Kris B.: Tödlicher als Hass. London Crimes, Ricks 4. Fall – Psycho-Krimi

Kris B.: Tödlicher als Hass. London Crimes, Ricks 4. Fall – Psycho-Krimi, München 2017, Edition Tingeltangel, ISBN 978-3-944936-37-6, Klappenbroschur, 244 Seiten, Format: 13,7 x 2,7 x 21,1 cm, Buch: EUR 12,90, Kindle Edition: EUR 6,99.

Abbildung: (c) Edition Tingeltangel

„Niemand, der so Klavier spielen kann wie Sie, würde ausgerechnet Polizeibeamter werden. (…) Es ist noch nicht zu spät.“
„Ach, kommen Sie, ich habe seit über zwanzig Jahren nicht ernsthaft geübt.“
„Na und? Sehen Sie sich doch Ihre Hände an. Die sehen so jung aus. Sie warten darauf, dass ihr wirkliches Leben endlich beginnt.“ (Seite 48/49)

Jetzt ist es passiert! Detective Inspector Rick London (Ende 40) hat eine fette Lebenskrise! Vielleicht hat er in jüngster Zeit zu oft in Künstlerkreisen ermittelt. Wenn er all die kreativen Geister sieht, drängt sich ihm natürlich die Frage auf, ob es damals klug war, auf eine Karriere als Pianist zu verzichten und stattdessen Polizist zu werden.

Detective London in der Krise


Aus dem Künstlermilieu gibt’s auch privat kein Entkommen. Rick hat Freunde am Theater und seine schriftstellernde Nichte/Ziehtochter Cecilia „Cece“ (23) ist mit einem Choreographen verlobt. Fast wäre es dazu nicht mehr gekommen. Bei Ricks letztem Fall wurde Cece als Geisel genommen und buchstäblich in letzter Sekunde befreit. Obwohl Cece einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort war und der dramatische Vorfall rein gar nichts mit Onkel Ricks Beruf zu tun hat, taucht jetzt wie auf Kommando ihre ganze gestörte Mischpoche aus der Versenkung auf und macht den beiden Vorwürfe und Vorschriften. Sonst kümmern sie sich das ganze Jahr nicht!

Cece lässt sich davon nicht beirren, doch Rick, der so angeschlagen ist, dass er im aktuellen Fall die Ermittlungen nicht selbst leiten kann – das macht jetzt stellvertretend Detective Sergeant Timothy Blockley – hat dem Geplärr von Schwägerin und Bruder nicht viel entgegenzusetzen. Klarer denn je sieht er aber, was Cece ihm bedeutet. Und dass das Verhalten seiner Familie ausschlaggebend dafür war, dass er seinen beruflichen Traum aufgegeben hat.

Mord an einer Operndiva


Auch Ricks jetziger Fall spielt wieder im Künstlermilieu. Die gefeierte Opernsängerin Kyra Callahan (36) wurde in ihrer Londoner Wohnung überfallen und gefoltert und ist dabei zu Tode gekommen. Ihr Ehemann, Lee Dexter (44), ein Pilot, hat sie nach seiner Rückkehr aus Boston gefunden.

Der Witwer ist untröstlich. Doch eine seltsame Bemerkung des Komponisten Graham Rodney lässt vermuten, dass mit diesem Mann und mit der Beziehung der Eheleute etwas nicht stimmt. Auch die Sängerin selbst hatte ein paar gut gehütete Geheimnisse.

Der Leser weiß mehr als die Ermittler. Wir kennen nämlich auch die Gedankengänge eines besessenen Fans der Künstlerin. Hat Kyra ihn abgewiesen und er hat sich gerächt? Es sieht so aus, aber wirklich sicher können wir nicht sein. Denn, wie gesagt, auch der Ehemann benimmt sich verdächtig. Und der Kunstbetrieb ist, wie wir in einem der vorangegangenen Bände gelernt haben, eine Schlangengrube.

Besessener Fan, mysteriöser Witwer


Eine Spur führt nach Mailand, wo die Künstlerin beigesetzt werden soll. Kurzerhand begleitet Rick den trauernden Witwer nach Italien. Während er dort dem unkooperativen Piloten auf den Zahn fühlt, entgleitet in London DS Timothy Blockley die Leitung der Ermittlung. Ricks Fußstapfen sind doch ein bisschen größer als er angenommen hatte. Constable Janice Lake glaubt, Ricks intuitive Ermittlungsmethoden anwenden zu müssen und wagt einen gefährlichen Alleingang …

In diesem Psycho-Krimi stellt sich weniger die Frage, wer wem etwas angetan hat, sondern warum, und welche Konsequenzen das hat. Das gilt für den Menschen, der Kyra Callahans Tod zu verantworten hat genauso wie für Rick und Ceces Angehörige. Sie alle haben Verletzungen erlitten und handeln aus diesen Erfahrungen heraus. Es geht hier nicht um eine strenge Trennung in Gut und Böse, sondern um Ursache und Wirkung. Menschen treffen Entscheidungen, kluge oder weniger kluge, und das hat für sie und andere unter Umständen weitreichende Folgen.

Verstörender letzter Fall


Mit diesem packenden und bisweilen verstörenden Fall findet die Rick-London-Reihe ihren logischen Abschluss. Natürlich wünschen wir Rick und Cece alles Gute – und ihrer egoistischen und unfairen Verwandtschaft die Pest an den Allerwertesten -, aber es ist schon schade, dass die beiden der Psychokrimiwelt nun nicht mehr zur Verfügung stehen. Wenn’s nach mir ginge, müsste das keine Entscheidung für immer sein. Miss Marple, Jessica Fletcher und Pater Brown hatten auch andere Prioritäten im Leben und sind trotzdem ständig in irgendwelche Fälle hineingeschlittert! Und ich sagte ja schon: Die Welt der Kunst ist eine Schlangengrube!

Die Autorin
Kris B. ist eines von fünf Pseudonymen der vielseitigen Autorin und Übersetzerin Christine Spindler, die selbst begeisterte Krimileserin ist. Sie hat als Setting für ihre vierbändige Reihe bewusst London gewählt, denn so gab es immer wieder Gründe für Recherchereisen in die quirlige Metropole – die perfekte Abwechslung zu ihrem ruhigen Alltag in einem idyllischen Dorf. Im Internet ist sie zu finden unter www.krisbenedikt.de und www.christinespindler.de

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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