Karin Joachim: Krähenzeit. Kriminalroman

Karin Joachim: Krähenzeit. Kriminalroman, Meßkirch 2016, Gmeiner Verlag, ISBN 978-3-8392-1938-6, Softcover, 311 Seiten, Format: 12,1 x 2,7 x 20 cm, Buch: EUR 9,99 (D), EUR 10,30 (A), Kindle Edition: EUR 8,99.

Abbildung: (c) Gmeiner Verlag
Abbildung: (c) Gmeiner Verlag

Nach einem traumatischen Ereignis, bei dem sie schwer verletzt wurde, macht die Kölner Kriminaltechnikerin und Tatortfotografin Jana Vogt jetzt zwei Wochen Urlaub in Ahrweiler. Mit dabei: ihr Airedale-Terrier Usti.

Der Frühherbst ist eine ideale Zeit, um in dieser wunderschönen Landschaft zu wandern und den Kopf frei zu bekommen, denkt Jana. Dass es möglicherweise sinnvoller gewesen wäre, sich für längere Zeit beurlauben zu lassen und sich aufgrund ihrer posttraumatischen Belastungsstörung in Therapie zu begeben, davon will sie nichts wissen.

Urlaub ade: Janas Hund findet einen Toten


Janas Urlaubsgefühl hält akkurat einen Tag lang an. Dann findet ihr Hund Usti bei einem Streifzug durch die Weinberge die Leiche des pensionierten Lehrers und Heimatforschers Herbert Tewes. Jana hat am Vorabend noch einen seiner Vorträge besucht. Zufällig hat sie gehört, wie er sich nach der Veranstaltung mit jemandem gestritten hat, und jetzt liegt der streitbare Mann erstochen und in zwei Jutesäcke verpackt zwischen den mannshohen Reben.

Jana verständigt die Kripo in Koblenz. Kriminalhauptkommissar Clemens Wieland, bei dem ihr zuerst die schönen grün-braunen Augen auffallen, spannt sie gleich in den Fall ein. Wenn sie sowieso schon da ist, kann sie sich ja ein bisschen umhören. Das ist nicht zulässig, aber das scheint Wieland egal zu sein. Er macht generell einen etwas verpeilten Eindruck. Er stellt sich nicht etwa in bekannter Columbo-Manier ein bisschen tapsig an, um die Verdächtigen in Sicherheit zu wiegen – er ist wirklich so. Jana findet ihn süß, und die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit.

Dreh- und Angelpunkt: Kloster Marienthal


Während Kommissar Wieland offiziell ermittelt, mimt Jana die freie Fotografin und naseweise Touristin. Die Witwe des Ermordeten benimmt sich verdächtig, die örtliche Gerüchteküche brodelt. Und immer wieder stößt Jana bei ihren neugierigen Fragen auf das Kloster Marienthal. Die Ausgrabungen dort scheinen manche Leute sehr nervös zu machen. Kenner der Heimatkunde wechseln blitzartig das Thema, sobald Jana auf das Kloster zu sprechen kommt. Kommen die Archäologen den örtlichen Geschäftsleuten in die Quere? Oder liegt’s an den unklaren Besitzverhältnissen der Immobilie? Irgendwas scheint auch bei den Renovierungsarbeiten vor zwei Jahren nicht ganz ordnungsgemäß gelaufen zu sein.

Die Stadtführerinnen Meike Jacob und Nicole Knies wüssten sicher mehr. Doch die anfangs so hilfsbereite und engagierte Meike antwortet immer ausweichender – und Nicole ist plötzlich verschwunden.

Beobachtet, bedroht, bestohlen


Jana wird beobachtet und bedroht. Als jemand in ihr Hotelzimmer einbricht und lediglich ihre Chronik des Klosters Marienthal stiehlt, ist sie sicher, dass sie auf der richtigen Spur ist. Dann erfährt sie, dass ihre Kolleginnen und Kollegen in Köln an einem Fall arbeiten, der erstaunliche Querverbindungen zum Mordfall Tewes aufweist. Jetzt gibt es keinen Zweifel mehr: Dreh- und Angelpunkt für beide Mordfälle ist das Kloster Marienthal. Nur wie das alles zusammenhängt, das ist Jana Vogt und ihren Kollegen nach wie vor ein Rätsel.

Oft sind es ja scheinbar unbedeutende Fakten, die einen Ermittler auf die richtige Spur bringen. Hier sind es Informationen, die trotz aller Mühen NICHT zu beschaffen sind, die in Jana Vogt einen ungeheuerlichen Verdacht reifen lassen. Hätte sie besser mal auf die Mahnung ihres Kommissars gehört, die da lautet: „Bitte keine Alleingänge!“

Wie das so ist, wenn man in einer Stadt von überschaubaren Größe sowie in einer bestimmten Szene ermittelt: Jeder kennt jeden, es gibt komplizierte Verflechtungen und eine Menge denkbarer Motive. Weil es hier um Heimatforscher, Historiker, Kunstkenner und Archäologie geht, findet der Leser natürlich auch eine Menge Informationen über Geschichte und Heimatkunde – und viele stimmungsvolle Beschreibungen der wunderschönen Gegend.

Dramatischer Showdown


Wilde Action sucht man hier vergebens, aber die erwartet man in Regionalkrimis ohnehin nicht. Die Ermittler in Karin Joachims Roman setzen auf Befragung, Beobachtung und Recherche und kommen so Schritt für Schritt weiter – bis zum dramatischen Showdown. Obwohl die Grobrichtung die ganze Zeit über klar ist, hat man als Leser den Täter und sein Motiv nicht von Anfang an auf dem Schirm. Man kann mitraten, aber da man als Leser nicht über mehr Informationen verfügt als die Polizei, kommt man dem Täter auch nicht schneller auf die Spur als Jana und der Kommissar.

Jana und Clemens Wieland gehen für meinen Geschmack manchmal zu unprofessionell vor. Dafür macht Terrier Usti seine Sache umso besser, und das, obwohl er doch gar kein Polizeihund ist. 😉

Als eine Leserin, die ein Herz für Nebenfiguren hat, haben mir der polterige Elektriker Debus und seine Frau „Marjret“ sehr gut gefallen. Wie die beiden miteinander reden (im Dialekt) und umgehen, das ist so richtig aus dem Leben gegriffen. Die Heldin sieht das offenbar genauso: „Jana musste innerlich über das Ehepaar Debus lachen. Die beiden waren einfach zu authentisch.“ (Seite 297) Sollten Jana, Usti und Kommissar Wieland in Serie gehen, werden sie mit Ahrweiler wohl nichts mehr zu tun haben. Schade eigentlich. Wolfgang und „Marjret“ Debus hätte ich mir gut als ständige Nebenrollen vorstellen können. Vielleicht als neugierige Nachbarn/Bekannte des Ermittlerduos, die den jeweiligen Mordfall in der Lokalpresse verfolgen und volksnah kommentieren.

Lassen wir uns überraschen, was die Autorin noch mit ihren Romanfiguren vorhat. Auf ihrer Seite www.karinjoachim.de wird sie uns hoffentlich auf dem Laufenden halten.

Die Autorin
Karin Joachim wurde in Bonn-Bad Godesberg geboren und lebt seit 20 Jahren im Ahrtal. Die studierte Germanistin und Anglistin leitete 14 Jahre lang das archäologische Museum Roemervilla in Bad Neuenahr-Ahrweiler und ist seit 2009 als freiberufliche Sachbuchautorin und Natur- und Kulturführerin in Bad Neuenahr-Ahrweiler tätig. Als Fachautorin veröffentlichte sie bisher zwei Hunderatgeber, kynologische Artikel in verschiedenen Hundemagazinen sowie einen Reiseführer durch das Ahrtal.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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