Rita Falk: Eberhofer, Zefix! Geschichten vom Franzl

Rita Falk: Eberhofer, Zefix! Geschichten vom Franzl, München 2018, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN 978-3-423-28991-7, Hardcover, 119 Seiten, Format: 12,2 x 1,5 x 17,9 cm, Buch: EUR 8,00 (D), EUR 8,30 (A), Kindle: EUR 6,99. Auch als Hörbuch lieferbar.

Abbildung: (c) dtv Verlagsgesellschaft

Bei den Franz-Eberhofer-Krimis steht sowieso immer das familiäre und dörfliche Drumherum im Mittelpunkt und der jeweilige Kriminalfall ist nur der Aufhänger. Also können die Kurzgeschichten vom Franzl auch gut alleine stehen, es braucht nicht unbedingt einen Mord. Einen Toten gibt’s hier trotzdem, ausgerechnet zu Silvester. Doch der Reihe nach:

Nur eine der vier Storys ist neu


Wenn ich den Quellenhinweis am Schluss des Buchs richtig interpretiere, ist nur eine der vier Storys nur und exklusiv für diesen Band geschrieben worden. Die anderen drei sind bereits 2011 und 2012 in verschiedenen Anthologien erschienen. Bei denen waren auch die Themen vorgegeben. Das erklärt so manches.

Gleich in der ersten Geschichte, EIN BAYER IN GELSENKIRCHEN, geht’s mit Volldampf ins neue Jahr und rein in den Schlamassel. Weil seine Susi an Silvester keine Zeit hat, ist der Franz beleidigt und fährt nach Gelsenkirchen, wo sein Kumpel, der Privatdetektiv Rudi Birkenberger, derzeit ermittelt. Über das Thema Fußball kommt’s dort auf einer Fete zu einer zünftigen Rauferei, bei der ein Beteiligter tot zurückbleibt. Für die Polizei vor Ort ist alles klar: Der Birkenberger war’s. Das stimmt aber nicht. Also bleibt Kommissar Eberhofer nichts anderes übrig, als auf fremdem Terrain zu ermitteln. Aber um Vorschriften hat er sich ja noch nie geschert.

URLAUB MIT DICK UND DOOF: Die Oma vom Franz hat in einem Preisausschreiben eine Reise nach Österreich gewonnen. Da das Programm aber eher was für junge Leute ist als für eine Frau in den Achtzigern, fährt an ihrer Stelle der Franz – und seine beiden Kumpels, der Heizungspfuscher Flötzinger und der Metzger Simmel, kommen mit. Natürlich kommt es zu tumultartigen Szenen, wenn die drei Chaoten zusammen unterwegs sind.

Brüller: Die Szene, in der sich Simmerl, der Pfundskerl, vorm Rafting in einen Neoprenanzug quälen will. Natürlich ist es unzivilisiert, über körperliche Merkmale anderer Menschen zu lachen, aber ich meine, der Kerl weiß doch, dass er von ausgesprochen stattlicher Statur ist. Das kann überhaupt nicht gut gehen! Ob sich der ganze Aufwand für ihn auszahlt?

Rudi kennt sich selbst nicht mehr


WIE DER RUDI EINMAL FAST DEN NOBELPREIS BEKAM – Wir erinnern uns: In Band 8 hatten der Franz und der Birkenberger Rudi einen spektakulären Autounfall. Der Franz hat nur ein paar Kratzer davongetragen, aber der Rudi liegt lange im Krankenhaus. Diese Story setzt ein, als er aus dem Koma erwacht und so verwirrt ist, dass er den Franz nicht erkennt und nicht mal mehr weiß, wer er selber ist. Er hält sich für einen Physiker, der auf dem Weg zur Nobelpreisverleihung verunglückt ist. Das ist tragisch und komisch zugleich. Franz schmuggelt Rudis Lieblingsspeisen in die Klinik und hofft, dadurch seine Erinnerungen zu wecken …

In DER FRANZ UND SEIN GEBURTSTAG erfahren wir, wie Hund Ludwig zu seinem Herrchen gekommen ist. Es hat etwas mit der Franz‘ Dreißigerfeier zu tun, die seine Familie übrigens gegen seinen erklärten Willen stattfindet. Seine Familie hat Hinz und Kunz eingeladen. Alle amüsieren sich, nur der Franz hat nix als Rennerei und kommt nicht mal zum Essen.

Erwachsen wird nur der Hund


Das ist ein herrliches Prequel zu den Eberhofer-Krimis, die ca. zehn Jahre später spielen. Man sieht hier sehr schön das Grundproblem der Helden, das für die Leser so unterhaltsam ist: Die sind alle irgendwie im Teenageralter steckengeblieben. Mit 40 stehen sie noch genau da, wo sie mit 30 waren. Erwachsen geworden ist nur der Hund.

So lustig wie die Geschichten ist das anhängende Glossar, das die niederbayrischen Begriffe erläutert, die häufig in den Büchern vorkommen. Obwohl ich keine Übersetzung brauche, lese ich das immer mit Genuss. Kann man „Gscheithaferl“ schöner erklären als so? „Ein Gscheithaferl ist (…) jemand, der ständig die Waffel offen hat und seine überschaubaren Weisheiten in die Welt hinausposaunt, auch wenn die es ums Verrecken nicht hören will.“ (Seite 98)

Die Frage ist, ob sich das lohnt …


Das scheint aber auch ein Best-of aus der Krimireihe zu sein und nicht exakt das Vokabular aus der Kurzgeschichtensammlung aufzugreifen. Wer alle Bände der Krimireihe gelesen hat, kennt außerdem schon eine 4 Geschichten … die mit der Geburtstagsfeier. Da stellt sich natürlich die Frage, ob sich das Buch überhaupt lohnt. Man kann das Vereinen verschiedener Kurzgeschichten in einem Band als Fanservice betrachten. Sollte aber der eine oder andere Leser enttäuscht sein und sich über den Tisch gezogen fühlen, hätte ich Verständnis dafür.

Die Autorin
Rita Falk, Jahrgang 1964, hat sich mit ihrer Provinzkrimiserie um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer in die Herzen ihrer Leser geschrieben. Von sich selber sagt die Autorin, dass sie die schönste Zeit ihres Lebens in Oberbayern verbracht hat. Dort hat sie ihre Kindheit verbracht, wuchs bei der Oma auf. Dem ihr so vertrauten Landstrich ist Rita Falk auch als Erwachsene treu geblieben. Sie lebt heute in München. Rita Falk ist mit einem Polizisten verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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