Uwe Zellmer, Bernd Hurm (Hrsg.): Schwäbische Weihnacht. „A jesesmäßige Freud“

Uwe Zellmer, Bernd Hurm (Hrsg.): Schwäbische Weihnacht. „A jesesmäßige Freud“, Reutlingen 2014, Oertel + Spörer, ISBN 978-3-88627-925-8, Harcover, 135 Seiten, ca. 60 farbige Abbildungen, Format: 20,7 x 1,7 x 20,8 cm, EUR 19,95 (D), EUR 20,80 (A), sFr 28,50.

Abbildung © Oertel + Spoerer
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SCHWÄBISCHE WEIHNACHT – da denkt man in Verbindung mit dem Untertitel an traditionelle und moderne Texte in Mundart. Das ist dieses Buch nicht. Oder nur zu einem geringen Teil. Es ist vielmehr eine Sammlung von Geschichten und Gedichten zu den Themen Winter und Weihnachten von Autoren, von denen einige einen Bezug zu Baden-Württemberg haben. Zu jedem Beitrag gibt es ein meist ganzseitiges, stimmungsvolles Foto einer Winterlandschaft.

Abbildung © Oertel + Spoerer
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Im Dialekt schreibt fast nur nur Sebastian Blau (1901 – 1986), und das deftig! Da muss selbst jemand, der im schwäbischen Sprachraum aufgewachsen ist, manchmal eine Suchmaschine bemühen:

„Dr süffigst Most, der suäßest Wei’
wuud räß und lauft em Alter konig.
Mo ist der ferndig Schnai?“ (Seite 116)

„Ferndig“ ist „vom vergangenen Jahr“. Aber „konig“? Ich hab’s nicht herausgefunden.

Darüberhinaus gibt es kaum Verständnisschwierigkeiten. Die meisten anderen Autoren schreiben ihre Verse und Prosatexte auf Hochdeutsch: Eduard Mörike, Friedrich Hölderlin, Gustav Schwab, Christan Friedrich David Schubart, Ludwig Uhland, Bertolt Brecht, Friedrich Schiller und viele andere mehr. Sie bedichten und beschreiben stille Wintertage, den Schnee, Einsamkeit und Zweisamkeit, das Weihnachtsfest und die Zeit der Jahreswende. Es geht um Erwartung, Hoffnung und um das sich abzeichnende Wiedererwachen der Natur.

Amüsant ist Manfred Hepperles modernisierte und etwas rustikalere Variante von Manfred Schwabs „Der Reiter vom Bodensee“. Manchmal holpern die Verse bei Hepperle ein bisschen, aber er lässt wenigstens den armen Reiter am Leben. 😉 Beide Gedichte stehen im Buch unmittelbar hintereinander. So hat der Leser den direkten Vergleich. (Seite 36/37 und 38/39)

Nachdenkliches und Melancholisches steht neben Witzigem und Skurrilem. Das Bratapfel-Gedicht von Emily und Fritz Kögel dürfte auch Kinder ansprechen. Die übrigen Beiträge sind für Kids zu anspruchsvoll – es ei denn, sie verstünden Schwäbisch, dann könnten sie vielleicht etwas mit den volksnahen und bildhaften Versen von Sebastian Blau anfangen. Man müsste sie ihnen aber schon vorlesen. Mundartliche Texte zu lesen ist nicht ganz einfach.

Das sich der Themenbereich im engen Rahmen „Winter“ bewegt, haben manche Beiträge ähnliche oder gar gleiche Titel. Und da ist es interessant zu sehen, was von Robert Walser, Ludwig Uhland und Thomas Mann unter dem Titel „Schnee“ kommt, wie Friedrich Hölderlin und Sebastian Blau den „Winter“ bedichten, was Eduard Mörike und Bertolt Brecht zum Thema „Die gute Nacht“ schreiben und was die Hölderlin und Friedrich Schiller zum Thema „Hoffnung“ zu sagen haben.

Dieses Buch ist sozusagen die gedruckte Umsetzung des vergnügt-besinnlichen Weihnachtsprogramms „Schwäbische Weihnacht“, das die beiden Herausgeber, Bernhard Hurm und Uwe Zellmer seit Jahren im Theater Lindenhof in Burladingen spielen.

Es ist sicher ein besonderes Erlebnis, ausgewählte Texte aus dem Band von erfahrenen Sprechern gekonnt vorgetragen zu bekommen. Wenn es das Programm noch gibt, ist dieses Buch vielleicht für den einen oder anderen Leser aus der Region eine Anregung, das Theater Lindenhof zur Weihnachtszeit einmal zu besuchen.

Die Herausgeber
Bernhard Hurm ist in Tübingen geboren. Er gründete das Theater Lindenhof im Jahr 1981 mit und ist als Theatermacher, Schauspieler und Theaterleiter tätig.
Uwe Zellmer wuchs in Giengen und Heidenheim auf. In München und Tübingen studierte er Germanistik und Sport. 1981 war er Mitbegründer des Theaters Lindenhof, dessen Intendant er –gemeinsam mit Bernhard Hurm – 1993 wurde. Seit 2001 ist er Präsident des Theaters. Seit 1983 sind Bernhard Hurm und Uwe Zellmer als Humoristen und Entertainer in Sachen Schwabenkunde unterwegs. Beide erhielten 2004 die Verdienstmedaille des Landes und 2011 den Uhland-Preis.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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