Mara Grunbaum: Liebe Evolution, ist das dein Ernst?!

Mara Grunbaum: Liebe Evolution, ist das dein Ernst?! OT: WTF, Evolution?!, aus dem amerikanischen Englisch von Antonia Zauner, München 2015, Knaur Taschenbuch, ISBN 978-3-426-78703-8, Softcover, mit zahlreichen farbigen Abbildungen, 266 Seiten, Format: 13,9 x 2 x 18 cm, Buch: EUR 9,99, Kindle Edition: EUR 9,99.

Abbildung: (c) Knaur-Verlag
Abbildung: (c) Knaur-Verlag

Ursprünglich hat sich Mara Grunbaum in einem Blog über merkwürdige Tiere und die Evolution lustig gemacht: http://wtfevolution.tumblr.com/. Irgendwann wurde ein Buch daraus. Auch wenn die Gestaltung des Covers an ein Fotoalbum angelehnt ist, schreit der bildlastige Inhalt mit seinem Mix an Schriftschnitten, -graden und –farben ganz laut INTERNET!!! Wahnsinnig tiefschürfende Informationen sollte man hier also nicht erwarten. Es ist ein modern aufgemachtes Kuriositätenkabinett der Natur mit unterhaltsamem Text und ein paar Informationshappen.

Mara Grunbaum zieht das Ganze als lockeres Gespräch mit der Evolution auf, als sei diese eine Person, die ihren Job schon sehr, sehr lange macht. Genauer gesagt 3,8 Milliarden Jahre. Im Laufe ihrer Karriere hat sie – die Evolution – schon eine Menge Rückschläge erleiden müssen. Manchmal ist sie lustlos oder frustriert, mit dem Kopf nicht bei der Sache oder in Blödellaune. Und gelegentlich hat sie, was wir wohl alle nachvollziehen können, eine regelrechte Sinnkrise:
„Es waren Milliarden von Jahren. Ich langweile mich wie jeder andere auch. Und wenn sich ohnehin alles ständig ändert und das Ganze sowieso etwas sinnlos ist, warum sollte ich dann nicht machen, worauf ich gerade Lust habe?“ (Seite 244) Das erklärt natürlich manches! 😉

Mara Grunbaum will trotzdem ganz genau wissen, was die Evolution sich bei ihren diversen Sperenzchen gedacht hat und hakt nach: Warum hat das Steppenzebra ein spezielles Riechorgan im Gaumen? Das ist doch unpraktisch und zwingt das Tier zu albernen Grimassen! Und sind die Verteidigungsmechanismen des Spanischen Rippenmolchs und der Vierhorn-Krötenechse nicht ein bissen sehr abartig geraten? Das ist ja gruselig! Wäre es nicht auch anders gegangen? Warum schaut die Nasenmuräne wie eine Sockenpuppe aus und ein Tiefseewurm mit einem unaussprechlichen lateinischen Namen wie ein schwebender Allerwertester mit Genitalien? Und die Blindwühle, eine Lurchart, erinnert doch sehr an einen … ach, schaut am besten selber!

Abbildung: (c) Knaur Verlag
Abbildung: (c) Knaur Verlag

Die Antworten der Evolution sind unterhaltsam aber nicht immer ausführlich genug, um überzeugend zu sein. Manches hat sich eben durch Mutation/Selektion so entwickelt. Außerdem muss nicht alles auf der Welt unsere menschlichen Kriterien von Schönheit und Zweckmäßigkeit erfüllen.

Wie die Viecher auch aussehen mögen, die Evolution ist stolz auf sie. (Okay: auf die meisten. Bei manchen Lebewesen hat sie geschludert und nach der Devise gearbeitet: Passt schon!)
Als besonders gelungen betrachtet sie zum Beispiel die Elefantenrüsselmuschel, den Pazifik-Schleimaal und die Seepocke. Als Leser wird man das Gefühl nicht los, dass die gute Evolution über ein gerüttelt Maß an schwarzem Humor verfügt.

Mitnichten betrachtet sie im übrigen den Menschen als ihr Meisterstück. Da sind ihr ganz andere Prachtexemplare geglückt. Der Plumplori, zum Beispiel, eines der wenigen niedlichen Lebewesen in dem Buch:
„Guck mal, ich hab einen giftigen Primaten geschaffen.“
„Oh, wow. Das ist mal was Neues.“
„Rat mal, wo ich das Gift hingetan habe.“
(…) „Ich hab keine Ahnung, Evolution. Wohin denn?“
„In die Armbeugen.“
„Wie bitte?“
„Das wird alle kalt erwischen.“ (Seite 32)

So versteckt sich zwischen all den deftigen Albernheiten doch die eine oder andere Information.

Wer nicht nur kichern, sich wundern und sich gruseln möchte, sondern mehr über die eine oder andere hier vorgestellte Tierart wissen will, findet im Anhang eine Auflistung der im Buch porträtierten Lebewesen, jeweils mit wissenschaftlichem Namen, Lebensraum und dem Erhaltungszustand nach der „Roten Liste der gefährdeten Arten“. Von da aus kann man weiter recherchieren.

LIEBE EVOLUTION, IST DAS DEIN ERNST!? ist amüsanter Unfug, der dem Leser hie und da unbemerkt ein bisschen Wissen unterjubelt. Ich werde mir gleich noch ein Exemplar zum Verschenken nachkaufen. Möglicherweise ist es witziger, Mara Grunbaums Blog zu lesen. Wer im Englischen fit genug ist, kann das ja mal ausprobieren.

Ob wohl außer mir noch jemand angesichts des Fotos auf Seite 266 an die übertrieben aufgespritzten Lippen mancher Künstlerinnen und It-Girls denken muss …?

Die Autorin
Mara Grunbaum studierte Gesundheits- und Umweltwissenschaften an der New York University und arbeitet als Wissenschaftsjournalistin u.a. für die Magazine Popular Science und Discover magazine. Sie atmet, lebt und gedeiht in Brooklyn, New York.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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