Offlinewerbung — Onlinekäufe

Am Freitag rief eine Callcenter-Mitarbeiterin bei mir daheim an und offerierte mir einen € 20,- Preisnachlass, wenn ich bei einem bestimmten Mode-Versandhaus etwas bestelle. Ich gehöre da zum Kundenstamm, das ist okay so. Machen wir öfter. Die rufen zu einem vereinbarten Zeitpunkt wieder an und fragen die Bestellung ab. Entweder habe ich dann etwas Interessantes gefunden und kassiere den Preisnachlass – oder eben nicht.

Am Montag Abend wollte sich da wieder jemand melden.

Am Sonntag Abend dachte ich, jetzt guckste doch mal in die Kataloge, ob was Nettes dabei ist. Manchmal mach ich mir extra zu diesem Zweck Markierungen in den Printkatalog im Sinne von „gefällt mir, aber nicht zu diesem Preis“.

Ich krame also in meinem Büroschrank in den entsprechenden Stehsammlern – und, oh Schreck! Gar kein Katalog dieses Anbieters mehr da! Vor zwei Wochen hab ich die Sommerkataloge ausgemistet, und dabei ist offenbar alles aus diesem Hause im Altpapier gelandet. Herbstkatalog war noch keiner da, also Pech gehabt.

„Hätten Sie nicht online gucken können?“


Ich erkläre am Montag der Callcenter-Mitarbeiterin am Telefon die Situation. Pampt sie mich an: „Hätten Sie nicht online gucken können?“

Ich: „Entschuldigung, ich komme gerade aus dem Büro. Dazu hatte ich keine Zeit.“

Sie: „Ich hab ja auch nicht gemeint, dass Sie das während der Arbeit machen sollen. Wir hatten Sie doch schon letzte Woche angerufen.“

Ich: „Ja. Am Freitag Abend. Bis Sonntag Abend ging ich davon aus, dass ich einen Katalog im Haus habe.“

Sie: „Und online können Sie nicht gucken?“

Ich: „Das ist nicht dasselbe. Da kann ich nicht blättern wie in einem Print-Katalog. Online bestelle ich nur, wenn ich etwas Bestimmtes brauche und angeben kann: ‚T-Shirt, Größe Sowieso in Rot’. Wenn ich keinen konkreten Bedarf hab, bringt mir das nix.“

Hat sie nicht verstanden. Und das hab ich nicht verstanden.

Diese Telefon-Aktion funktioniert meines Erachtens nur,

  • wenn der Kunde zufällig gerade einen bestimmten Artikel braucht,
  • oder wenn er etwas vor der Nase hat, das einem Schaufensterbummel entspricht. Also einen wie auch immer gearteten Katalog, Print oder Online, der ihm das Angebot präsentiert, ihn inspiriert und zum Kaufen verführt. Er muss denken: „Ach, schau an, der Artikel da ist aber nett. Das könnte mir gefallen.“

Bestellformulare wecken keine Sehnsüchte


Ein virtueller Point of Sale, bei dem man erst exakte Suchkriterien eingeben muss, damit man überhaupt ein Produkt angezeigt bekomme, erfüllt diesen Zweck nicht. Das ist nur ein elektronischer Bestellzettel mit langweiligen, unattraktiven kleinen Produkt-Abbildungen, die nicht imstande sind, den Kunden zum Träumen zu bringen und einen Bedarf bei ihm zu wecken.

Solange die Online-Auftritte der Klamottenhändler mehr oder weniger nur Landingpages für Bestellungen sind, wird man auf Printwerbung nicht ohne weiteres verzichten können.
Das merken die dann schon.

Abbildung: 3dman_eu / CC0 Creative Commons
www.pixabay.com

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