Ina Monschein (Red.): Tierisch tolle Weihnachten! Heitere Geschichten

Ina Monschein (Red.): Tierisch tolle Weihnachten! Heitere Geschichten, Münster 2016, Coppenrath Verlag, ISBN 978-3-649-67080-3, Hardcover, Cover mit Folienprägung und Glitzer, 127 Seiten mit farbigen Illustrationen von Angela Holzmann, Format: 11,6 x 1,5 x 16,2 cm, EUR 9,95.

Abbildung (c) Coppenrath Verlag
Abbildung (c) Coppenrath Verlag

Wegen der herrlichen Zeichnungen von Angela Holzmann und dem glitzernden Cover habe ich das Büchlein zunächst für ein Kinderbuch gehalten. 22 Lustige kleine Geschichten und Gedichte, die in der Weihnachtszeit spielen und bei denen Tiere im Mittelpunkt stehen, wären ja auch ein dankbares Kinderbuchthema gewesen. Das vorliegende Buch wäre vermutlich eher zum Vorlesen geeignet als zum selbst Lesen, denn für ein Kinderbuch ist die Schrift doch recht klein.

Nicht heiter und kein Kinderbuch


Schon nach den ersten paar Beiträgen kamen mir allerdings Zweifel: Für ein Kinderbuch ist die Auswahl der Geschichten doch recht düster. Von wegen „heitere Geschichten“! Die Weihnachtsgans kommt zwar noch einmal mit dem Leben davon, aber eine Katzenmutter stirbt an Krebs, eine Familie hat Todesangst vor einem Hund, der Weihnachtsdackel verhungert, und bestimmt würde sehr junge Leserinnen und Leser die Frage umtreiben, warum um alles in der Welt die Kinder von Gustav und Sofia nicht, wie versprochen, zum Weihnachtsessen erschienen sind. Nicht einmal angerufen haben sie! Es wird ihnen doch nichts passiert sein? Und ruckzuck verbringst du die Feiertage damit, dir plausible Ausreden für treulose literarische Sprösslinge auszudenken.

Das kann kein Kinderbuch sein. Das ist für Erwachsene gedacht. Aber warum dann die Kinderbuchillustrationen? Irgendwie passt der Inhalt nicht zur Aufmachung.

Ein paar Glanzpunkte


Gedichte von James Krüss und Christian Morgenstern sind für jede Altersgruppe klasse. Und auch Margret Rettichs Geschichte vom Weihnachtsbraten würde ich in die Rubrik „heitere Tiergeschichten“ einordnen. Ganz bezaubernd sind die WÜNSCHE ANS CHRISTKIND, die Edith Schreiber-Wicke den Kater Novalis formulieren lässt. Und er ist auch angemessen beeindruckt davon, auf welche Weise sie sich schließlich erfüllen.

Eher skurril ist Ludvik Askenazys Story DER LEBENDIGE WEIHNACHTSBAUM. Allzuviel dürfte der Autor mit Weihnachten auch nicht am Hut gehabt haben. Charlotte Links Story WIRKLICH CLEVER, DIESER WEIHNACHTSMANN ist spannend und hat eine recht witzige Pointe, aber alles andere ist eher tragisch als lustig – oder es handelt sich um religiöse „Erlösungs“-Geschichten wie über das geschundene Eselchen, das vom Christkind/Weihnachtsmann gerettet und in ein besseres Leben geführt wird. Davon gibt’s ein paar Varianten.

Thema verfehlt


Manche der Geschichten mögen sich dafür eignen, auf Weihnachtsfeiern vorgelesen zu werden. Aber das Versprechen, uns mit heiteren Tiergeschichten über tolle Weihnachten zu unterhalten, wird hier nicht eingelöst. In der Schule würde es jetzt heißen „Thema verfehlt“.

Die Autorinnen und Autoren
James Krüss, Margret Rettich, Gina Ruck-Pauquet, James Harriot, Edith Schreiber-Wicke, Annemarie Wagner, Ludvik Askenazy, Herbert Rosendorfer, Francoise Sagan, Charlotte Link, Christian Morgenstern, Julie Svensson, Hans Watzlik, Elizabeth Clark, Karl Heinrich Waggerl, Agatha Christie, Josef Lada, Suse Duken-Dingler, Ingeborg Hildebrandt

Die Illustratorin
Angela Holzmann, diplomierte Grafik-Designerin, arbeitet freiberuflich als Grafikerin, Illustratorin und Fotografin für verschiedene Verlage. Sie lebt mit ihrer Familie in München.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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