Andrea Gunkler: Frag deine Katze. Ratgeber

Andrea Gunkler: Frag deine Katze. Was wir von den verspielten Vierbeinern lernen können. München 2018, mvg Verlag, ISBN 978-3-86882-928-0, Hardcover, 176 Seiten mit zweifarbigen Illustrationen, Format: 12,6 x 1,7 x 19,3 cm, Buch: EUR 14,99, Kindle Edition: EUR 11,99.

Abbildung: (c) mvg Verlag

„Nehmen Sie sich ab jetzt jeden Tag ein Häppchen Katzen-Wunderkraft vor und probieren Sie es aus. Staunen Sie mal wieder über die Wunder der Natur. Halten Sie ein Nickerchen, spielen Sie mal wieder, tanzen und rennen Sie. Horchen Sie auf Ihren Atem und seien Sie dabei ganz im Augenblick. Und wann haben Sie zum letzten Mal Ihrem Bauchgefühl vertraut?“ (Seite 17)

Aufgewachsen mit Ziervögeln und Hund, ist die Autorin eigentlich kein Katzenmensch. Als sich nach einer Krise ihre Lebensumstände ändern und sie in einen „Katzenhaushalt“ zieht, ist sie zunächst skeptisch. Ihr Therapeutin dagegen reagiert begeistert: „Prima! Etwas Besseres kann Ihnen nicht passieren. Nehmen Sie sich das Tier als Vorbild. Von ihm können Sie eine Menge lernen.“ (Seite 10)

Und so beobachtet Andrea Gunkler die Katze, freundet sich mit ihr an und entdeckt nach und nach ihre „geheimen Wunderkräfte“. Acht davon stellt sie uns in diesem Buch vor und zeigt uns, wie wir das, was Samtpfoten tun, auf unser Leben übertragen können.

Katzen-Wunderkraft # 1: Intuition

Verpflichtungen sind Erfindungen von Menschen. Katzen handeln intuitiv und tun nur, was sie wollen. Gut: In dieser Radikalität kämen wir Menschen in unserem sozialen Umfeld damit nicht sehr weit. Aber ein bisschen was können wir uns schon von den Tieren abgucken.

Manches, was bei Katzen nach Intuition, also nach „siebtem Sinn“ aussieht, ist ihren scharfen Sinnen geschuldet. Sinne haben wir auch. Nur haben wir uns abtrainiert, auf unseren Körper zu hören. Wir haben gelernt, dass wir unseren Verstand benutzen, eine Situation logisch analysieren und danach handeln sollen. In diesem Kapitel lernen wir anhand praktischer Übungen, wie wir uns die Intuition zurückerobern können und warum der innere Schweinehund auch seine guten Seiten hat.

Katzen-Wunderkraft # 2: Abenteuerlust

Als Kinder sind wir noch so neugierig, abenteuerlustig und unvoreingenommen wie junge Kätzchen. Mit der Erfahrung kommt dann die Angst vor dem Unbekannten. Doch nicht immer ist es sinnvoll, den Status quo zu erhalten. Nehmen wir uns lieber ein Beispiel an unseren Katzen. „Ihr Wesen ist beseelt vom Anfängergeist“ (Seite 52) — Wie das geht? Tipps und Übungen weisen uns den Weg.

Katzen-Wunderkraft # 3: Spiel

Auch die Wunderkraft des Spielens ist uns meist zusammen mit Ende der Kindheit abhandengekommen. Das ist bei Katzen anders. Sie wissen auch noch im hohen Alter, wann ihre Alltagsroutine eine Unterbrechung durch Spiel und Spaß braucht. Auch wir sollten das Spielen wieder lernen, denn: „Regelmäßig praktiziert, wirkt die Katzen-Wunderkraft Spiel entspannend. Sie fühlen sich glücklicher, ausgeglichener und weniger gestresst, trainieren Ihren Körper, Ihre Kreativität kehrt zurück und Ihr Leben wird langfristig viel erfüllter.“ (Seite 67)

Katzen-Wunderkraft # 4: Schlaf

Katzen schlafen 16 Stunden am Tag. Das können wir berufstätigen Menschen uns nicht erlauben. 😉 Doch ob Siesta oder Power-Nap: den einen der anderen Katzentrick können wir auf unser Leben übertragen.

Katzen-Wunderkraft # 5: Selbstvertrauen

Nur Menschen kennen Selbstzweifel, Katzen nicht. Sie können sich Zweifel und Mutlosigkeit schlicht nicht leisten. Auch wenn ihnen zum x-ten Mal eine Maus entwischt, ist Aufgeben keine Option. Katzen müssen trotzdem weiter jagen, sonst verhungern sie.

Mit Maunzen und Schnurren teilen uns die Tiere mit, was sie wollen und brauchen. Und ganz selbstverständlich gehen sie davon aus, dass sie bekommen, was sie verlangen. Treten wir auch so selbstsicher auf? Und wenn nicht, was hindert uns daran, uns selbst zu vertrauen? Haben wir zu wenig Mut? Zu viel Angst vor dem Scheitern? Scheuen wir den Vergleich mit anderen?

Was uns wieder auf die Beine bringt, wenn unser Selbstvertrauen am Boden liegt und wie wir uns gut um unser eigenes Wohlbefinden kümmern, erfahren wir hier. Spezielle Yoga-Übungen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Katzen-Wunderkraft # 6: Achtsamkeit

Ja, ich weiß: Das ist ein vielstrapazierter Begriff, den manche schon nicht mehr hören können. Trotzdem wichtig: Die Katze lebt im Hier und Jetzt, sie nimmt die Welt, wie sie ist. Sie grübelt nicht und urteilt nicht. Nur wir Menschen regen uns über alles Mögliche auf. Nehmen wir ein bisschen etwas von der Gelassenheit der Katzen an.

Katzen-Wunderkraft # 7: Hingabe

„Hingabe bedeutet Ausdauer, Geduld, sich voll und ganz auf etwas einzulassen. Und das tut die Mieze, egal, ob sie sich putzt, döst, spielt oder jagt. Es gibt in diesem Moment keine andere Aktion für sie, mag da kommen, was will.“ (Seite 134)

Und wie geraten wir Menschen in diesen „Flow“? Bei der Ausübung eines Hobbys, zum Beispiel, oder wenn wir eine Aufgabe haben, die uns am Herzen liegt. Wenn wir Freude an unserem Tun haben und gar nicht merken, wie die Zeit vergeht, haben wir Hingabe erlebt.

Katzen-Wunderkraft # 8: Glück

Ob Katzen wirklich glücklich sind, kann man als Mensch nicht wirklich wissen. Es will uns so scheinen. Sie leben „zeitlos“, kommen aus ihrer Sicht nie zu spät, haben keinen Stress und keinen Druck. Es gibt für sie nur die Gegenwart, kein Davor und kein Danach und sie bereuen nichts. Wenn man sie tiefenentspannt dasitzen oder liegen sieht, könnte man neidisch werden.

Was hält uns vom Glücklichsein ab? Und wie können wir diese Hindernisse aus dem Weg räumen? Auch dafür gibt das Buch uns Hinweise.

Mit Geduld und Yoga

Am Schluss des Buchs kann man durch einen Selbsttest ermitteln, wie viel vom Wesen einer Katze schon in einem steckt. Selbst wenn man dabei schon recht passabel abschneidet, ist der Ratgeber nützlich. Denn Katzen-Wunderkraft kann man gar nicht genug haben!

Für die Umsetzung der Tipps und Übungen braucht man keine aufwändigen Hilfsmittel, das ist alles machbar. Man muss sich allenfalls überwinden. Geduld braucht man, denn eine Veränderung althergebrachter Einstellungen und Verhaltensweisen gelingt nicht über Nacht. Das kann Wochen oder Monate dauern. Oder noch länger.

Andrea Gunkler schwört auf Yoga und versteht offenbar auch viel davon. Für ebenfalls Yoga-erfahrene LeserInnen sind die von ihr beschriebenen Übungen sicher leicht umzusetzen. Der Yoga-Laie ist da überfordert. So klar kann man eine Übung rein verbal gar nicht beschreiben, dass nicht irgendein Ahnungsloser etwas falsch verstehen und verkehrt machen könnte. Es gibt zwar zahlreiche Abbildungen in dem Band, aber die haben rein dekorativen und keinen informativen Zweck.

Ich habe mir den Spaß gemacht und nach ein paar der Übungen gegoogelt. Das hat auf den Fotos dann doch ein bisschen anders ausgeschaut als ich mir das anhand der Beschreibung zusammengereimt habe. Wenn man also zu dem Schluss kommt, dass einem Yoga guttun könnte, ist es sicher empfehlenswert, die Übungen bei einem kundigen Lehrer zu erlernen.

Keine Frage: Das Buch bietet viele interessante Anregungen. Und wenn man Katzen zuhause hat, hat man immer eine Gedankenstütze vor Augen. Spiel, Schlaf und Hingabe …

Macht’s dem Leser bitte leicht!

Dieser hilfreiche Ratgeber ist sehr schön gestaltet, doch aufgrund der sehr hellen und mageren Schrift leider nur bei exzellenter Beleuchtung gut zu lesen. Wer, wie ich, in der schummrig beleuchteten Bahn liest, muss die Augen sehr anstrengen. Und die hellorangefarbenen Zwischenüberschriften sind bei diesem Licht nahezu unsichtbar. Geheimschrift! 

Wenn man dem Leser etwas für ihn Wichtiges mitzuteilen hat, dann sollte man es ihm nicht unnötig schwer machen, den Textinhalt auch zu erfassen. Denn der ist ja der Grund, aus dem man das Buch kauft.

Die Autorin

Andrea Gunkler ist Jahrgang 1967. Sie liebt das Schreiben, seit in der ersten Klasse die Schwunghefte ausgeteilt wurden. Seit 2009 schreibt sie nach Jahren des Fachtexteverfassens auch literarische Texte. Sie ist Mitglied der 42erAutoren e.V., schreibt Beiträge für den Blog des Vereins und für die Zeitschrift der selfpublisher. Sie lebt mit Mann und Katze in einem Dorf bei Bad Hersfeld.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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