Postalische Gezeiten

Ich hatte mir das mit der Post so einfach vorgestellt: ich behalte nach meinem Umzug mein Postfach in Ostfildern so lange, bis alle meine Kontakte meine neue Adresse in Denkendorf kennen und nutzen – und dann kündige ich es.

So der Plan. Doch auch wenn die neue Adresse auf dem Umschlag steht: Die Briefe, Kataloge und Büchersendungen kommen trotzdem nicht in Denkendorf an. Weil ich bei der Post meine Hausanschrift angeben musste, landet nach wie vor das meiste im Postfach. Auch kein Problem, ich komme da ja täglich auf dem Weg von der Arbeit vorbei. Manchmal sogar zu deren Öffnungszeiten …

Manches landet auch noch im Briefkasten der alten Wohnung. Darum kümmert sich dann mein Nachbar. Er schmeißt die Werbeblättchen in die Altpapiertonne und stapelt die adressierte Post ordentlich vor meiner Wohnungstür.

Wo die Post wann landet, ist Zufall


Was wo landet und vor allem wann, das folgt allerdings keinem nachvollziehbaren Muster. Seit Wochen spiele ich „such die Post“. Mal kommt DER SPIEGEL im Postfach an, mal wird er mir an meine neue Adresse zugestellt – mal kommt er gar nicht. Mitunter erreicht mich eine Woche lang so gut wie keine Post, dann, so wie gestern, ist mein (Firmen-)Postfach bis obenhin voll. Mit Sendungen, die seit über einer Woche unterwegs sind. Das mag für Büchersendungen und Kataloge noch okay sein, aber für einen Standardbrief aus dem Nachbarort? Neun Kilometer in sieben Werktagen? Da kannste das Schreiben ja fast einer Weinbergschnecke aufs Kreuz binden!

Zu Handwerkern sage ich neuerdings schon, sie sollen mir die Rechnung bitte auch per Pdf schicken. Ich bin neu hier und möchte mir nicht den guten Ruf versauen und als säumiger Zahler dastehen, nur weil die Post hier in Wellen aufläuft. Oder gar nicht. Manche Rezensionsexemplare sind auf ewig irgendwo im Bermudadreieck zwischen alter Anschrift, Postfach und neuer Anschrift verschollen.

Post-Ebbe und Post-Flut


Ein ortsansässiger Händler war in heller Aufregung, weil sie mir ein Gerät geliefert hatten und die Rechnung drei Tage später mit der Bemerkung „Empfänger unbekannt“ wieder an sie zurückkam. Und ich fragte mich schon, warum die Rechnung nicht kommt. Mein Cousin hatte doch gesagt, dass das Unternehmen mit der Rechnungsstellung fast noch schneller sei als mit dem Liefern. Wir konnten das dann telefonisch klären. Meine alte Telefonnummer stimmt ja noch. Dieser Wechsel hat erstaunlicherweise absolut problemlos geklappt, und davor hatte es mir so gegraut.

Ich habe keine Ahnung, wo sich meine Post die ganze letzte Woche über rumgetrieben hat. Jetzt ist sie ja da. Vermutlich werde ich mich daran gewöhnen müssen, dass es in meiner neuen Heimat Post-Ebbe und Post-Flut gibt. Postalische Gezeiten. Obwohl wir doch gar nicht am Meer wohnen.

Foto: (c) S. Hofschlaeger / pixelio.de

Foto: S. Hofschlaeger, www.pixelio.de

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