nicht im Idealzustand abgebildet ist – hierfür möchte ich mich aufrichtig entschuldigen.“ (Seite 26) Interessierte Laien bringt das Buch auf jeden Fall zum Staunen, auch wenn nicht jeder Kamm und jedes Federchen den geltenden Rassestandards der Zuchtverbände entsprechen. „Ziel des Buches ist es, auf Fotos die Schönheit und Vielfalt der Rassehühner zu zeigen, besonders der für Ausstellungen gezüchteten Rassen“, schreibt der Autor/Fotograf (Seite 25). Das ist ihm auf jeden Fall auf faszinierende und unterhaltsame Weise geglückt.

Der Fotograf/Autor
Die Fotos des britischen Fotografen Stephen Green-Armytage wurden in zahlreichen Magazinen und Büchern veröffentlicht, unter anderem in Sports Illustrated, LIFE, Fortune, Smithsonian, Good Housekeeping und in verschiedenen europäischen Magazinen. Er lebt in New York.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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