Edelgard Seggewiße, Hans-Peter Wymann: Schmetterlinge entdecken, beobachten, bestimmen

Edelgard Seggewiße, Hans-Peter Wymann: Schmetterlinge entdecken, beobachten, bestimmen. Die häufigsten tagaktiven Arten Mitteleuropas, Bern 2015, Haupt Verlag, ISBN 978-3-258-07891-5, Hardcover, 369 Seiten, 480 wissenschaftliche Zeichnungen, 145 Farbfotos, Format: 14,6 x 2,5 x 21,6 cm, EUR 29,90 (D), EUR 30,80 (A), CHF 35,90 (CH, UVP)

Foto: (c) Haupt Verlag
Foto: (c) Haupt Verlag

Tagpfauenauge, Schwalbenschwanz, Trauermantel … das dürften so ungefähr die Schmetterlinge sein, die man als Laie zweifelsfrei identifizieren kann. Sieht man einen weißen Falter flattern, denkt man an einen Kohlweißling, alle gelben hält man automatisch für Zitronenfalter. Wenn’s doch nur so einfach wäre!

Russischer Bär, Brauner Waldvogel, Damenbrett, Fleckenspanner, Gamma-Eule, Goldene Acht, Nierenfleck, Tigerle, Lindenschwärmer – nie gehört? Nie gesehen? Auch das sind mitteleuropäische Schmetterlinge. Wer also mehr über das Thema erfahren will und genau wissen möchte, wer ihm da vor der Nase herumflattert, kann sich mit Hilfe dieses Buchs schlau machen.

In Wort und Bild stellen uns die Autorin und der wissenschaftliche Zeichner die Schmetterlingsfamilien und deren Angehörige vor:

  • Wurzelbohrer – Hepialidae
  • Langhornmotten – Adelidae
  • Holzbohrer – Cossidae
  • Glasflügler – Sesiidae
  • Widderchen – Zygaenidae
  • Graszünsler/Rüsselzünsler – Crambidae
  • Glucken – Lasiocampidae
  • Pfauenspinner – Saturnidae
  • Schwärmer – Sphingidae
  • Dickkopffalter – Hesperiidae
  • Ritterfalter – Papilionidae
  • Weißlinge – Pieridae
  • Bläulinge – Lycaenidae
  • Edelfalter – Nymphalidae
  • Eulenartige – Noctuidae

Pro Familie sind die Seiten unterschiedlich farbig markiert, was die Orientierung erleichtert.

Foto: Nebel / Haupt Verlag
Foto: Nebel / Haupt Verlag

Lebensgroße Zeichnungen des männlichen und des weiblichen Falters, gegebenenfalls auch der Flügelunterseiten, zeigen uns, mit wem wir es zu tun haben. Aufgeführt ist jeweils der deutschsprachige Name des Schmetterlings, wo nötig mit Alternativbezeichnungen, ferner der gültige wissenschaftliche Name sowie die englischsprachige Bezeichnung. Damit kann man den Falter auch in anderen Publikationen wiederfinden.

Wir entdecken, in welcher Umgebung der Schmetterling vorkommt und erfahren wissenswerte Details über den Falter und über die Raupe. Kommt die Raupe häufig vor und ist sie leicht zu identifizieren, finden wir auch eine Abbildung von ihr.

Die Flugzeit-Tabelle gibt Auskunft darüber, in welchen Monaten des Jahres der Falter aktiv ist. Die Rubrik „Merkmale“ beschreibt Besonderheiten. In welcher Form das Tier überwintert – ob als Ei, Raupe, Puppe oder Falter), erfahren wir auch.

Wenn die Rubrik „Nahrung“ bei einem Falter leer bleibt, heißt das tatsächlich, dass er nichts frisst. Dazu ist er gar nicht in der Lage. Er zehrt von dem, was er im Raupenstadium an Nahrung aufgenommen hat. Das bedeutet aber auch, dass er nur wenige Tage als Schmetterling lebt – und das allein zum Zweck der Fortpflanzung/Eiablage.

Dass Männlein und Weiblein im Tierreich unterschiedlich aussehen, ist ja nichts Neues. Dass die Weibchen mancher Spannerarten nur Stummelflügel haben oder gänzlich flügellos sind und eher nach Käfer als nach Schmetterling aussehen, das war mir neu.

Foto: Harald Süpfle / creative commons 3.0
Foto: Harald Süpfle / creative commons 3.0

Weibchen des Großen Frostspanners, Foto: Harald Süpfle, veröffentlicht unter cc creative commons, Namensnennung 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/legalcode

Manche der prachtvollen Edelfalter ernähren sich übrigens nicht vom Nektar bunter Blüten, wie man immer denkt, sondern gänzlich unvornehm von Dingen wie Aas, Kot und Schweiß. Das hätte man nicht unbedingt von ihnen erwartet. So lernt man hier allerhand dazu.

Je größer die Schmetterlingsfamilie, desto unübersichtlicher wird es für den Laien. Kein Amateur wird je die unzähligen Schwärmer-, Bläulings-, oder Spannerarten auseinanderhalten können – und die verschiedenen Weißlinge auch nicht. Für den Durchschnittsbürger sind letztere eben … weiß. Man ist ja schon froh, wenn man beim Zuordnen überhaupt die richtige Familie erwischt.

Um einen Falter, den man gesehen hat, zweifelsfrei identifizieren zu können, müsste man ihn schon fotografieren und dann zuhause mit den in Frage kommenden „Verdächtigen“ in dem Buch vergleichen. So wie sie’s in den Krimis machen, wenn sie eine Person in der Verbrecherkartei der Polizei suchen. 😉

Und wenn man gleich vor Ort wissen will, was einem da über den Weg geflattert ist? Es wäre ein bisschen unpraktisch, das schwere, auf hochwertiges Papier gedruckte Buch auf Wanderungen und Spaziergänge mitzuschleppen. Deshalb gibt es vom Haupt-Verlag eine Smartphone-App zu dem Thema: TAGAKTIVE SCHMETTERLINGE. Die App enthält alle im Buch porträtierten Arten, inklusive der wissenschaftlichen Zeichnungen, außerdem zahlreiche zusätzliche Fotos, umfangreiche Hintergrundinformationen zu den einzelnen Arten und Familien sowie einen Bestimmungsschlüssel für alle im Buch porträtierten Arten/Gattungen: http://www.haupt.ch/Verlag/Apps-E-Books/Tagaktive-Schmetterlinge.html

Foto: Nebel / Haupt Verlag
Foto: Nebel / Haupt Verlag

Mangels Smartphone kann ich die App nicht ausprobieren. Ich kann nur darauf hinweisen, dass es dieses Angebot gibt.

Das Buch SCHMETTERLINGE ENTDECKEN, BEOBACHTEN, BESTIMMEN ist jedenfalls hochinteressant und informativ und es zeigt, dass die Welt der Schmetterlinge wesentlich komplexer und vielfältiger ist als man als Laie meint.

Die Autorin
Edelgard Seggewiße ist freie Autorin, begeistere Naturbeobachterin und Hobbyfotografin. Sie interessiert sich seit Jahren für Insekten, insbesondere für Schmetterlinge und Libellen. Sie engagiert sich in der SGL Schutzgemeinschaft Libellen BW e.V. und der GDO Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen e.V. und ist aktives Mitglieder beim NABU.

Der Illustrator
Hans-Peter Wymann ist Lehrer, wissenschaftlicher Zeichner und Illustrator von Schmetterlingen. Er interessiert sich seit seiner Jugend für Schmetterlinge, ist Mitautor verschiedener lepidopterologischer Publikationen und Präsident des Entomologischen Vereins Bern.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

http://www.boxmail.de

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