Katharina Goldbeck-Hörz, Michael Luz: G:sichtet 4 – Bock auf Pommes

Katharina Goldbeck-Hörz (Autorin), Michael Luz (Illustrator): G:sichtet 4 – Bock auf Pommes (G:sichtet Kunstbuchreihe), Stuttgart 2017, Gatzanis Verlag, ISBN: 978-3-932855-75-7, Softcover mit Schutzumschlag, 112 Seiten mit farbigen Illustrationen, Format: 19,7 x 26,7 x 1 cm, EUR 24,95.

Abbildung: (c) Gatzanis-Verlag

„Das treffendste Bild, das Michl [Michael Luz] beschreibt, ist ‚großes Kind‘. Dass es zwei Meter misst, zeigt, wie viel Humor die Schöpfung hat. (…) Kindskopf und Spaßvogel, kreativer Querdenker und künstlerisches Multitalent. Illustrator und Ideenmaschine, Fotograf und Kochtalent, Beobachter und Macher. Diva und Pragmatiker. (…) Münchhausen und Eulenspiegel.“ (Seite 5)

So beschreibt Peter Waibel, Geschäftsführer Jung von Matt/Neckar den Künstler. Und ich stehe jetzt vor dem Problem, zu beschreiben, was sich hinter Michael Luz‘ Projekt „Tagesillustrationen“ verbirgt, das in diesem Buch vorgestellt wird – und zwar möglichst ohne sie zu zeigen und damit das Copyright zu verletzen.

Hm. Am besten, ich knibble mal den Schutzumschlag ab und zeige das eigentliche Buchcover. Das müsste doch gehen. Da sieht man, wie der Künstler den Spruch „Bock auf Pommes“ interpretiert – wortwörtlich.

Abbildung: Michael Luz / Gatzanis-Verlag

Und auf der Rückseite des Buchs sehen wir, dass das Buch „Made in Stuttgart“ ist.

Abbildung: Michael Luz / Gatzanis-Verlag

Um solche bildlich umgesetzten Wortwitze geht es in diesem Band. Das stellt natürlich nur einen Bruchteil von Michael Luz‘ Arbeit dar. Er hat an der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung in Pforzheim studiert. Er arbeitet als Illustrator für Auftraggeber in Redaktionen, Agenturen und Unternehmen, und er malt.

Von der Kunstjournalistin Katharina Goldbeck-Hörz erfahren wir viel Interessantes über den Menschen hinter den „Tagesillus“. „Basierend auf einer ‚Schnapsidee‘ hatte Michael Luz einen Vertrag mit sich selbst abgeschlossen“, schreibt sie (Seite 7). „Täglich eine Zeichnung, bis es 1.000 Stück sind.“ Dieses Soll hat er bereits im Dezember 2016 erfüllt, aber zur Freude seiner Fans macht er weiter. Pro Tag gibt’s also einen gezeichneten Wortwitz, und für jede Zeichnung wendet er höchstens eine Stunde auf. Die Fangemeinde bei Facebook lauert schon darauf. Ich gehöre auch dazu. Durch gemeinsame Bekannte bin ich vor rund drei Jahren auf dieses Projekt aufmerksam geworden und verfolge es mit ungebrochenem Interesse.

Manchmal dauert’s ein bisschen, bis man den Witz kapiert hat, und gerade die Tagesillus, die einen mit Zeitzünder zum Kichern bringen, sind oftmals die besten. Nicht jeder erkennt so schnell wie der Künstler die skurrilen und komischen Seiten einer altbekannten Redewendung oder eines ganz alltäglichen Begriffs. Und wenn dann gar mal das erklärende Wort nicht unter dem Bild steht und die Betrachter raten müssen, was sie hier sehen, zeigt sich, wie viel Michael Luz uns voraus hat. Auf diese Art quer zu denken, ist nämlich gar nicht so einfach, auch wenn wir mittlerweile Übung darin haben. Es ist ein Talent.

Nachdem wir nun gesehen haben, was „Michl“ unter „Bock mit Pommes“ versteht, kann man ungefähr ahnen, wie sich „ausgelassenen Speck“, eine „Schnitzeljagd“ oder eine „Stretchlimo“ vorstellt. Und wenn er noch dazu ein wenig an der Rechtschreibung schraubt, wird der Witz noch einen Tick schräger: Dann erblicken so Dinge das Licht der Welt wie „Pizzaboote“, „Pretty Wummen“ oder „Happy Aua“.

Aus den Fingerübungen eines vielseitigen Künstlers ist ein eigenes Kunstprojekt geworden, das ein große Anhängerschaft gewonnen hat. Das Buch zeigt ausgewählte Highlights aus der Fülle der „Tagesillustrationen“. Ob das ein „Best of“ ist, liegt immer auch im Auge des Betrachters. Nicht alle meine Lieblinge haben es ins Buch geschafft, was nichts heißen muss. Ich liebe den „Irrelephant“, den „Auahahn“ und den „Probeller“ – ein Ausdruck des letztgenannten Motivs hängt im Büro einer Kollegin und ich muss jedes Mal grinsen, wenn es sehe.

Kunst und Humor ist kein Gegensatz. Bei Michael Luz‘ Tagesillustrationen ist beides aufs Trefflichste vereint. Das Buch gibt einen kleinen Einblick in dieses originelle Projekt. Und es bleibt jedem unbenommen, dessen Fortgang online zu verfolgen. Und wer gerne ein Originalbild daheim an der Wand hängen hätte: Diese Möglichkeit gibt’s auch. 😉

Die Bilder
Seit 2010 erschafft er der Stuttgarter Illustrator Michael Luz täglich eine neue Wortwitz-Zeichnung. www.michaelluz.de

Die Texte
Katharina Goldbeck-Hörz ist Journalistin und Inhaberin einer PR-Agentur in Leinfelden-Echterdingen. www.goldbeckhoerz.de

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

http://www.boxmail.de

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