Silje Elin Matnisdal, Leiv Magnus Grøtte: Ayla – Meine ungewöhnliche Freundschaft mit einem jungen Fuchs

Silje Elin Matnisdal, Leiv Magnus Grøtte: Ayla – Meine ungewöhnliche Freundschaft mit einem jungen Fuchs, OT: Ayla the Fox – Reven som sjarmerte en hel verden, aus dem Norwegischen von Dr. Ulrike Strerath-Bolz, München 2019, Knaur Verlag, ISBN 978-3-426-21452-7, Hardcover mit Schutzumschlag, 208 Seiten mit zahlreichen großformatigen Farbfotos, Format: 21,3 x 2 x 23,8 cm, Buch: EUR 19,99, Kindle: EUR 14,99.

Abb. (c) Knaur Verlag

„Ich will die Berge für mich allein. Und weil ich  so gern allein unterwegs bin, habe ich mir einen Fuchs als Begleiter gesucht.“ (Seite 157)

Die Fotos in diesem Band sind großartig – die Idee, einen Fuchs als Haustier zu halten, ist es nicht. Auch wenn man, wie die Autorin/Fotografin Silje Elin Matnisdal, auf einem Bauernhof in Südwestnorwegen wohnt und das Tier in einem geräumigen Gehege halten kann – wenn es nicht gerade im Haus ist und wenn Frau und Füchsin nicht zusammen durch die Natur wandern.

Abb.: (c) Knaur Verlag / Foto: E. Nebel

Abb.: (c) Knaur Verlag / Foto: E. Nebel

Die Geschichte geht für die Füchsin auch nicht gut aus. Das machen die Autoren gleich auf den ersten Seiten klar. Und ich sage es hier auch in aller Deutlichkeit, weil ich weiß, dass manche Leser*innen Bücher mit traurigem Schluss nicht mögen.

Wenn man Siljes Vorgeschichte kennt, klingt ihre Idee, einen Fuchs halten zu wollen, gar nicht mehr so kurios. Als sie fünft Jahre alt war, hielt ein Nachbar Silberfüchse und schenkte Siljes Bruder einen Welpen zum Geburtstag. „Mikkel“ hieß das Tier, hatte ein Gehege auf dem Hof aber uneingeschränktem Freigang – von dem er eines Tages nicht mehr zurückkehrte. Ein anderer Nachbar hatte ihn erschossen. Mikkels Nachfolgerin, die Füchsin Mikkeline, war nicht so streunerisch veranlagt und wurde an Siljes Seite uralt.

Silje will einen Fuchs als Haustier

Jetzt ist Silje um die 30 und möchte wieder einen Fuchs. Nun kann man nicht einfach ein Wildtier aus der Natur entführen. Also kauft sie einen fünf Wochen alten Goldfuchswelpen – einen Mix aus Rot- und Silberfuchs – von einer Pelztierfarm frei und zieht ihn auf ihrem Hof groß.

5 Wochen ist ein bisschen sehr früh, um einen Welpen von seiner Mutter wegzunehmen, aber Silje erklärt uns, dass ein älteres Tier nicht mehr an den Menschen hätte gewöhnt werden können.

Stubenrein wird das Tier nicht. Ayla verschleppt, zerstört und bepinkelt alles, was sie erwischen kann. Silje muss sich schon sehr stark nach ihrem Haustier richten, ihre Wohnung entsprechend aus- und umräumen und der Füchsin permanent hinterherputzen. Das hatte sie so nicht in Erinnerung. Aber vielleicht haben die Füchse ihrer Kindheit auch nicht mit im Haus gewohnt. Doch Ayla ist noch zu klein um allein draußen im Gehege zu schlafen. Sie schläft bei Silje und folgt ihr, wenn sie zuhause ist, auch sonst auf Schritt und Tritt.

Mit Futterbelohnungen und Klickertraining gelingt es Silje, ihrer Füchsin Kommandos beizubringen wie einem Hund. Nur, dass Ayla eben ein Wildtier bleibt und nur dann gehorcht, wenn sie gerade Lust dazu hat.

Goldfüchsin Ayla wird zum Medienstar

Ayla ist flauschig und niedlich, und als Silje ein paar Fotos von ihr auf Instagram postet, dreht das Internet durch. Mit jedem neuen Fuchsfoto wächst die Zahl ihrer Follower. Die Zeitungen melden sich und diverse Fernsehsender. Ayla wird zum Medienstar. Richtig zahm wird sie aber nie. Wenn Silje sie an der Leine führt, fühlt sich das so unnatürlich und verkrampft, wie wenn sie mit einer angeleinten Katze spazieren gehen würde.

Wo „der berühmteste Fuchs der Welt“ (Seite 13) auch auftaucht, sorgt er für Aufsehen. Das ist Ayla manchmal zu viel. Aufdringliche Menschen, die ihr zu dicht auf den Pelz rücken, mag sie nicht. Da kann sie ganz schön ungemütlich werden. Mitten in den Vorbereitungen für dieses Buch verschwindet Ayla auf einer Wanderung. Silje und Aylas Follower sind außer sich und gefühlt halb Norwegen sucht nach ihr. Doch diese Suche geht nicht so aus, wie Aylas Freunde es sich erhofft haben. Der bezaubernde Bildband wird zum Nachruf.

Silje ist untröstlich und versucht sich mit dem Gedanken zu beruhigen, dass Ayla auf bei ihr auf jeden Fall ein schöneres und längeres Leben hatte als sie es auf der Pelztierfarm je gehabt hätte.

Autor mit kritischer Distanz

So hinreißend die Fotos von Ayla im Haus und auf den Wanderungen sind – Leiv Magnus Grøtte wahrt stets eine kritische Distanz zu dem Thema, über das er schreibt. Er lässt beim Leser gar nicht erst den Wunsch aufkommen, ebenfalls einen Fuchs als Haustier halten zu wollen. Zum Glück! Es wäre auch nicht wünschenswert, dass aus einem Medien-Hype ein Fuchs-als-Haustier-Hype wird. Also genießen wir Leser*innen die herrlichen Fotos und die einfühlsamen Berichte über Aylas Abenteuer in diesem Buch – und vielleicht auch im Internet* – und sind froh, dass wir die Probleme, die Silje mit ihrem Haustier hatte, nicht haben.

*) Aylas Youtube-Kanal: www.youtube.com/channel/UC1yr8MV9TOlI2DlWuTrsQCw

Die Autoren

Silje Elin Matnisdal lebt auf einem Bauernhof unweit von Stavanger in Südwestnorwegen und arbeitet als Logistikerin bei einem großen Maschinenbauunternehmen. Sie ist eine große Naturliebhaberin und Tierfreundin.

Leiv Magnus Grøtte lebt in Hundvag bei Stavanger und arbeitet in einer Werbeagentur. Er hat Silje und Ayla über Monate hinweg mit seiner Kamera begleitet.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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