Anne Fine, Axel Scheffler: Tagebuch einer Killerkatze (6 – 8 Jahre)

Anne Fine (Text), Axel Scheffler (Illustrationen): Tagebuch einer Killerkatze, OT: The Diary of a Killer Cat, aus dem Englischen von Barbara Heller, Frankfurt am Main 2015, Moritz Verlag, ISBN 978-3-89565-298-1, Hardcover, 61 Seiten mit 28 farbigen Abbildungen, Format: 15,6 x 1,2 x 22 cm, EUR 9,95 [D] , EUR 10,30 [A].

Abbildung: (c) Moritz-Verlag
Abbildung: (c) Moritz-Verlag

Ja, wenn Kinderbücher in Großbritannien sooooo konzipiert sind, dann ist ja klar, woher die Briten ihren schwarzen Humor haben: Den erwerben sie schon, kaum dass sie lesen können! 😉

Im Ernst jetzt: Die Geschichte ist für Erwachsene brüllkomisch, aber übelst makaber. Ich würde dieses Büchlein auf gar keinen Fall einem Grundschüler in die Hand drücken.

Es geht um die Katze Kuschel. Sie gehört der kleinen Ellie und ist eine typische Freigängerin. Kuschel buddelt Löcher in Blumenbeete und fängt Vögel und Mäuse, die sie auch gern mal durch die Katzenklappe ins Haus bringt. In ihren Augen ist das ganz normal. „Du lieber Himmel, ich bin nun mal eine Katze! Es ist sozusagen mein Job, durch den Garten zu schleichen und den süßen, schnuckeligen kleinen Piepmätzen aufzulauern (…).“ (Seite 9) Ihre Menschen sehen das freilich anders. Ellie weint, wenn Kuschel wieder Beute mit nach Hause bringt, ihre Eltern meckern und die Tierleichen werden feierlich im Garten begraben.

Als Kuschel eines Tages einen toten Stallhasen durch die Katzenklappe zerrt, ist das Entsetzen der Familie groß: Das ist doch Hoppel von den Nachbarn nebenan! Den kann man nicht einfach heimlich im Garten verbuddeln. Das könnten die ja sehen!
„Was machen wir denn jetzt?“
„Das ist ja schrecklich! Die reden nie mehr ein Wort mit uns!“
„Wir müssen uns etwas einfallen lassen.“ (Seite 24)
Und so geschieht es. Der Plan, den Kuschels Menschen unverzüglich in die Tat umsetzen, ist ebenso abartig wie genial. Nur das Ergebnis ihrer Bemühungen ist nicht ganz so, wie sie sich das vorgestellt haben …

Dass Ellies Eltern am Schluss der nicht vor Lachen zusammengebrochen sind, hat mich doch sehr erstaunt. Ich war die ganze Zeit am Grinsen und am Kichern – und das, obwohl ich den Verlauf der Ereignisse schon kannte. Die Geschichte aus der Perspektive der irritierten Hauskatze Kuschel zu erzählen, ist einfach klasse!

Aber ob Kinder diese Art von schwarzem Humor verstehen? Was denken sie sich, wenn Katze Kuschel Sprüche klopft wie „Okay, okay, hängt mich ruhig auf!“ (Seite 9) oder „Nur zu, schlagt mich ruhig!“ (Seite 17). Ist ihnen denn klar, dass das eine Form von Ironie ist? Ich würde mich nicht darauf verlassen und das Buch lieber erwachsenen Katzenfreunden schenken, vorzugsweise solchen mit Freigängerkatze(n).

Das englische Original THE DIARY OF A KILLER KAT ist bereits 1994 in London erschienen, damals mit Illustrationen von Steve Cox. Die deutsche Ausgabe hat nun der „Grüffelo“-Illustrator Axel Scheffler bebildert.

Die Autorin
Anne Fine wurde 1947 in Leicester, England, geboren. Sie hat über 50 Kinderbücher geschrieben, dazu Romane für Erwachsene. Sie sagt: „Ich mag lustige Bücher. Ich schreibe für die Leserin in mehr selbst und ende immer bei der Art Buch, die ich selbst gern gelesen hätte.“

Der Illustrator
Axel Scheffler wurde 1957 in Hamburg geboren und lebt seit seinem Grafikstudium in England. Mit DER GRÜFFELO wurde er zu einem der erfolgreichsten Bilderbuchillustratoren weltweit.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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