Klarissa Klein: Miss Marples Töchter … alte Weiber täuscht man nicht!

Klarissa Klein: Miss Marples Töchter … alte Weiber täuscht man nicht!, Birlenbach 2018, Merlin’s Bookshop, ISBN 978-3-96248-012-7, Softcover, 204 Seiten, Format: 12,8 x 1,8 x 19,8 cm, EUR 7,99 (D), EUR 8,30 (A), auch als Kindle Edition erhältlich.

Abbildung: (c) Merlin’s Bookshop

An einem kalten Wintertag entdecken die Schwestern Bertha und Cynthia, zwei verwitwete britische Ladies um die Siebzig, einen Einbruch in ihrem Haus. Jemand ist in die Wohnung ihrer jüngst verstorbenen Schwester Anna eingestiegen und hat deren Papiere durchwühlt. Gestohlen wurde nichts – aber was wäre bei ihr auch zu holen gewesen?

Die beiden Damen staunen nicht schlecht, als nicht nur der örtliche Constable anrückt, um sich des Falles anzunehmen, sondern sogar ein Inspektor von Scotland Yard. Wegen eines Einbruchs, bei dem gar nichts weggekommen ist? Wie seltsam! Und das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit. Joshua Hynes, der junge Handwerker, der aufgrund einer Notlage vorübergehend im Haus der beiden Schwestern Unterschlupf gewährt bekommt, erweist sich als ungewöhnlich gebildet. Er versteht sogar Latein und Französisch. Ist er wirklich der, für den er sich ausgibt?

Mord im Pfarrhaus


Und dann wird die neue Haushaltshilfe von Pfarrer Harrington ermordet aufgefunden. Stimmt es, dass sie die Geliebte des Geistlichen war? Die Klatschbasen im Ort erzählen das zumindest. Aber die erzählen viel.

Die gelernte Krankenschwester Cynthia Scott, die, genau wie ihre Schwester Bertha (ehemalige Lehrerin), wissen will, was hier gespielt wird, begibt sich ins Zentrum des Geschehens und bietet dem Pfarrer übergangsweise ihre Hilfe im Haushalt an. Den ermittelnden Polizeibeamten passt das nicht in den Kram, weil die umtriebigen und neugierigen Bell-Schwestern (so genannt wegen ihres Mädchennamens) die lästige Angewohnheit haben, sich in laufende Kriminalfälle einzumischen. Doch Cynthia lässt sich nicht verdrängen. Und auf einmal ist sie es, die unter Verdacht steht, eine Giftmörderin zu sein …

Pfiffige „alte Weiber“


Es ist unterhaltsam, wie die Schwestern mit Zähigkeit, gesundem Menschenverstand und ihren weit verzweigten Kontakten den raffiniert einfädelten kriminellen Machenschaften auf die Spur kommen. Gekonnt nutzen sie aus, dass man sie als gebrechliche Seniorinnen unterschätzt. Bertha ist durch ihre Gehbehinderung auf Stock und Rollator angewiesen und wirkt tatsächlich schon ein wenig hinfällig. Cynthia, die vermutlich in den späten Sechzigern ist, scheint mit dem Etikett „altes Weib“ eher zu kokettieren.

Wenn wir LeserInnen uns in unserem Umfeld umsehen, stellen wir fest: Die Frauen um die 70 kommen heute alles andere als altbacken und altjüngferlich daher. Und denkt mal an Künstlerinnen wie Katja Ebstein, Donna Summer, Christine Kaufmann, Helen Mirren, Goldie Hawn, Deborah Harry von „Blondie“ oder Anni-Frid Lyngstad von ABBA. Die sind/waren im Alter der Romanheldinnen. Vielleicht ist das biedere Auftreten der beiden Schwestern als Reminiszenz an Agatha Christies Miss Marple zu verstehen. Die wird ja in den Romanen auf diese Art beschrieben und in diversen Verfilmungen so dargestellt. Nicht umsonst lautet der Buchtitel MISS MARPLES TÖCHTER.

Nobody is perfect


Ich scheine noch ein Vorab-Exemplar des Buchs bekommen zu haben. „Mein“ Cover (grün) weicht von dem ab, mit dem das Buch aktuell angeboten wird (grau). Es enthält auch noch einen Tippfehler, der in der neuen Version bereits korrigiert wurde. Vielleicht wird mein Leseexemplar ja mal so wertvoll wie der Fehldruck einer Briefmarke. 😉

Abbildung: (c) Merlin’s Bookshop

Ich nehme an, dass in diesem Zuge auch die Markierungen verschwunden sind, die das Korrektorat im Innenteil gemacht hat. In meinem Exemplar kann ich sie noch an ein paar Stellen sehen, weil sie mitgedruckt wurden. Es hat also ein Korrektor draufgeschaut, was bei kleinen Verlagen nicht unbedingt selbstverständlich ist. Ein bisschen was hat er/sie noch übersehen. Aber ich habe im Lauf der Jahrzehnte meinen Frieden damit gemacht, dass es keine fehlerfreien Bücher gibt.

Im Anhang eine Leseprobe


Die letzten 30 + Seiten beinhalten eine ausführliche Leseprobe von Dino Hawks’ Kriminalroman BREUER & HAG: DIE GEISTERHAFTE ZEUGIN, der wohl eher in Richtung Horror oder zumindest Urban Fantasy zu gehen scheint: Ein Mann wird erstochen und auf dem Computer der ermittelnden Polizeibeamten erscheinen mysteriöse Nachrichten. Nichts, was jetzt sonderlich affin wäre zum Cosy-Krimi um die drei Bell-Schwestern. Resolute Ermittlerinnen mit Verstand, Mut und Humor sind mir deutlich lieber als Gespenster und deren Jäger.
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Die Autorin
Klarissa Klein, Jahrgang 1966, lebt und arbeitet seit 17 Jahren mit ihrer Familie im Sauerland und der Normandie. 2009 erschien ihr Erstling „Lustschmerz“ (bluepanther books), weitere Romane im erotischen Genre folgten. 2017 verabschiedete sie sich mit „Games of Trust“ (Droemer Knaur) aus dem romantischen Milieu und folgt seitdem ihren großen Idolen der Kriminal- und Horrorliteratur.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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