Stereo-Mülling

Es ist doch manchmal gut, wenn man mit den Leuten irgendwelches belangloses Zeug redet. Gelegentlich kommt tatsächlich etwas Hilfreiches dabei heraus.

Morgens an der Bushaltestelle sind wir eine Handvoll Pendler, die schon in aller Hergottsfrüh allerhand zu lachen und reden hat. Übers Wetter, über die Lage der Welt, über das Verkehrschaos in den Städten oder über irgendwelche merkwürdigen Vorkommnisse bei einer Fahrt mit dem ÖPNV.

Neulich kam die junge Frau in Schwarz auf den letzten Drücker angerannt.
„Heut bin ich spät dran“, meinte sie. „Ich hab noch schnell die Altpapiertonne rausstellen müssen.“
„Au, das Altpapier“, sagte ich. „Das ist bei mir ein ewiges Drama. In Nellingen hat alle zwei Monate ein Verein Papier und Kartonagen gesammelt. Da musste man das Zeug nur rechtzeitig auf die Straße rausstellen, dann war’s weg. Hier gibt es das nicht, und komme nie mit meiner Tonne aus. Ich hab ausgerechnet, dass ich in fünf Jahren vielleicht das Verpackungspapier vom Umzug entsorgt haben werde, selbst wenn ich alle vier Wochen die Tonne meines Cousins mitbenutzen darf.“
„Eine zweite Tonne“, schlug der Herr mit Rucksack vor. „Die kosten ja nix.“
Ich: „Das geht?“
Lady in Black: „Ich denk‘ schon. Die Gemeinden verkaufen das Altpapier doch. Die freuen sich.“
„Oh. Gute Idee. Ich werde da mal anfragen.“

Auch meine Kollegin, der ich von dem Vorschlag erzählte, meinte, das dürfte kein Problem darstellen. Also bin ich beim Abfallwirtschaftsdienst vorstellig geworden und hab mich innerlich schon auf ein mords Palaver eingestellt. Aber es ging. Das war überhaupt kein Thema.

Erst wollten sie allerdings, dass ich die Tonne bei ihnen abhole. Und ich so: „Äh … aber ich habe kein Auto. Dann muss ich den Mistkübel ja mit dem Bus heimzerren, ihm vielleicht noch eine Fahrkarte kaufen, mindestens einmal umsteigen und ihn durch zwei Gemeinden schleifen. Geht das nicht einfacher?“

Jetzt haben sie ihn mir gebracht. Kostet 20 Euro. Sei’s drum.

Und jetzt kann ich in Stereo müllen. 😀

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