Über Stock und Stein

Es wird gebaut. Die Haupteinkaufsstraße ist aufgegraben und nicht befahrbar, der Zugang zu den Geschäften schwierig. Die Busse fahren durch Nebensträßchen und halten an seltsamen Stellen. Das ganze wird so ca. anderthalb Jahre dauern, den baustellentypischen BER-Faktor noch nicht mit eingerechnet.

Einkaufen unter erschwerten Bedingungen

Insgeheim rechne ich ja mit drei Jahren. Obwohl … die zuständige Baufirma hat zwei Wochen Vorsprung vor ihrem Zeitplan erwirtschaftet, weil sie mehr Leute und mehr Maschinen zur Verfügung hat als ursprünglich gedacht. Mal sehen, ob das so bleibt.

Ich weiß, dass das alles sein muss. Ätzend ist es trotzdem. Für meinen Samstagseinkauf brauche ich mittlerweile zweieinhalb Stunden.

Ich bewaffne mich mit meinem „Hackenporsche“, diversen Taschen und meiner Jahreskarte und fahre mit dem Bus hin. Manchmal muss ich, so wie diese Woche, noch Unterlagen bei einem Geschäftspartner vorbeibringen. Also fahre ich erst einmal in Richtung Norden. Nach Ablieferung der Papiere geht’s zu Fuß über Stock und Stein, Schotterwege und Behelfsbrücken in Richtung Süden. Und „mit der Kirche ums Kreuz“, weil man ja nicht mehr an beliebigen Stellen die Straße überqueren kann, sondern nur an speziellen Fußgängerfurten.

Im Zickzack durch die Gemeinde

Dann geht’s im Zickzack durch die Gemeinde. Erst zum Supermarkt, dann, mit dem Einkauf beladen auf schmalen Gehwegen in Konkurrenz mit Radfahrern, Fußgängern, Rollatoren, Kinderwägen etc. in Richtung Westen zum Bäcker und Post. Dann dieselbe Strecke zurück gaaaanz nach Osten. Der Laden dort macht nämlich später auf.

Danach habe ich die Wahl: Entweder mit Sack und Pack über Stege und Schotter nochmal zurück zur Behelfshaltestelle in den Nordwesten, oder eine längere aber bequemere Strecke runter in den Süden. Da bin ich schon halb daheim. 😀 Na ja, fast.

Die südliche Haltestelle hat zwar kein Dach, aber immerhin eine Bank. Wenn’s trocken ist, kann man wenigstens am Rand der Landstraße sitzen. (Oder man steht halt unterm Schirm geduckt im Regen, der Einkauf wird nass und die Post durchweicht.) Ich muss zwischen einer Viertel- und einer halben Stunde auf den Bus nach Hause warten.

Keine Bank, kein Dach, kein Mülleimer

Die Behelfshaltestelle im Nordosten hat gar nix: Keine Bank, kein Dach – und keinen Mülleimer. Das ist schlecht. Hilflose Leute legen ihren Abfall verschämt vor den Gartenzaun, unkultivierte Mitmenschen schmeißen das Zeug dem privaten Anrainer in den Rasen. Und der hat dann das Geschiss damit. Die Haltestelle gibt es gerade mal zwei Wochen und es schaut dort schon aus wie die Sau. Ich hoffe doch, dass die Gemeinde da ein bisschen aufräumt und Arbeit und Verantwortung nicht auf den Grundstücksbesitzer abgewälzt werden, dem man ungefragt die Haltestelle vor den Gartenzaun gepflanzt hat.

Wie gesagt: Baustellen müssen sein. Aber es macht keinen Spaß. Ich kann jeden verstehen, der auf „buy local“ aus großer Höhe pfeift und anderswo einkauft. Das ist nämlich Stress pur.

Die ersten Läden sind schon zu

Ach ja: Die Umbaumaßnahmen sollen übrigens dazu dienen, die Haupteinkaufsstraße attraktiver zu gestalten und „die Aufenthaltsqualität zu verbessern“. Na, dann! Ich hoffe nur, dass es dort bis zum Abschluss der Bauarbeiten überhaupt noch Läden gibt, in denen man einkaufen kann. Der Schuhhändler und der Klamottenladen haben schon zugemacht. Die prognostizierten 50 % Einbußen während der Umbauphase könne er nicht verkraften, hat einer von ihnen gemeint. Der Optiker hat altershalber aufgehört und in dieser Lage keinen Nachfolger mehr gefunden. Die Apotheke war schon vor dem Umbau weg. Hoffentlich folgen nicht noch weitere Geschäfte nach!

Foto: (c) Sebastian Göbel / www.pixelio.de

Ein Kommentar

  1. Ich hab gestern noch die Gemeinde angeschrieben, ob sie nicht an den provisorischen Haltestellen provisorische Müllbehälter anbringen könnten. Heut Morgen war schon die Antwort da. Ja, machen sie.

    Ich nehme mal an, dass das ohnehin geplant war, sonst hätten sie mir nicht so prompt diese Auskunft geben können. Aber egal – Hauptsache, der Müll kommt von der Straße.

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