Heike Abidi: Plötzlich 14 (Jugendbuch, 12 – 15 Jahre)

Heike Abidi: Plötzlich 14, Hamburg 2015, PINK/Oetinger Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-86430-047-9, Klappenbroschur, 191 Seiten, Format: 13,6 x 2,5 x 20,2 cm, Buch: EUR 9,99 (D), EUR 10,30 (A), Kindle Edition: EUR 6,99.

Abbildung: (c) PINK / Oetinger Taschenbuch Verlag
Abbildung: (c) PINK / Oetinger Taschenbuch Verlag

Schon als Zwölfjährige hat Henriette Vogelsang aus Berlin beschlossen, einmal Wissenschaftsjournalistin zu werden und zur Übung unter einem Pseudonym ein Blog aufgesetzt: „Alles, was Mädchen wissen sollten, bevor sie 13 sind – Jette V. berichtet live aus der Pubertät“. (Heike Abidi: TATSÄCHLICH 13, ISBN 978-3-86430-025-7).

Dieses Blog war so erfolgreich, informativ, hilfreich und saukomisch, dass sich ein Verlag dafür interessiert hat. Das Buchprojekt konnte nur deshalb realisiert werden, weil Henriettes Oma Lydia – eine ultracoole Hippiebraut, die Yoga macht, Heavy Metal hört und auf La Gomera überwintert – für den Autorenvertrag als „Strohfrau“ eingesprungen ist.

Von Henriettes Blog darf die Familie nichts wissen


Henriettes Eltern und Geschwister dürfen nie etwas vom Blog und dem Buch erfahren, denn sie kommen dort allesamt nicht besonders gut weg. Da ist der langweilige Beamtenvater und die besserwisserische Öko-Pädagogen-Mutti, die ihre Angehörigen mit grauenhaft schmeckendem Gesundheitsfutter und nervenden Familienkonferenzen traktiert. Der große Bruder Levin wird als rücksichtsloser Egoist, Weiberheld und „Badezimmerblockierer“ beschrieben und die kleine Schwester Tessa als verwöhnte, manipulative Nervensäge. Von Grund auf sympathisch sind nur die Oma und der Hund.

In wenigen Monaten wird Henriette nun 14. Sie arbeitet bereits an einem neuen Blog: „Liebe für Anfänger“. Zu dem Thema hat sie jede Menge zu erzählen, weil sie seit einem Jahr mit Nick Jelinek zusammen ist, dem süßesten, coolsten, klügsten und nettesten Jungen der Welt. In Kürze feiern sie ihren ersten Jahrestag, und im Oktober kommt Henriettes Buch auf den Markt.

Alles läuft bestens, doch dann wendet sich das Blatt. Der Vater scheint in einer Lebenskrise zu stecken. Alles ödet ihn an, und jeden Tag hat er neue schräge Pläne und Ideen. Seine bodenständige Frau bringt dafür wenig Verständnis auf, und so gibt es ständig Streit. Henriette befürchtet schon, dass ihre Eltern sich scheiden lassen.

Familienprobleme, Liebeskummer und Krach mit der Freundin


Zu allem Überfluss geht Freund Nick für ein halbes Jahr nach Schottland. Statt Henriette zum Einjährigen ein romantisches Geschenk zu überreichen, beendet er die Beziehung. Sie ist wie vom Donner gerührt. Ihre Freundin Jill ist leider auch keine Hilfe, denn die ist gerade zu ihrem Exfreund zurückgekehrt, den Henriette nur zu gut kennt. Und dann plaudert Jill auch noch eines von Henriettes Geheimnissen aus. Das ist der ultimative Verrat unter besten Freundinnen! Die beiden reden fortan kein Wort mehr miteinander.

Henriette ist todunglücklich. Blogthemen wie „Die Top-5-Geschenkideen für Verliebte“ gehören der Vergangenheit an. Jetzt schreibt sie emotionale und dennoch gut recherchierte Beiträge übers Schlussmachen und das Single-Dasein, über Sehnsucht und Eifersucht, über die besten Methoden, den Liebeskummer zu besiegen und darüber, ob es möglich ist, mit dem Ex im „Kumpelmodus“ befreundet zu sein. Denn das ist aktuell der Status bei Henriette und Nick. Zwischen Berlin und Edinburgh gehen die E-Mails und Skype-Gespräche rege hin und her. Die zwei verstehen sich immer noch bestens, nur dass Henriette eben in Nick verliebt ist, er aber nicht mehr in sie.

Oma Lydia hat einen geheimen Plan


Oma Lydia kann nicht so recht glauben, dass zwischen Henriette und Nick alles aus ist. Und sie hat einen ausgesprochen verrückten Einfall, von dem ihre Tochter und ihr Schwiegersohn besser keinen Wind bekommen …

Mein Angebot, das ich bei der Vorstellung des Vorgängerbands TATSÄCHLICH 13 gemacht habe, gilt noch immer: Sollte Henriette von ihrer anstrengenden Mischpoche mal die Nase voll haben, adoptiere ich sie gern. Ich finde, sie ist intelligent und wissbegierig, humorvoll, einfallsreich, gnadenlos ehrlich und absolut hinreißend. Und ich koche auch garantiert kein geschmackloses Körnerzeug. 😉

Natürlich hat sie Stimmungsschwankungen, schließlich ist sie in der Pubertät. Krawall und offene Rebellion sind aber ihre Sache nicht. Sie taucht eher unter den elterlichen Vorschriften durch als lautstark dagegen aufzubegehren. Wenn ihre Mitmenschen wüssten, was sie von ihnen hält und wie mühelos sie sie durchschaut, wären sie vermutlich entsetzt. Um zu erfahren, was in ihrem Kopf vorgeht, müssten sie eigentlich nur ihr Blog lesen … von dem die allermeisten zum Glück nichts wissen.

Kluge Gedanken über Leben und Lieben


Als Teenager empfinden Henriette und ihre Freunde die Höhen und Tiefen des Lebens stärker als wir ollen abgeklärten Erwachsenen. Sie erleben ja alles zum ersten Mal: erste Liebe, erster Kuss, erster Liebeskummer. Und das Leben ist noch voller Überraschungen und Wunder.

Die Gedanken, die die Heldin sich über das Leben und die Liebe macht, sind sehr klug und manchmal ziemlich erwachsen. Ich denke da an ihre Betrachtungen über die Eifersucht oder das Leben als Single inmitten lauter Paare. Selbst als lebenserfahrene Leserin kann man aus Henriettes Blog noch das eine oder andere lernen und Denkanstöße mitnehmen. Also dürfte dies bei der jugendlichen Zielgruppe erst recht der Fall sein.

Heike Abidi lässt ihre Protagonistin mit viel Humor und Fingerspitzengefühl reifer und erwachsener werden. Ganz so verrückt wie im ersten Band sind Henriettes Experimente und Aktionen im vorliegenden Buch nicht mehr. Jetzt ist eher Schwesterchen Tessa für die Albernheiten zuständig. Henriette ist eben kein Kind mehr, sondern eine Jugendliche. Ich bin jetzt schon gespannt darauf, wie sie mit 15 sein wird.

Die Autorin
Heike Abidi, Jahrgang 1965, ist studierte Sprachwissenschaftlerin. Sie lebt mit Mann, Sohn und Hund in der Pfalz bei Kaiserslautern, wo sie als freiberufliche Werbetexterin und Autorin arbeitet. Heike Abidi schreibt vor allem Unterhaltungsromane für Erwachsene sowie Jugendliche und Kinder. Sie veröffentlicht auch unter dem Pseudonym Emma Conrad und – zusammen mit der Co-Autorin Tanja Janz – unter den gemeinsamen Pseudonymen Jana Fuchs sowie Maya Seidensticker.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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